Lisimene an den Damon, Als er sich in eine andere verliebet.
Verzeihe, liebster Schatz! dem kühnen unterfaugen,
Womit zum andern mahl dich meine feder stöhrt;
Laß die gewißheit sie von deiner gunst erlangen,
Und höre gnädig an, was deine magd begehrt.
Du weist, ich liebe dich mit recht getreuen hertzen,
Und bete dein gesicht als meinen abgott an;
Ich opffre dir allein die flammen meiner kertzen,
Die auch kein geiler wind iemals verblasen kan.
Mein geist weiß sich nach dir als seinem pol zu regen,
Daran die feste treu als am magnete klebt;
Es führt mich deine hand auf meinen liebes-wegen,
Wo gar kein irrlicht-schein vor meinen augen schwebt.
Und dennoch will ein traum mir meine ruhe stöhren,
Wenn er beständigkeit mit wasser-farben mahlt;
Es darff fast, wie mich dünckt mir dieses sinnbild lehren,
Daß über lieb und lufft ein gleicher einfluß strahlt.
Mein Engel! zürne nicht, was ich dir hier geschrieben,
Das ist ein heißer trieb, den liebe zärtlich heist;
Du wirst, ich weiß gewiß, nicht deine magd betrüben,
Die dir als sclavin stets noch ihre treu erweist.
Ach Liebster! laß dich nicht von frembder schönheit blenden,
Und höre nicht so bald nach der syrenen klang;
Du kommest nimmermehr aus ihren mörder-händen
Wann deine lippen schon gekost den wermuths-tranck.
Will sie gleich immer dich mit falschem wildpret locken,
Stellt ihre listigkeit dir garn und netze auf;
So reiße dich hindurch behend und unerschrocken,
Und folge nur allein der edlen tugend lauff.
Indessen bleibt mein hertz in keuschen schrancken stehen,
Und meine zuversicht schleust dieses zeugniß ein:
Es wird der erden-bau in stück und drümmer gehen
Als Lisimene dir, mein Damon! untreu seyn.