Lied/ Von dem Monat September/ in welchem man die Baum-Früchte pfleget abzunehme...

By Georg Philipp Harsdörffer

Written 1632-01-01 - 1632-01-01

Der Sonnen Lauf belangt die Waage

das Regenwetter kömmt herbey;

die Nächte gleichen nun dem Tage

die Bäume werden Blätter-frey

und fällt derselben reiffe Frucht

die mancher mit Belusten sucht.

Der Baum muß gute Früchte bringen

wann er nicht werden sol ein Brand;

er muß den Gipffel hoch an schwingen

sonst irrt er nur das gute Land;

und wann er keine Früchte trägt

wird er bald von der Art erlegt.

So sol ein Christen-Mensch sich mühen

zu weisen seines Glaubens Frucht

die Sünd als eine Schlange fliehen

und lieben Tugend Ehr und Zucht:

sonst wird er bald mit Leib und Seel

geworffen werden in die Höll.

Der Unterschied ist bey den Bäumen

und bey der gantzen Menschen-Schaar

daß jene jährlich sich nicht säumen

zu neuren ihre grünen Haar.

Hingegen fällt der Mensch dahin

so ligt er sonder Ruckbeginn.

Die Bäumen allen Menschen dienen

zu bauen fahren und dem Brand;

sie blühen fruchten grauen grünen

zu Nutz und Schutz in jedem Land:

sie speisen uns auf manche Weiß

und lohnen ihres Gärtners Fleiß.

Nun wird die Frucht vom Stamm genommen

bedeckt von manchem falben Blat:

da sol uns ja zu gutem kommen

deß Höchsten Segen-volle Gnad.

Wir dancken Gott für solche Gab

und dieses reichen Herbstes Haab!