Lied/ Von dem Weinmonat
Written 1632-01-01 - 1632-01-01
Jauchtzet ihr Wintzer! alle zugleich
unsere Trauben werden nun weich;
kommet empfahet mit Freuden den Lohn
welchen die Arbeit bringet darvon:
Reiffende Reben schencken uns ein
heissen die trauren frölicher seyn
füllend die leeren Keller mit Wein.
Noe legt erstlich saftige Feser
lehrte die Häcker warbe die Leser
schniedte deß Rebens Blätter vom Stamm
bande sie an die Pfäle zusamm
presste der Kelter lieblichen Saft
welcher den Hertzen giebet die Krafft
Sorgen und Kummer ferne wegschafft.
Lobet und liebt den herrlichen Most
welcher versüsst die niedliche Kost;
ehret der Thäler edele Frucht
welche man zu den Kelleren sucht!
Aber doch haltet im Trincken das Ziel
weilen deß Weins zu wenig und viel
leichtlich verderbt das lustigste Spiel.
Weinen ist unser Leben ohn Wein
einsam und ohne Freunde zu sein;
Trincken verbindet menschlichen Sinn
nimmet Verdacht und argen Wahn hin:
Freunde sind gleich dem freudigen Mahl
welche man kieset in mehrerer Zahl
mittels des Weins mit offener Wahl.
Schauet! Die Sonne den Scorpion trifft
(sothanes Thier verletzet durch Gifft);
hüte dich vor der Trunckenheit Lust
welcher die Reue stetig bewust:
gleichet der krumme Rebe der Schlang
glänzet im Glase schwächet den Gang
machet dem Säuffer schmertzlichsten bang.
Jauchtzet ihr Liebsten! alle zugleich
Trincken macht oft die Ärmesten reich;
Trincken beschwert das ruhige Hertz
bringet mit sich der Kranckheiten Schmertz.
Jeder ist edel voller Verstand
jeder rühmt seine Güter im Land
weilen ihn hält der Trunckenheit Band.
Brauchet nun recht und mässig den Tranck;
saget dem Höchsten hertziglich Danck!
Lobet ihn für die treffliche Gab,
lobet Gott in der sicheren Haab!
welcher uns giebet freudigen Muth
speiset uns mit der Kelterpreß Blut;
lobet Gott der alls Gutes uns tut.