Lied/ Von dem Monat Hornung/ oder Februario

By Georg Philipp Harsdörffer

Written 1632-01-01 - 1632-01-01

Es muß nunmehr der Sonnen Strahl

sich zu den Fischen neigen;

so daß der Stunden Schatten-Mahl

pflegt höher anzusteigen.

Es schmöget sich der weiche Schnee

und wird nun schiffbar Strom und See;

der Bächlein Silberbrücken

zerschmeltzen und der rauhe Lufft

enthält der Erd vereinten Tufft

mit Schaur uns zu berücken.

Gleichwie der Fisch in heller Flut

gantz frey im Wasser streichet

so schweben wir in Gottes Hut

die niemals von uns weichet:

üm über unter unsrem Pfad

erscheinet Gottes Wunder-Gnad

daß wir gesichert wallen.

Deß Höchsten grosse Mildigkeit

erhält die Seinen allezeit

daß sie nicht sündlich fallen.

Hinweg mit aller Fatzennacht

mit Spielen Fressen Saufen;

weg mit der Larven falschen Pracht

damit die Thoren lauffen

und mit der Mummer Freuden-Schein

sich stürtzen in die Höllen-Pein.

Weh solcher Frevler Lachen!

die wißlich Gottes Ebenbild

dem Lügen-Geiste gleich verhüllt

sich selbst verwerfflich machen.

Lasst uns gedencken dieser Zeit

daß wir sind Staub und Aschen;

daß unsrer Sünden Hertzenleid

uns mach in Threnen waschen

so wahre Reu und Busse bringt

und uns zu manchem Seufftzer zwingt

die Christi Tod und Schmertzen

bey dieser Fastenzeit erweckt

dardurch die Weltfreud wird ersteckt

in Gott-ergebnen Hertzen.

O milder Gott! gib deine Gnad:

daß wir uns wohl bereiten

zu preisen deine Liebesthat

zu diesen Marter-Zeiten.

Der Tod steht auch für unsrer Thür

wer mit dir leidet herrscht mit dir.

Die Trübsal kan behagen.

Dein Reich ist nicht von dieser Welt:

und wer sich gleich demselben stellt

wird alls gedultig tragen.

Es stehet bey uns unser Gott

wann sich die Unglück' häuffen:

daß uns die Ströme Noht und Tod

auf einmal nicht ersäuffen.

Er reisst uns aus der Flut heraus

und bringet uns getrost nach Haus:

wann wir ihm nur vertrauen

und warten gläubig auf die Zeit

so Gott zur Rettung hat bereit:

Wir werden Hülffe schauen.