Lied/ Von dem Weinmonat

By Georg Philipp Harsdörffer

Written 1632-01-01 - 1632-01-01

Jauchtzet ihr Wintzer! alle zugleich

unsere Trauben werden nun weich;

kommet empfahet mit Freuden den Lohn

welchen die Arbeit bringet darvon:

Reiffende Reben schencken uns ein

heissen die trauren frölicher seyn

füllend die leeren Keller mit Wein.

Noe legt erstlich saftige Feser

lehrte die Häcker warbe die Leser

schniedte deß Rebens Blätter vom Stamm

bande sie an die Pfäle zusamm

presste der Kelter lieblichen Saft

welcher den Hertzen giebet die Krafft

Sorgen und Kummer ferne wegschafft.

Lobet und liebt den herrlichen Most

welcher versüsst die niedliche Kost;

ehret der Thäler edele Frucht

welche man zu den Kelleren sucht!

Aber doch haltet im Trincken das Ziel

weilen deß Weins zu wenig und viel

leichtlich verderbt das lustigste Spiel.

Weinen ist unser Leben ohn Wein

einsam und ohne Freunde zu sein;

Trincken verbindet menschlichen Sinn

nimmet Verdacht und argen Wahn hin:

Freunde sind gleich dem freudigen Mahl

welche man kieset in mehrerer Zahl

mittels des Weins mit offener Wahl.

Schauet! Die Sonne den Scorpion trifft

(sothanes Thier verletzet durch Gifft);

hüte dich vor der Trunckenheit Lust

welcher die Reue stetig bewust:

gleichet der krumme Rebe der Schlang

glänzet im Glase schwächet den Gang

machet dem Säuffer schmertzlichsten bang.

Jauchtzet ihr Liebsten! alle zugleich

Trincken macht oft die Ärmesten reich;

Trincken beschwert das ruhige Hertz

bringet mit sich der Kranckheiten Schmertz.

Jeder ist edel voller Verstand

jeder rühmt seine Güter im Land

weilen ihn hält der Trunckenheit Band.

Brauchet nun recht und mässig den Tranck;

saget dem Höchsten hertziglich Danck!

Lobet ihn für die treffliche Gab,

lobet Gott in der sicheren Haab!

welcher uns giebet freudigen Muth

speiset uns mit der Kelterpreß Blut;

lobet Gott der alls Gutes uns tut.