Lied/ Von dem Brachmonat

By Georg Philipp Harsdörffer

Written 1632-01-01 - 1632-01-01

Nun der güldne Sonnen-Wagen

fähret nächst der höchsten Ban

und erleuchtet mit Behagen

den smaragden Erdenplan;

weil ihr Weg wird gleichsam krumm

kehret sie nun wieder um:

wie der Krebs zurücke weichet

dessen Zeichen sie bestreichet.

Dieses sol uns Menschen lehren

wie nichts so erhaben sey

das sich nicht bald solt verkehren

und beharren Wandel-frey.

Unser Thun ist Unbestand

und deß Wechsels Unterpfand:

wie wir fast in allem sehen

was geschicht und was geschehen.

Die nun öden Felder brachen

und sind doch nicht in der Ruh;

weil sie viel geschlachter machen

die bespitzten Egenschuh.

Also muß der Menschen Fleiß

und der Arbeit saurer Schweiß

Speiß und Brot zuwegen bringen

durch das Hacken Pflügen Düngen.

Durch den milden Himmels-Regen

machet Gott die Furchen weich;

das Gepflügte hat den Segen

daß es Saam- und Früchte-reich.

Gottes Güte krönt das Jahr

und betrieft der Bäume Haar:

also daß des Himmels Gnade

machet fett der Erden Pfade.

Wann deß Morgens Purpurflügel

decken dieser Auen Thal

siehet man die grünen Hügel

voller Schaffe sonder Zahl.

Also gibt die fette Weid

nächst der Speiß das Wollen-Kleid.

Ihnen wird ein Rock genommen

der uns muß zu nutzen kommen.

Mein Gott der du Joseph hütest

(der vermehrten Kirchen Heerd)

Gott der du dein Volck behütest

und hilfst dem der dein begehrt!

gib uns allen deine Gnad

die noch Maß noch Ende hat!

Gib uns Früh- und Abendregen

daß wir preisen deinen Segen.

Frölich frölich sey die Erde

und der Himmel freue sich:

daß dein Nam gepreiset werde

Feld und Berge loben dich.

Ja die Baumen in dem Wald

von den Bächlein untermahlt

reichen Gottes reiche Gaben

die wir Ihm zu danken haben.