Liedlein von den Gelt-liebenden Welt-Freunden
Written 1617-01-01 - 1617-01-01
Geldt und Welt-Freund vertrawen
Ist wie auff sandisch grund
Ein hohes Schloß zu bawen
Exempel machens kund.
Das sie sehr unbeständig
Vnd wanckelmütig sind
Wenn das Glück wird abwendig.
Ihr keiner sich dann findt.
Wir wissn in guten Tagen
Wann das Glück scheint lieblich
Von keinem Feind zu sagen
Freund Freund nennt jeder sich
Man thut uns hoch erheben
So lang der Beütel voll
Vnd wir in Ehren schweben
Glaub mir ich weis es wol.
Wir seynd lieb und wilkommen
All wo wir uns hin kehrn
Vnd werden angenommen
Als wann wir Engel wehrn
Mit Reverentz sein zierlich
Setzt man uns oben an
Præsentirt uns manirlich
Viel dienst und Freundschafft an.
Huth zücken sich tieff neigen
Die Händlein küssen auch
Krum bücken und Knie beugen
Ist der Welt-Freund gebrauch
Wer sich daran wil kehren
Ist mehr dann halb vexirt
Traw nicht auch wann sie schweren
Ihr Freundschafft ist probirt.
Man lest sich Bruder nennen
Will stehn getrewlich bey
Vnd sich nicht von uns trennen
Wie groß die Noth auch sey
Ja den Leib will man wagen
Nicht allein Guth und Gelt
Sind das nicht groß Zusagen?
Also gehts in der Welt.
Mancher verheist darneben
Daß er uns dienen woll'
Nicht allein weil wir leben
Sondern sein Freundschafft soll
Bleiben bey unsern Erben
Eydtlich er sichs verpflicht.
Ein Narr mag darauff sterben
Ich traw den Worten nicht.
Sie folgen nicht im Wercke
Wer sich darauff verlest
Der ist nicht klug das mercke
Solch Zusag gehn nicht fest
Ich hab vor wenig Jahren
Dergleichen angehort
Itzt muß ichs auch erfahren
Das man vergist der Wort.
Noth lehrt die Freund recht kennen
Im Fewr Goldt scheinbar wird
Freund soll man niemand nennen
Man hab ihn dann probirt
O Trübsal Edle Probe
Du zeigst mir meinen Freund
Machst auch drumb ich dich lobe
Mir offenbar den Feind.
Im Creutz bleibt nicht verborgen
Wo Feindschafft steckt verdeckt
Auch wird in Noth und Sorgen
Getrew Freundschafft erweckt
Im Glück kan mans nicht lernen
Gleich wie man nicht erkennt
Bey Sonnenschein die Sternen
Am hohen Firmament.
Im Sommer sindt man Schwalben
Zu Winter sind sie weit
Also Freund allenthalben
Auch in Glückseligkeit
Wann das Glück herrlich blühet
Sind viel Freund umb uns her
Ein jeder sich bemühet
Vns zu erzeigen Ehr.
Viel der Schwalben Gesellen
Sehr offt bey uns einkehrn
Vnd sich gantz freundlich stellen
Sind frölich mit uns gern
Wenn alles wol gerahten
Vnd gedeckt ist der Tisch
Wol schmecken unser Braten
Die Freundschafft helt sich frisch.
Wirds aber unklar Wetter
Schneyt uns Vnglück ins Haus
So verleurt sich der Vetter
Die Freunde bleiben auß
Frembd stelt sich auch der Schwager
Vnd kompt zu uns nicht mehr
Wenn unser Supp ist mager
Vnd unser Weinfaß lehr.
Die offt fröliches Muhtes
Mit uns gewesen seyn
Vnd im Wolstand viel gutes
Haben genommen ein
Seh'n wir im Vnglück fliehen
Vnd für uns ubergehn
Den Huth in Augen ziehen
Wenn sie uns kommen seh'n.
So pflegts die Welt zu machen
Sehr freundlich sie sich stelt
Wenn in all unsern Sachen
Fortun sich zu uns helt
Kehrt aber die den Rücken
Bald wendt die Weldt sich auch
Helfft uns mit untertrücken
Also ist ihr Gebrauch.
Diß ich vor wenig Jahren
Sehr wol empfunden hab
Darumb laß ich sie fahren
Scheid' von der Freundschafft ab
All ihr zusag sindt Lügen
Ihr Lieb ist Heücheley
Ihr Halten ist Betriegen
Vnd eitel Schelmerey.
Trauvv vvol hat mich vexiret
Glaub leicht auch mannigmal
Sie haben mich geführet
Vom Berg herab ins Tahl
Mein Pferd hinweg geritten
Itzt muß ich gehn zu Fuß
Narren man nach alten Sitten
Mit Kolben lausen muß.
Kinder VVerdet Klug.
Exempel sind genug
An A.O.H. und mehr
Seht euch nur wol umbher
Vnd folget meiner Lehr.