Liebes-schreiben des Leanders an seine Hero.

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Leander schickt dir diß was er selbst bringen wolte

Nichts schönstes kind als heyl wenn lufft und see in ruh

Wenn nach der götter schluß ich dich auch lieben solte

So käme dieser brieff nicht deinen händen zu

Sie sind mir nicht geneigt weil sie mein wünschen hindern

Und auch zugleich den lauff auf der bekanten fluht

Du siehst die schwartze dunst das licht des himmels mindern

Das kummer-schiff und ich verlieren blut und muht.

Der brieff der ist so frech wie dieses schiffers sinnen

Der eintzig und allein dem wind die segel gibt

Abydens wachsam aug verhindert mein beginnen

Sonst hätt ich gleich wie er mich in dem sturm geübt

Den eltern kont es nicht wie vor verschwiegen bleiben

Die liebe tritt hervor wie sehr man sie bedeckt.

Ich sagte werther brieff geh als ich wolte schreiben

Es hat die schöne haud mein lieb nach dir gestreckt

Sie wird dich auch vielleicht an ihre lippen drücken

Indem ihr weisser zahn das feste band zerbeist.

Mehr worte kan ich nicht dir heimlich überschicken

Weil meine hand das blat genugsam unterweist.

Ach wenn sie doch nicht schrieb und wolte selber schwimmen

Und trüge meinen leib durch die erzürnte fluth

Sie steigt zwar offt aus grimm des tiefen meeres krümmen

Noch dennoch ist sie auch zu meiner meldung gut.

Der sieben nächte raum scheint über jahr und zeiten

Seit dem das wilde meer vom heissen wasser gischt

Kein schlaf hat je gewolt mein mattes hertz beschreiten

Ists anders ey so seys daß sturm auf sturm sich mischt.

Ich sitz auf einem felß und seh an dein gestade

Wohin der leib nicht kömmt kommt doch die seele hin

Ich seh auch von dem thurn die lichter voller gnade

Und seh’ ich sie gleich nicht so liegt mirs doch im sinn.

Ich habe dreymahl mich auf dürrem sand entkleidet

Ich habe dreymahl nackt der reise müh versucht

Das meer hat alle schuld das mein verlangen scheidet

Der mund so wassers voll ermante mich zur flucht.

Nur du du ungeheur von allen grausam winden

Fingst gleichsam einen krieg verwegen mit mir an.

Du kanst zwar volck und flucht doch nicht mein hertze binden

Zudem so hast du mir die lieb in bann gethan.

Du bist zwar kalter art doch must du selbst bekennen

Daß Oritus je dich in liebes-glut entzündt

Du wilst das niemand soll dir deinen paß verrennen

Den dir die freye lufft dein lieb’ zu rauben gönt.

Drüm schone meiner auch und gib ein lindes wehen

So muß Hippotades dir auch gelinde seyn.

Doch bitt ich nur umsonst! er stürmt und stört mein flehen

Und mehret mit dem grimm der wellen meine pein.

Ach! wären Dädali und seines Jcars flügel

So nahe wie das meer das sich von ihm benennt!

Ich führte meinen leib biß an die sternen-hügel

Den leib der schwimmend offt die fluten hat getrennt.

Indes weil wind und well mir hülff und trost versagen

Bedenck ich offtermahls des ersten beyschlafs lust.

Man lag im ersten schlaff (dis dencken hemmt mein klagen)

Als ich den buler-weg zu erste treten must.

Ich säumte mich nicht lang als muth und kleider fielen

Von hertz und leib hinweg begab ich mich ins meer.

Ich sahe vor mir her Dianens Silber spielen

Die gab mir das geleit mit ihrem sternen-heer.

Ich sahe sie und sprach: Laß göttin dies gelingen

Und bilde deinen sinn des Cadmus hölen ein.

Es läst Endymian dein hertz nicht stahl umbringen

Drum laß mein bulen dir doch nicht zu wider seyn.

Du göttin hast ein mensch das sterblich war erkohren

Und mein erkorner schatz ist selbst ein göttlich bild

Und ihre sitten hat ein himmlisch hertz geboren

Göttinnen haben sich in ihre zier verhült.

Nechst Cyprien und dir ist keine die ihr gleichet

Trau nicht auf meine wort und schau sie selbsten an.

Gleichwie der sternen heer in seiner glut verbleichet

Wenn dein versilbert horn betrifft des himmels bahn.

So ist auch sie mein licht die schönste unter allen

Und wo du zweiflen wirst so irrt dein blinder schein.

Dis red ich und was mehr dergleichen kan gefallen

Als ich im wasser selbst mein träger muste seyn.

Es schiene lunens bild in den gewölbten wogen

Und war ein steter glantz zu sehn bey stiller nacht.

Auch kam kein einig schall zu dem gehör geflogen

Als wenn der leib die fluht des wassers murmeln macht

Nur die Aleiones gedachten ihres treuen

Und sungen dauchte mich ein süsses trauer-weh

Und da die schultern mir nicht kräffte wolten leihen

So draug mit starcker macht der leib doch in die höh

Ich sah ein licht und sprach: dort ist es was mich feuert

An jenem ufer wohnt mein licht und werther schein.

Da wurden alsobald die kräffte mir crneuert

Und dauchte mich die fluht des meeres linder seyn.

Damit der leib auch nicht die kälte fühlen könte

So muste mir darvor die glut der liebe stehn

Je mehr ich auch dem strand zu nahen mich begunte

Und sich die bahn verkürtzt je weiter wolt ich gehn.

Ich wurde kaum gesehn so wuchs mir muth und sinnen

Dein auge goß dem leib erneurte kräffte ein:

Ich wolt im schwimmeu auch der liebsten gunst gewinnen

Mein arm der lenckte sich nach deiner augen schein

Die alte ließ dich nicht gern biß ans ufer steigen

Ich hab es selbst gesehn und habe dir getraut

Du schlost mich in den arm mich auch in deine küsse

Die götter übers meer zu locken kräfftig seyn.

Du machst dich selber nackt daß mich nicht friren müsse

Du hülst mein nasses haar in deinen hauptschleyr ein

Das andre weiß die nacht der turm und wir verlibte

Und denn alich dieses licht das mir zum ersten schien.

Die freude zehlt man nicht so unsre lust verübte

Gleichwie der Hellespont nicht seines schilffes blühn.

Je schneller zeit und raum bey unser lust verflossen

So ward doch selbe nicht mit müßiggang verbracht.

Es hatte Lucifer den himmel aufgeschlossen

Und aus des Titans bett Aurora sich gemacht.

Wir häuffen kuß auf kuß eilfertig und verstolen

Und klagen daß die nacht so enge stunden hat.

Als mir die alte drauf den abschied anbefohlen

So sucht ich vor dem thurm das kalte meer-gestad

Wir schieden thränens-voll ich sehe stets zurücke

So lang ich meinen stern die liebst erblicken mag.

So offt ich zu dir schwim erheb ich mein gelücke

Und wenn ich rückwerts kehr ist schiffbruch meine klag

Lieb glaub es sicherlich der weg zu dir ist eben

Der heimweg wird ein berg von aufgeschwolner fluht

Ich kan und wil nicht mehr im vaterlande leben

In meiner eignen stadt verschwind mir geist und blut

Die seelen so vereint zerteilt die schnöde welle

Ein bodem ein gemüth versagt zwey leibern platz.

Ich schencke dir Abyd gib mir des Sestos stelle

Mein land das ist ja dein und deines meines schatz.

Warum werd ich betrübt wenn sich der abgrund trübet?

Was darff der leichte wind mir säumsal streuen ein?

Es wissen die Delphin wie brünstig wir geliebet

Ich kan den fischen auch so unbekant nicht seyn.

Man siht jetzt schon die fahrt wo ich bin durch geschwommen

Nicht anders wie das rad den weg zu zeichnen pflegt.

Ich klagte daß ich nicht solt öffters zu dir kommen

Nun ist mir durch den wind auch diese bahn gelegt.

Das Athamantis meer soll grau von wellen scheinen

Es habe nicht ein schiff an seinem fuhrt bestand.

Hier dieses kan sich wohl mit jenes toben reimen

Weil hier ein jungfern bild ihr nasses grabmahl fand.

Der ort ist sehr beschryn daß helle hier ersoffen

Ich bitte daß es mir nicht auch dergleichen thut.

Und neyde fast den Phryx den solches glück betroffen

Daß ihn ein goldnes schaf getragen durch die fluth.

Ich wil kein vieh noch schiff nur daß ich in den krümmen

Mit meines leibes macht zertrenne fluth und bahn.

Ich brauch auch keiner kunst; ist mir vergönt zu schwimmen

So fahr und führ ich mich und werd auch selbst der kahn.

Mich sol nicht Helice noch Arctus fackel führen

Weil unser liebe nur gemeiner sterne lacht

Der mag Andromeden und auch die cron berühren

Ja gar die Parrhasis die stäte kälte macht.

Ob Zevs ob Liber und der Perseus je geliebet

So ists doch nicht genung daß sie mein leitstern seyn.

Es ist ein ander licht das mir die richtschnur gibet

Denn mitten in der nacht brennt sein gewünschter schein.

So bald ich dieses seh wolt ich nach Colchos reisen

Und wo des Argo schiff zuvor den weg gesucht.

Jm schwimmen würd ich mich für den Balänen weisen

Und dem der göttlich schien durch eines krautes frucht.

Die armen sind offt matt von embsigen bewegen

Des wassers starcke macht ermüdet ihre krafft.

Doch sollen sie sich nur um meine liebste legen

So suchen sie den lohn den müh und arbeit schafft.

Du bist zwar würdig in dem himmel stets zu schweben

Nur schöne wohne noch auf unserm erden-creyß

Wo nicht so must du mir gewisse nachricht geben

Wie ich in gleicher eyl zu dir in himmel reiß.

Ach aber du bist hier und sehe dich doch selten

Mein hertz wird mit der see von stetem stürmen tol.

Ob mich kein weites meer entfernt was sol es gelten

Das enge wasser ist gekrümter würbel voll.

Ich möchte nicht am end der welt die liebste wissen

Und daß ich so zertheilt in meiner hoffnung wär.

Ich muß in schmeltzend wachs wenn ich ihr nach zerflüssen

Und kömmt sie selber nicht so trit die liebe her

Ich kan fast mit der hand als nachbar sie ergreiffen

Und das drückt meinem aug unzehlich thränen aus.

Mein wöllen gleicht mit dem so hungrig äpffel reiffen

Und niemahls seine sieht der durstig bey dem schmauß.

Soll ohn der wellen gunst ich niemahls dich besitzen?

Macht mich in meiner brunst kein winter so beglückt?

So soll mir well und wind zu meiner hoffnung nützen

Wiewohl sich well und wind nur zum betrüben schickt.

Der sommer ist noch dar wie wann der Plejas sterne

Der Bär und Ziegen-schein verderben see und flucht.

Ich gantz verwegner mensch darf ohne nacht-laterne

Dem meere mich vertraun gereitzt von heisser glut.

Und daß du nachgedenckst wie ich allein verspreche

Was künfftig ist so sol mein wort im wercke seyn.

Gesetzt daß auch der sturm die leichten segel schwäche

Ich lege meinen leib dem zorn der wellen ein:

Entweder glück und heyl muß mich verwegnen segnen

Wo nicht so schleust der todt die kummerhaffte brunst.

Geschichts so wünsch ich dir daß dir mein leib begegnen

In deinem hafen mag und spüren huld und gunst.

Dein tränend auge wird die nasse leichen zieren

Und sagen ach! ich bin die ursach solcher pein

Dir wird mein untergang das treue hertze rühren

Der innhalt dieses briefs wird dir verdrüßlich seyn.

Nur klage weiter nicht besenftige die wellen

Vielmehr mit einem wundsch der sich dem meinem gleicht;

Erbiet ein wenig ruh biß ich mich ein kan stellen

Denn tobe wind und fluth wenn ich dich nur erreicht.

Hier wird mein müdes schiff verlangte ruhstad finden

An keinem wasser steht mein leichter kahn so fest.

Hier mag mich Boreas mit seinen ketten binden

Spilt doch auf deiner brust schatz dein verliebter west

Zum schwimmen werd ich träg und theils behutsam werden

Nicht der verstockten fluth zu fluchen wie vorhin.

Vor welle sturm und see erkieß ich nur die erden

Da du und ich von dir in arm geschlossen bin.

Die ursach hält mich auf und wils der winter leiden

So laß ich ehster zeit des leibes ruder gehn

Du sende mir dein licht den leitstern meiner freuden

Befiel daß die latern muß auf dem turme stehn.

Indessen sol mein brief nachtlager bey dir bitten

Laß schönste diesen gast dir nicht zu wider seyn

Ich wünsche wenn verzug und säumnis abgeschnitten

Persönlich liebstes kind bey dir zu kehren ein.