Liebes-Gespräch zwischen unsern ersten Eltern.

By Johann Georg Gressel

Welch unbekannte Brunst beseelet meine Brust?

Was vor ein him̃lisch Feur erwärmet meine Glieder?

In meinem Hertzen glimmt ein Zunder fremder Lust

Mein Ohr das höret nichts als lauter Liebes-Lieder.

Der Vogel lockt das Weib mit halb erstorbner Stimm

Die Fische in dem Meer in Lust zusammen schertzen

Der Leue wird ein Lamm er heget keinen Grimm

Die Thiere dieser Welt sich in die Wette hertzen.

Nur ich ich aller Herr was dieser Erd-Kreyß hegt

Muß in der stummen Glut ohn einzig Labsahl brennen

Ich finde kein Geschöpff zu dem mein Sinn sich legt

Gehülffen kan ich nicht zu meiner Kühlung kennen.

Doch was beklag’ ich mich? da ich zur Stillung hab

Die

Die mir des Schöpffers Hand zur Mitgesellin gab

Bey der ich wann ich will die Ruhe kan bekommen.

Wie! daß ich denn so gar vor grosser Liebe blind

Und meinen Engel nicht zur Seiten sehe stehen?

Was wilden Thieren ist zu ihrer Lust vergünt

Kan mir zu größrer Lust von

Mein

Wie sich ein jedes Thier zu seines gleichen stellet?

Was ist es? daß in dir zur Zaudrung Anlaß gibt?

Wie daß sich deine Brunst nicht gleich zu mir gesellet?

Mein Wesen grösser Lust und Anmuth in sich hält

Als alles so die Welt in ihren Gräntzen heget:

Umsonst ist dieser Schmuck mir ja nicht zugestelt

Wie! daß dein Wunsch sich nicht zu meinem Wollen leget.

Sieh meiner Glieder-Pracht die wohl-gewölbte Brust

Wie sie aus heisser Brunst nach

Schau jener Gegend Zier den Wohn-Platz aller Lust

Woran uns die Natur durch ihren Trieb gewehnet.

Wie stehst du als entzückt verblendet dich die Pracht

Der angenehmen Brust und Perlen voller Glieder?

Wie daß dein Sehnen nicht zu meiner Brust sich macht

Und sich erhitzet legt in meinem Schoosse nieder?

Komm kühle dich mein Kind und stille deine Brunst

Was uns ergötzen kan ist gleich entbrandter Wille

Der Thiere Schertzen ist bey unser Liebe Dunst;

Komm’ eilend liebster Schatz mein Feur der Sehnsucht stille.

Dein schönes Wesen nimmt mir meine Geister ein

Es zwinget mich der Schmuck von deinem schönen Leibe

Es wünschet meine Brunst in dir gekühlt zu seyn

Mach

Kühl meine Gluhten ab mit

Laß mir die Zucker-Kost des Paradieses schmecken

Berausche meinen Geist mit deines Schooses Most

Laß uns ins kühle Gras die heissen Sinnen strecken.