Lied/ Von dem Monat Hornung/ oder Februario
Written 1632-01-01 - 1632-01-01
Es muß nunmehr der Sonnen Strahl
sich zu den Fischen neigen;
so daß der Stunden Schatten-Mahl
pflegt höher anzusteigen.
Es schmöget sich der weiche Schnee
und wird nun schiffbar Strom und See;
der Bächlein Silberbrücken
zerschmeltzen und der rauhe Lufft
enthält der Erd vereinten Tufft
mit Schaur uns zu berücken.
Gleichwie der Fisch in heller Flut
gantz frey im Wasser streichet
so schweben wir in Gottes Hut
die niemals von uns weichet:
üm über unter unsrem Pfad
erscheinet Gottes Wunder-Gnad
daß wir gesichert wallen.
Deß Höchsten grosse Mildigkeit
erhält die Seinen allezeit
daß sie nicht sündlich fallen.
Hinweg mit aller Fatzennacht
mit Spielen Fressen Saufen;
weg mit der Larven falschen Pracht
damit die Thoren lauffen
und mit der Mummer Freuden-Schein
sich stürtzen in die Höllen-Pein.
Weh solcher Frevler Lachen!
die wißlich Gottes Ebenbild
dem Lügen-Geiste gleich verhüllt
sich selbst verwerfflich machen.
Lasst uns gedencken dieser Zeit
daß wir sind Staub und Aschen;
daß unsrer Sünden Hertzenleid
uns mach in Threnen waschen
so wahre Reu und Busse bringt
und uns zu manchem Seufftzer zwingt
die Christi Tod und Schmertzen
bey dieser Fastenzeit erweckt
dardurch die Weltfreud wird ersteckt
in Gott-ergebnen Hertzen.
O milder Gott! gib deine Gnad:
daß wir uns wohl bereiten
zu preisen deine Liebesthat
zu diesen Marter-Zeiten.
Der Tod steht auch für unsrer Thür
wer mit dir leidet herrscht mit dir.
Die Trübsal kan behagen.
Dein Reich ist nicht von dieser Welt:
und wer sich gleich demselben stellt
wird alls gedultig tragen.
Es stehet bey uns unser Gott
wann sich die Unglück' häuffen:
daß uns die Ströme Noht und Tod
auf einmal nicht ersäuffen.
Er reisst uns aus der Flut heraus
und bringet uns getrost nach Haus:
wann wir ihm nur vertrauen
und warten gläubig auf die Zeit
so Gott zur Rettung hat bereit:
Wir werden Hülffe schauen.