Lob des Frauen-Zimmers.

By Johann Georg Gressel

Vortreffliches Geschlecht! ihr Sonnen dieser Erden!

Die Schönheit hat an euch ihr Meister-Stück gemacht

Jhr seyd ein Paradies und Engels an Gebährden

Ein Himmel auf der Welt wo Lust und Freude lacht.

Wenn sich das grosse Licht des Firmaments entfernet

Und mit beliebten Glantz die Unter-Welt bestrahlt;

Als denn man erst von euch und euren Blicken lernet

Das ein gedoppelt Licht an eurer Stirnen prahlt.

Es muß die grosse Welt mit einer sich begnügen

Zwo Sonnen zieren euch beliebte kleine Welt.

Jhr könnt des Himmels-Pracht an Schönheit überwiegen

Eur Glantz den Sternen-Schein mehr als die Wage hält.

Die Schönheit die euch ziert macht euch zu Pracht-Göttinnen

Die Götter haben euch zu ihren Gott erklährt;

Jhr könnt durch Lieblichkeit derselben Hertz gewinnen

Was ists wenn

Euch ist der beste Schatz der Schönheit beygeleget

Und dieser machet euch recht unvergleichlich schön.

Es ist ein feines Bild in eur Gesicht gepräget

Die

Die schönen Haare sind den Netzen zu vergleichen

Worin so manches Hertz den freyen Stand verliehrt.

Vor euren Stirnen muß der glatte

Der Himmel ist nicht so als dieser Platz geziert.

Die Anmuth hat daselbst ihr wunder-schönes Wesen

Jhr ist der schöne Ort auf Erb-Pacht eingethan

Sie hat recht mit Bedacht die Stirne auserlesen

Weil sie die

Die schönen Augen sind das Brenne-Glas der Liebe

Ein spiegel süsser Lust und eure beste Zier

Das Hertze fängt dadurch das Feur der schönen triebe

Zwo Sonnen stellen sie mit ihren Strahlen für.

Die Männer haben sie vor einen Gott erklähret

Die Hertzen behten sie mehr als die Lippen an

Mit Ehr-Furcht werden sie als wie ein Gott verehret

Was ihr

Jhr holder Anblick kan die Seelen frölich machen

Die vor Bekümmerniß fast halb erstorben sind;

Wenn sie durch einen Blick halb von der Seiten lachen

So spührt man eine Gluht die Hertz und Seel entzündt.

Kein Purpur kan die Pracht der Wangen übergehen

Kein

Die Rose muß sich hier als eine Sclavin sehen

Der theure Scarlach wird den Rosen bey gesetzt.

Zinnober hat den Mund den schönen Mund umgeben

Was Rosen schöne macht und was Rubinen schmückt

Das trifft man bey ihm an: er macht ein neues Leben

Wenn er durch einen Kuß den krancken Geist erquickt.

Aus den Corallen so die schönen Lippen zieren

Fliest eine

Die Wirckung kan man gleich an denen Seelen spühren

Den schon der blasse Tod an Marck und Adern frist.

Kan man den süssen Kuß von euren Mund erlangen

So schmeckt man Himmels-Brodt und

Der Liebreitz ziehet uns nach euren schönen Wangen

Wo Lust und Freundlichkeit ein Paradis verschafft.

Die weissen Zähne sind von feinem Helffenbeine

Als wie ein runder Zaun in euren Mund gelegt;

Sie sind ein schöner Wall von weissem

Der viel zu euren Schutz und eurer Pracht beyträgt.

Jhr Liljen eur Geruch muß vor dem Athen weichen

Sein ungemeiner Zug erquicket und ernehrt.

Dem milchlicht weissen Kinn ist nichts nicht zuvergleichen

Die

Der Hals ist Helffeubein und

Der Schönheit - Perlen stehn auf der erhabnen Brust

Da schmecket Mandeln-Milch die halb erstorbne Seele

Die Milch-Cur heilt den Schmertz mit ungemeiner Lust.

Kein

Kein

Die Schönheit hat sich hier den besten Sitz erlesen

Wo Lust und Lieblichkeit mit Rosen-Lippen lacht.

Die weissen Achseln sind der Wollust Lust-Gewebe

Wo mancher Lüstern-Geist gefangen hengen bleibt

Der Brüste-Traube hengt an dieser schönen Rebe

Wo manche Bienen hin die schwachen Flügel treibt.

Des Alabasters Lob muß denn zu Grunde gehen

Wenn eurer Arme Schnee sich etwas sehen läst

Kein

Den Liljen wird dadurch das Weinen ausgepreßt.

Die zarten Hände sind ein Eben-Bild der Seide

Die blauen Adern sind mit Türckis ausgeschmückt

Saphiren brauchen sie zu ihren Himmels-Kleide

Sie sind recht wunder-schön und zierlich ausgestickt.

Der gantze Leib ist schön und alle Glieder nette:

Recht unvergleichlich hat euch die Natur gemacht

Schaut man den blossen Leib so siehet man ein Bette

Wo Lust und Lieblichkeit in Schwaanen-Federn lacht

Die angenehme Schooß wo Wollust-Rosen blühen

Zeigt eine Gegend an die über alles schön

Darf man in diesen Port mit seinem Schiffe ziehen

So spricht man gantz erfreut der Lauff ist nun geschehn.

Der Wollust-Zunder wird da erstlich angezündet

In diesem

Noch hat kein kluger Witz die Lüste ausgegründet

Die sie um diesen Ort zur Wache ausgestellt.

Der weisse Atlaß fält vor euren

Darauf euch die Natur den gantzen Schmuck gesetzt.

Weil Schnee und Perlen auch vor diesen weichen müssen

So werden sie dem Glantz des Himmels gleich geschätzt.

Allein wer kan euch gnug nach Würdigkeit erhöhen?

Je mehr man loben will je mehres trifft man an

Bis man aus Ungedult zu letzte muß gestehen

Man habe viel und doch ein wenig nur gethan.