Lied/ Von dem Christmonat

By Georg Philipp Harsdörffer

Written 1632-01-01 - 1632-01-01

Das Aug der Welt ist dieser Zeit

entfernet weit

und muß fast alles frieren;

das Feld ist wie ein alter Greiß

voll weisses Eiß;

die Kräfften sich verlieren.

Der weisse Schnee

bedeckt den Klee;

ein hartes Dach

bebrückt den Bach

den Winter zu vollführen.

Doch wendet sich der Sonnenschein

und tritt gleich ein

in deß Steinbockes Zeichen.

Dadurch sie wieder kehrt zurück;

mit schwachem Blick

wird sie nun zu uns weichen.

Es wächst die Kält

das Feur erhält

die armen Leut

in Winters Zeit

den Frühling zu erreichen.

Indem die Sonne nordwärts geht

und ferne steht

so wollen wir uns freuen:

Die Sonne der Gerechtigkeit

ist nun nicht weit

wann wir die Sünd bereuen.

Das Jesulein

wil bey uns seyn;

die heilge Nacht

hat Heil gebracht

wenn wir uns nur erneuen.

Deß Feldes Wollen-weisses Kleid

verhüllt die Weid

das Menschen-Volck zu lehren:

daß ihnen gleiche weisse Tracht

in guter Acht

der Höchste wil bescheren.

Das Erden-Land

ist Spott und Schand

Gott wird behend

und sonder End

das Leid in Freude kehren!

Inzwischen preiset Gottes Sohn

den Gnaden-Thron

der sich zu uns geneiget:

Es ist der Heiland jeder Seel

Immanuel:

der kan die Feinde beugen.

Steht Er uns bey

so sind wir frey

von aller Noth.

Ja! in dem Tod

wird Er uns Gnad erzeigen!