Liebes-schreiben Graf Rudolphs an die Leonore.

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Ein blat das von der lust der liebe fast geschwollen

An dem ich armer selbst das feste siegel bin

Und was ich sonsten kan in diesen zedel rollen

Fällt Leonore dir zu demen füssen hin.

Nicht frage was es will: mein hertze steht dir offen

Komm schaue diß nur selbst mit frischen augen an?

Drum laß ihm auch ein theil von deiner wehmuth hoffen

Und dencke daß ich itzt nicht anders schreiben kan.

Ich darff nun weiter nicht geschminckte worte führen

Wie purpur und scarlat von deinen lippen lacht:

Wie deiner augen blitz kan alle glieder rühren

Und sterne selber offt zu blassen fackeln macht.

Die schönheit läst sich nicht in enge federn zwingen

Ein schimmrend antlitz ist vor pinsel auch zu groß:

Gnug daß die geister noch durch alle nieren dringen

Durch die der liebe strom in meine lenden schoß.

Der schmertz hat der gedult den zügel abgerissen

Ich schliesse mich nicht mehr in blinde circkel ein:

Und wilt du noch ein wort von deinem Rudolph wissen;

Er will dein schlaff-genoß und auch dein liebster seyn.

Nicht tädle vor der zeit das lüstrende beginnen

Der kitzel der mich sticht ist deiner liebe kind.

Wie soll ich armer denn auff fremde mittel sinnen

Weil man die beste kost doch bey der mutter findt.

Du läst ja selber glut zu meinen ampeln schiessen

Dein brennend öle flammt auch meine kertzen an:

So laß denn auch den thau um meine glieder fliessen

Der durch beperlte krafft die flammen kühlen kan.

Die liebe läst sich nicht durch stumme seuffzer dämpffen

Ein abgeschmackter kuß führt schlechte liebligkeit:

Und wer sich selber will durch stille glut bekämpffen

Hat feuer zwar geschöpfft nicht aber ausgestreut.

Darffst du doch nicht die bahn durch deinen fehler brechen

Die mutter hat es schon vor diesem auch gethan

Und Eva schaute selbst ohn alles widersprechen

Das kinder-bette vor als ihre hochzeit an.

Die freuden-feste sind nur menschliche gesetze

Da man die gäste satt den priester reicher macht.

Was hat der pöbel nicht durch flattrendes geschwätze

Vor missethaten offt aus reiner lust erdacht?

Wir irren in der welt auff feder-weichen stegen

Der glaube legt uns offt vor rosen dörner bey

Und die gefahr wird noch die blinde furcht erregen

Daß auch kein liljen-blat mehr ohne disteln sey.

Hier soll die zunge sich vor manchem offt entsetzen

Dort stöst der eckel uns aus crystallin empor

Hier will ein schwartzer blick die sonne selbst verletzen

Und stellt das reinste gold mit trüben farben vor

Die bücher wollen uns zu mammelucken machen;

Wer aber kennet nicht den zunder der natur?

Muß nicht noch alle welt der stillen anmuth lachen

Die Cäsar auff der brust Cleopatrens erfuhr?

Selbst Masanissa liegt zu Sophonisbens füssen

Und Alexander fiel vor seine feindin hin:

Drumb wird der pöbel leicht den fehler bergen müssen

Daß ich in deinen schoß mein schatz gesuncken bin.

Laß nur die blöde furcht dich länger nicht erschrecken

Reiß der entbrandten lust die schwache fessel loß

Und zeige was den geist vor dünne tücher decken

Der mit dem leben dir in alle glieder floß

Du wirst es selber wohl an deiner brust empfinden

Was vor ein süsser dampff aus ihren bergen quillt

Wenn flammen lufft und schnee mit ambra sich verbinden

Und der beseelte platz von reinem winde schwillt.

Kein funcke spielt umsonst von den bemilchten wangen

Die früchte sind dir nicht vergebens angepfropfft

Und dein verliebter geist hält selber sich gefangen

Dafern du der natur die quelle zugestopfft.

Auch liljen reissen wir in grüner jugend nieder

Aus rosen presset man erst nach der blüthe safft

Und tulipanen blühn mit gleicher anmuth wieder

Wenn ein erwünschter bruch der wurtzel lufft geschafft.

Wer läst den reben nicht die blätter vor beschneiden?

Welch garten rühmet sich wohl fremder arbeit nicht?

So muß sich die natur auff ihren auen weiden

Biß der verliebte zeug in volle kräffte bricht.

Die ströme müssen selbst aus ihren adern rücken.

Ein zugedeckter brunn ist keiner augen werth

Und einen schönen ort mit schweren schlössern drücken

Heist stuben zwar verwahrt nicht aber ausgekehrt.

Nun ach bedencke dich entlarve die gedancken

Und schaue dich noch eins als Leonoren an

Denn mache selbst den schluß ob meine feder wancken

Und mein beglückter fuß auff wolle straucheln kan.

Ich fühle schon den dampff der balsamirten lüste

Der kützel schmecket schon den zucker dieser zeit

Und jede regung lehrt wie deine marmel-brüste

Selbst himmel und natur mit nelcken überstreut.

Ich falle gantz umgarnt zu deinen liebes-füssen

Und stelle mich als knecht auff deinen willen ein;

Doch dencke biß dabey daß trauben zwar verflüssen

Und mandeln öffters auch für treue sclaven seyn.

Der kützel den die lust wird in die glieder treiben

Hegt werthes kind vor dich auch moscateller-safft

Ein augenblick soll dir auff deine rosen schreiben

Daß allzu grosse brunst auch grosse kühlung schafft.

Mehr wird die gegenwart von deiner huld geniessen:

Ein offt erregtes wort bekrönet nur die that:

Doch glaube wo du läst zinnober auff mich fliessen

Daß Rudolph perlen-milch vor deine flammen hat.