Liebes-schreiben Graf Rudolphs an die Leonore.
Ein blat das von der lust der liebe fast geschwollen
An dem ich armer selbst das feste siegel bin
Und was ich sonsten kan in diesen zedel rollen
Fällt Leonore dir zu demen füssen hin.
Nicht frage was es will: mein hertze steht dir offen
Komm schaue diß nur selbst mit frischen augen an?
Drum laß ihm auch ein theil von deiner wehmuth hoffen
Und dencke daß ich itzt nicht anders schreiben kan.
Ich darff nun weiter nicht geschminckte worte führen
Wie purpur und scarlat von deinen lippen lacht:
Wie deiner augen blitz kan alle glieder rühren
Und sterne selber offt zu blassen fackeln macht.
Die schönheit läst sich nicht in enge federn zwingen
Ein schimmrend antlitz ist vor pinsel auch zu groß:
Gnug daß die geister noch durch alle nieren dringen
Durch die der liebe strom in meine lenden schoß.
Der schmertz hat der gedult den zügel abgerissen
Ich schliesse mich nicht mehr in blinde circkel ein:
Und wilt du noch ein wort von deinem Rudolph wissen;
Er will dein schlaff-genoß und auch dein liebster seyn.
Nicht tädle vor der zeit das lüstrende beginnen
Der kitzel der mich sticht ist deiner liebe kind.
Wie soll ich armer denn auff fremde mittel sinnen
Weil man die beste kost doch bey der mutter findt.
Du läst ja selber glut zu meinen ampeln schiessen
Dein brennend öle flammt auch meine kertzen an:
So laß denn auch den thau um meine glieder fliessen
Der durch beperlte krafft die flammen kühlen kan.
Die liebe läst sich nicht durch stumme seuffzer dämpffen
Ein abgeschmackter kuß führt schlechte liebligkeit:
Und wer sich selber will durch stille glut bekämpffen
Hat feuer zwar geschöpfft nicht aber ausgestreut.
Darffst du doch nicht die bahn durch deinen fehler brechen
Die mutter hat es schon vor diesem auch gethan
Und Eva schaute selbst ohn alles widersprechen
Das kinder-bette vor als ihre hochzeit an.
Die freuden-feste sind nur menschliche gesetze
Da man die gäste satt den priester reicher macht.
Was hat der pöbel nicht durch flattrendes geschwätze
Vor missethaten offt aus reiner lust erdacht?
Wir irren in der welt auff feder-weichen stegen
Der glaube legt uns offt vor rosen dörner bey
Und die gefahr wird noch die blinde furcht erregen
Daß auch kein liljen-blat mehr ohne disteln sey.
Hier soll die zunge sich vor manchem offt entsetzen
Dort stöst der eckel uns aus crystallin empor
Hier will ein schwartzer blick die sonne selbst verletzen
Und stellt das reinste gold mit trüben farben vor
Die bücher wollen uns zu mammelucken machen;
Wer aber kennet nicht den zunder der natur?
Muß nicht noch alle welt der stillen anmuth lachen
Die Cäsar auff der brust Cleopatrens erfuhr?
Selbst Masanissa liegt zu Sophonisbens füssen
Und Alexander fiel vor seine feindin hin:
Drumb wird der pöbel leicht den fehler bergen müssen
Daß ich in deinen schoß mein schatz gesuncken bin.
Laß nur die blöde furcht dich länger nicht erschrecken
Reiß der entbrandten lust die schwache fessel loß
Und zeige was den geist vor dünne tücher decken
Der mit dem leben dir in alle glieder floß
Du wirst es selber wohl an deiner brust empfinden
Was vor ein süsser dampff aus ihren bergen quillt
Wenn flammen lufft und schnee mit ambra sich verbinden
Und der beseelte platz von reinem winde schwillt.
Kein funcke spielt umsonst von den bemilchten wangen
Die früchte sind dir nicht vergebens angepfropfft
Und dein verliebter geist hält selber sich gefangen
Dafern du der natur die quelle zugestopfft.
Auch liljen reissen wir in grüner jugend nieder
Aus rosen presset man erst nach der blüthe safft
Und tulipanen blühn mit gleicher anmuth wieder
Wenn ein erwünschter bruch der wurtzel lufft geschafft.
Wer läst den reben nicht die blätter vor beschneiden?
Welch garten rühmet sich wohl fremder arbeit nicht?
So muß sich die natur auff ihren auen weiden
Biß der verliebte zeug in volle kräffte bricht.
Die ströme müssen selbst aus ihren adern rücken.
Ein zugedeckter brunn ist keiner augen werth
Und einen schönen ort mit schweren schlössern drücken
Heist stuben zwar verwahrt nicht aber ausgekehrt.
Nun ach bedencke dich entlarve die gedancken
Und schaue dich noch eins als Leonoren an
Denn mache selbst den schluß ob meine feder wancken
Und mein beglückter fuß auff wolle straucheln kan.
Ich fühle schon den dampff der balsamirten lüste
Der kützel schmecket schon den zucker dieser zeit
Und jede regung lehrt wie deine marmel-brüste
Selbst himmel und natur mit nelcken überstreut.
Ich falle gantz umgarnt zu deinen liebes-füssen
Und stelle mich als knecht auff deinen willen ein;
Doch dencke biß dabey daß trauben zwar verflüssen
Und mandeln öffters auch für treue sclaven seyn.
Der kützel den die lust wird in die glieder treiben
Hegt werthes kind vor dich auch moscateller-safft
Ein augenblick soll dir auff deine rosen schreiben
Daß allzu grosse brunst auch grosse kühlung schafft.
Mehr wird die gegenwart von deiner huld geniessen:
Ein offt erregtes wort bekrönet nur die that:
Doch glaube wo du läst zinnober auff mich fliessen
Daß Rudolph perlen-milch vor deine flammen hat.