Liebes-Lockung an den Herrn Jesum
Written 1690-01-01 - 1690-01-01
Komm komm mein Schöner
Du Nazarener
Mit deinen Blicken
Die mich erquicken!
Wo hat sich deine Liebe hingesteckt
Daß deine Blitze
Mit ihrer Hitze
Nicht mehr bestrahlen
Mich und bemahlen?
Hat irgend deine Lieb sich gantz verdeckt?
Laß dich doch finden
Und überwinden
Du Lebens-Fürste
Die weil ich dürste
Nach deinem süssen Krafft- und Liebes-Blut
Hör wie ich ächze
Und nach dir lechze
Mir ist so bange
Wenn du bleibst lange
Denn dein' Abwesenheit ist mir nicht gut.
Ach laß dich sehen
Und bald geschehen
Daß mein Gewissen
Dich stets mag küssen
Und truncken ward von deiner Liebe-Wain
Daß ich nicht mercke
Mehr todte Wercke
Und nichts mehr bleibe
Vom Sünden-Leibe
Dem Blut mach mich von allen Flecken rein.
So komm mein Hertze
Du Liebes-Kertze
Laß noch auff Erden
Mich dir gleich werden:
Erwärme mich mit deinem theuren Blut.
Nimm meine Schwärtze
Und todes Hertze
Und bleib der Meine
Ich bin der Deine
So machstu meine Lieb in mir das Böse gut.
Ich will mich setzen
Und stets ergetzen
Zu deinen Füssen
Laß doch geniessen
Dein süsses Manna deiner armen Magd.
Laß mich nichts hören
Als deine Lehren
Und nichts Verlangen
Als zu umfangen
Dich meinen Bräut'gam wie du mir hast zugesagt.
O Allerschönster
Laß deine Fenster
Doch immer offen
Daß ich kan hoffen
In Lieb und Leyde stets bey dir zu seyn.
Laß meinen Glauben
Durch Liebes-Trauben
Vollkommen werden
Noch hier auff Erden
So bleib ich ewig dein und du bleibst mein.
Mein Liebster sage
Auff meine Klage
Mir Antwort wieder
Und setz dich nieder
In meine gantz in dich verliebte Seel.
Wie kanstus sparen
Zu offenbahren
Mir gantz dein Hertze?
Daß meine Kertze
Nicht dunckel brenn gib meiner Lampe Oel.
Wie eine Klette
Und eine Kette
Laß mich anhangen
Stets deinen Wangen.
Immanuel ich laß dich nimmermehr!
Du must mich segnen
Und auff mich regnen
Viel Liebes-Tropffen
Und tieff einpfroffen
Mich in dein Hertz zu deinen Preiß und Ehr.