Liebes-Gespräch des Hirten Damon mit der Schäfferinn Hyelle.

By Johann Georg Gressel

Hyelle laß dis Feld wo Phœbus Feuer blitzt

Und geh mit mir dahin wo man im kühlen Schatten

Am Rand des hellen Strohms in weichen Blumen sitzt

Wo Anmuth und die Lust das Lager uns verstatten.

Es wird der Glieder-Schnee hier vou der Hitze braun

Dein schön es Angesicht wird durch den Strahl verbrennet.

Die Worte sind zwar gut doch dir ist nicht zu traun

Die so den Männern folgt in ihr Verderben rennet;

Sie zuckern an ihr Wort man stellt sich heilig an

Bis daß sie uns berückt und in das Netz gejaget

Und sind wir denn gefällt alsdenn so siehet man

Daß ihr uns nicht wie sonst mehr auf den Händen traget.

Wie übel siehest du doch meine Worte ein

Die nichts von ungebühr und falschen Locken hegen

Wie könnt ich gegen dich mein Kind betrüglich seyn!

Da Ehr und Furcht in mir das Wollen niederlegen.

Ich ehre deine Pracht doch zwing’ ich mich dabey

Daß nichts was widrig klingt aus meinem Munde fahre

Und daß ich deiner Zucht niemahls beschwerlich sey

Noch daß ich mich zu frech mit deiner Pracht gebahre.

Komm mit zu jenem Busch fühl wie die Sonne sticht

Laß doch die schöne Haut so bößlich nicht verderben

Komm mit wo

Und wo den

Nein! Nein! ich folge nicht. Den Vögeln pfeifft man süß.

Bis daß der Vogler sie mit Netz und Garn bestricket

Du machst es eben so und meinest gantz gewiß

Ich würde auch von dir durch Schmeichelung berücket.

Ich sehe schon womit die Geister schwanger gehn

Ich mercke deine Gluht ich spühr du bist entzündet;

Du must vom innern Brand mehr Uberlast ausstehn

Als mein Gesicht und Hand von

Doch birgest du den Schalck und stelst dich heilig an

Als hätte deine Hand das Wasser nie betrübet

Da über Wolffes-Art der Schaaf-Peltz ist gethan

Von aussen bist du kalt inwendig sehr verliebet;

Du laurst als wie ein Löw auf meine Jungferschafft

Nein! Nein! ich folge nicht ich will beym Schaafen bleiben

Dein süsses Locken hat bey mir gantz keine Krafft

Hier will ich meine Zeit in stoltzer Ruh vertreiben.

Laß seyn ich liebe dich laß mich verliebet seyn

So kanst du doch mein Licht mich darum nicht verdammen

Wer ists der uns den Trieb der Liebe flösset ein

Wer nehrt in unser Brust die süssen Liebes-Flammen?

Thuts nicht der Himmel selbst der unser Meister ist?

Nach dessen Schatzungen die Menschen-Kinder leben

Wer ist der sein Befehl nicht ohne weigern küst?

Und welcher findet sich der ihm kan widerstreben?

Man saugt den Liebes-Safft mit aus der Mutter-Brust

Und eh man reden kan die Liebe uns besitzet

Es schafft in Windeln schon mehr denn versüßte Lust

Wenn auf der Mutter Leib man seinen Leib erhitzet.

Die Liebe wächst wie wir altäglich nimmt sie zu

Ja sie hat mehr bey uns als wir selbst zugenommen

Sie treibt die Sinnen an und stöhrt dem Geist die Ruh

Bis er den Ort gesucht wo er ist hergekommen.

Man spühret ihre Macht in Steinen und in Stahl

Die gantze Creatur ist gegen sich verliebet

Es ehrt der Liebe Macht die Erde überall

So bald die Sonne weicht ist

Die Turtel-Taube stirbt wenn ihr der Tauber fehlt

Der Palm-Baum der verdorrt wenn ihm sein Mann entriffen

Aurora sich noch jetzt um ihren Cephal quählt

Und du wilt nichts von Feur und

Ich weiß nicht was dein Mund mir von der Liebe sagt

Mir ist was

Doch weiß ich nicht wie mir der Nahme so behagt

Ich weiß nicht wie mir wird die Brust will sich verkehren

Es regt sich was in mir doch ist mirs unbewust

Ach

Dein süsses Reden rührt die eisen-harte Brust

Jhr Götter daß ihr mich mich Arme so betrübet.

Was ficht

Gelt!

So gehts wenn man die Macht des starcken Gotts entehrt

Der einen Felsen-Sinn im Augenblick kan brechen.

Doch

Er schenckt den Liebenden viel tausend Süssigkeiten

Er überhäufft mit Lust er reget süssen Schertz;

Komm folge mir nur nach den Schmertzen zu bestreiten.

Ich stehe noch was an dir

Ich weiß nicht wie ich soll die kühne That beschönen

Dann würde mich bey dir wer gantz alleine sehn

So möcht man meine Zucht und Ehrbarkeit verhöhnen.

Wirf die Gedancken hin und folge mir nur nach

An jenen dunckeln Ort zu denen Lust-Gebüschen

Wo wir alleine seyn bey dem Crystallen-Bach

Gewiß da kan kein Mensch zusammen uns erwischen.

Da wird die sanffte Lufft verliebte Winde wehn

Die Vögel werden uns verbulte Lieder singen

Wir werden da vor Lust gleich als bezaubert stehn

Der klahre Bach wird gleich den hellen Orgeln klingen.

Es wird wenn du gesinnt wie ich gesinnet bin

Ein Meer der Süssigkeit die Geister überschwemmen

Und in die Schwaanen-Brust wird sich die Anmuth ziehn.

Komm koste

Ich weiß nicht wie mir ist ich schwinde ich vergeh

Dein Mund bringt Sachen für die meinen Geist bethören

Bald bin ich recht beglückt bald wird mir wieder weh

Wie ist mir soll ich denn

Soll denn ihr starcker Arm anjetzt gantz krafftloß seyn

Und muß ihr schneller Pfeil vor

Wie geht mir alle Krafft und alle Stärcke ein?

Ach! ja der

Komm nur mein Engel komm und schenck mir deine Gunst

Reich mir die Brüste dar die allerschönsten Dinger

Die Kost des Paradies den Zunder zu der Brunst

Ach schenck mir deinen Schooß den rechten Hertzens-Zwinger.

Mein

Warum sucht deine Hand das Kleid mir auffzuheben?

Es fügt sich eben so doch hält es nichts in sich

Verliebte pflegen da nicht Achtung auffzugeben.

Wenn du wilt täppisch seyn? so gehe in der Zeit

Du möchtest sonst mit mir dich gar zu mausicht machen.

Entweiche nicht mein Kind es bringet dir kein Leid

Ein Griff und Kuß die sind ja gar geringe Sachen.

Doch zündt ein Griff und Kuß der

Und macht durch innre Gluht uns in uns selbst verbrennen.

Da wo man Wasser hat sogleich man löschen kan

Wenn sich die Flamme läst nur durch den Rauch erkennen.

Flammt nun dein Hertze an so küsse mich mein Kind

Laß mich ein mehres zu gib Kuß und Griff zusammen

So löschet sich die Gluht durch das was sie entzündt

Und Wasser wird daraus was vormahls heisse Flammen.

Mein

Betaste meine Brust und laß das ander bleiben.

Du Närrin weist noch nicht was darauf folgen muß

Wenn man mit küssen will die Zeit nicht mehr vertreiben.

Was folget denn darauf? ach lasse mich doch loß

Und sage mir hernach was folget nach den Küssen.

Das was du noch nicht weist erfähret deine Schooß

Doch soll sie es jetzund mit höchster Anmuth wissen.

Hilf Himmel steh mir bey

Rett meine Jungferschafft sie liegt in letzten Zügen.

Dein Ruffen hilfft dir nichts wie hört

Die bey

Bequehme dich mein Kind nur zu der Liebes-Lust

Der Himmel stimmet bey das Schicksahl will es haben.

Soll es denn also seyn so drücke Brust an Brust

Ich will so viel ich kan dein heisses Hertze laben.

Ich bleibe dir davor mein Leben stets verpflicht.

Ach halt! mein Schatz halt an! es ist genug geschertzet

Ein mehres gönn ich dir bey meiner Treue nicht

Ach glaube daß dein Thun mich gar zu herbe schmertzet.

Mein Kind es schadt dir nichts die Schmertzen sind gar klein

Den Jungfern thun sie weh doch kitzeln sie die Weiber.

Laß doch mein liebster Schatz es nun zum Ende seyn.

Wir bringen sonst in eins ja unser beyde Leiber.

Gedulde dich mein Kind und traue es mir zu

Daß ich dir deinen Leib gar nicht verletzen werde

Ich bin von Wollust sat ach! gib dich nun zur Ruh

Und siehe wie ich mich so ängstiglich gebährde.

Mein Schatz ich bin entzückt - - - - - - - - - - - - - - -

- - - - - - - - - - - - - - - ich bin nicht mehr bey mir

Ich bin im Paradies ich breche Zucker-Früchte

Mein Liebster ach mein Schatz - - - - - - - - - - - - - - -

- - - - - - - - - - - - - - - ich lebe bloß in dir

Mir schencket deine Brust ein süsses Lust-Gerichte.

Ach welche Zucker-Lust hat doch mein Geist geschmecket!

Welch süssen Lebens-Thau hast du mir eingeflösset!

O süsse Anmuths-Quell! von der mein Geist geleckt

Nachdem du mir die Brust und deine Schooß entblösset.

Voll Wollust ist die Brust und meine Seele voll

Es kitzelt mich annoch das Lust beseelte Streiten.

Mein Leib der ist ermüdt er kan nicht wie er soll

Jhm fehlet Stärck und Krafft dir Anmuth zu bereiten.

So hat mein

Und in der zarten Schooß den Liebes-Schatz gepräget.

Nein! Nein der Himmel hat den Sieg dir zugefüget

Der mich als deinen Knecht für deine Füsse leget.

Auf! auf! mein

Hör was die Bäume schon von unser Liebe sagen.

Ach! warte doch mein Kind und sey noch eins gehertzt

Die Bäume dürffen es nicht zu verrahten wagen.

Nun gute Nacht mein Schatz der

Ich scheide zwar von dir der Geist stets bey dir bleibet.

Der Himmel wehe dir mein Engel Anmuth zu

Die dir mit stoltzer Freud’ Angst Noht und Pein vertreibet.