Lob der Gedult

By Andreas Gryphius

Written 1640-01-01 - 1640-01-01

Der Himmel brennt mit lichten Blitzen

Der harten Donner Rasen knallt

Die hart-erschreckte Lufft erschallt

Indem die Schweffel-Feur umspritzen;

Die Erde zagt ob Fall und Todt.

Gedult ihr Christen ist euch Noth.

Der Abgrund reist die Klufft steht offen!

Der Satan dräut mit List und Zwang

Hier ist nur Folter Glut und Strang

Verfolgung Pfahl und Schmach zu hoffen!

Wol dem der leider sonder Schuld;

So glänzt der Heiligen Gedult.

Wer diß was JESUS vorgeschrieben

In unerschrocknem Hertzen trägt

Wird durch den Sturm-Wind nicht bewegt

So wird was stets ihm Treu verblieben

Durch Marter Zangen Bley und Schwerdt

In heiliger Gedult bewehrt.

Laßt Jammer Pein und Trübsal wüten

Mich hat ihr Pochen nicht erschreckt

Dieweil durch sie Gedult erweckt

Wann Feinde Quaal und Nord ausbrüten

Ist jemand wohl der recht versteh;

Wie nah Gedult dem Herrn geh?

Gedult ist durch die wir erfahren

Wer standhafft wer voll Heucheley

Wie mächtig Jesus in uns sey

Wie Gott uns könn' in Weh bewahren

Wie der der einig ihm vertraut:

Sich doch zuletzt errettet schaut.

Erfahrung hofft; ob Pfeil und Degen

Ihr schon an Hertz und Gurgel stehn

Und Dolchen durch die Brüste gehn.

Wil man sie auf den Holtzstoß legen:

So hat sie doch vorhin verspürt

Daß Gott aus Grab und Feuer führt.

Die Hoffnung die so tieff sich gründet

Baut auf den Grund den nichts umreist

Was wenn der Donner um sich schmeist

Sich fest und unerschüttert findet.

Die ists die (schmäht schon jederman!)

Doch nicht zu Schanden werden kan.