Liste einiger uns von GOTT ge- schenckten und erhaltenen Gaben, welche, in ihrem...

By Barthold Heinrich Brockes

Laßt uns wenigstens versuchen (um den Undanck zu beschämen,

Welcher uns so sträflich macht) einen neuen Weg zu

Ob vielleicht die grosse Menge aller uns geschenckten Güter,

Wenn wir sie beysammen sehn, die verblendeten Gemüther

Aus dem Schlaffe der Gewohnheit etwan zu erwecken

Wann nun jeder sich der Nächste und sich selbst em-

Fang ich von den Wunder-Gaben unsers Cörpers billig an:

Haare, Gaum, Gehirn und Wangen, Lippen, Finger, Augen-Lieder, Hüfte, Drüsen, Eingeweide, Knorpel, Kehle, Halß und Schlund Nägel, Kniee, Rippen, Achseln, Muskeln und viel andre Glieder:

Der

Daß die

Durch viel

Da zumahl am gantzen Cörper keine Stell’, auch noch so

Die bey uns nicht Schmertzen fähig, nicht empfindlich ist

Daß von allen diesen Theilen

Daß kein

Keine

Keine

Schwehrer Hust, Geschwühre, Friesel, mancherley Be- schädigung, Darm-Gicht, Brüche, Taub- und Blindheit, Schwindel, Schlag-Fluß, Seiten-Stechen,

Nebst viel

Daß nicht minder unser Geist, von

Schwermuth, Unruh, Angst, Verwirrung, und von schwartzen Sorgen frey;

Diese von uns ferne Qvalen, die uns alle drücken können,

Sind die nicht von solchem Wehrt, daß wir dem ein Danck-

Der mit Väterlicher Vorsorg’, auf so viele Weis’ und Art,

Leib und Seele biß daher vor so mancher Qual bewahrt,

Ja daß von so vielen Plagen nicht nur

Sondern oft

Laßt uns denn nun weiter gehn, und der Güter Meng’

Die sich um, und bey, und an uns, überall vor Augen legen;

Wie viel Millionen Guts zeigt die Qvell der Wärm’ und

Auch des wunderschönen Lichts und der Fruchtbarkeit,

Auf dem Erd-Kreis überall! Was ist nicht im

In den

In den

Und vor eine Wunder-Menge, uns allein zum Nutz, zu

Was hat nicht die

Daß man sich nicht nur zur

An mit kunst-verbundnen Wundern der Natur, zu aller

Durch Betrachtung und Erkänntniß, mit dem höchsten

Laßt uns denn der Dinge Menge, die uns

Auch die uns dabey

Werden wir nur ihre Zahl, blos dem Nahmen nach,

Mögt’ die Menge die erstaunlich, uns vielleicht zum Danck

Aller

Die

Das uns all’ erfreu’nde

Vögel, wild- und zahme Thiere, Ochsen, Kühe, Schaaf' und Pferde, Laub und Kräuter, Gras und Blumen, Brodt und Käse, Wein und Bier, Aepfel, Birne, Rocken, Weitzen, tausend Feld- und Garten-Früchte,

Acker, Wiesen, Wald und Feld, tausend Land- und See- Gerichte,

Eyer, Milch und Mehl und Butter, Bücher, Feder und Papier,

Rede, Schriften, und Erfindung, Arbeit, Ruhe, süsse Träume,

Weiche Betten, Tuch und Decken, Speise, Tranck, Beqvemlichkeit,

Peltzwerck, Haus-Gerähte, Zimmer, Freyheit, Friede, Sicherheit,

Häuser, Gärten, Ställ' und Scheuren, Vorwerck, Obst- und wilde Bäume,

Fuhr-Werck, Futter für das Vieh, Knecht' und Mägde, Hanf und Flachs, Distillier-Kunst, Tisch und Stühle, Druckereyen, Far- ben, Wachs,

Mancherley

Schirm vor Frost, vor Sturm und Nebel, vor dem Re- gen Dach und Fach, Brenn-Holtz, Nahrung, Erbschaft, Freunde, Fleis, Gesundheit, Appetit,

Wolgerahtne Kinder, Eltern, gut Gemahl, und Anverwandte,

Obrigkeiten, Zünfte, Stände, gute Nachtbarschaft, Bekannte,

Schiffahrt, Handel, Geld und Baarschaft, Habe, Kaufmannschaft, Credit,

Ueberlegung, gute Neigung, Wissenschaften und Vernunft,

Witz, Begrif, Gedächtniß, Künste, Künstler, Hand- werck, Artzeney,

Poesie, Mathesis, Schulen, Recht, Music und Mahlerey,

Ein Vergnügen an der Arbeit, fröliche Zusammenkunft,

Schutz vor Ueberfall, Verdienst, Sprachen und Ge- schicklichkeit,

Ueberfluß, ein redlich Hertz, Billigkeit, Zufriedenheit,

Hofnung, Zuflucht, Trost im Unglück, mit Bedacht spatzieren gehen,

Und, nebst dienlicher

Nicht zu heftige Begierden, ein beqvemer Auffenthalt,

Guter Anstand in den Sitten, eine leidliche Gestalt,

Nebst viel

Wie sie die Natur uns beut, wir geschickt uns zu ergetzen.

Der so holden

Dämmrung, Früh- und Abend-Röthe, in des Himmels tieffen Ferne So viel gläntzende Planeten, so viel Millionen Sterne,

Und, auf unsrer Welt, für uns,

Die so nützliche

Kupfer, Stahl und Zinn und Meßing, Salben, Oel und Specerey,

Aus so weit entfernten Ländern,

Die zu Land, und durch die

Holde Blumen in dem Frühling, und im Herbst den süs- sen Most,

Ansehn und ein gut Gewissen, GOttes-Furcht, ein gut Exempel,

Ruhigs Schlafen, muntres Wachen, frölichs Essen, Ehr' und Ruhm, Hofnung, Freudigkeit, Erkänntniß, Menschen-Liebe, Christenthum,

Fleiß, Gesetze, gute Lehrer, Ordnung, Policey und Tempel.

Ausser noch viel andern Gütern, Leibes-Glücks-und See- len-Gaben,

Die wir von des Schöpfers Weisheit, Macht und Lieb' empfangen haben.

Wann nun auch entferntes Uebel ebenfals ein Glück

Müssen wir auch deren Mangel billig als ein Glück erkennen.

Laßt uns denn auch davon etwas uns zum Trost annoch

Und mit Ehrfurcht, daß der Schöpfer uns dafür bewahrt,

Theurung, Krieg und Tyranney, Haß, Verachtung, Ungedult,

Trauer, Zwang, Verlust und Bande, Schifbruch, Ueberschwemmung, Brand,

Aufruhr, ungerahtne Kinder, Schimpf, Verläumdung, Unverstand,

Zanck und Rachgier, Zagheit, Eifer, Schand' und Un- versöhnlichkeit,

Schrecken, Uebermuth und Unfleiß, Tummheit, Un- zufriedenheit,

Diebe, Räuber, und Verführer, Unbeqvehmlichkeit und Pein, Streit, Verbannung, Ueberdruß, Spott wenn wir in Nöthen seyn,

Neid, Belagerung', Verfolgung, Mord, Verrath, Betrug und Feinde, Kummer, Vergewaltigung, Jrrthum, Thorheit, falsche Freunde.

Dieses sey vor dieses mahl nun genug. Wo in der

Etwas überzeigendes, daß wir GOtt zum Danck verbunden;

Wird es in der grossen Menge seiner Gaben ja gefunden,

Die er uns nicht nur geschencket, die er uns so lang’ erhält.

Mögten wir ein solch Register dann und wann nur über-

Sollte man fast hoffen müssen, von der Unempfindlichkeit,

Von dem schwartzen Undancks-Laster, ungerechtem

Von der selbst-gemachten Schwermuth, Klag’ und Mur-

Sonderlich wenn wir erwegen, wie doch so gering’ und

Unser aller Würdigkeiten, menschliche Verdienste seyn.