Lob-rede an das liebwertheste frauen-zimmer
By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau
Written 1647-01-01 - 1647-01-01
Hochwerthes jungfern-volck ihr holden anmuths-sonnen
Ihr auserwehlter schmuck der hauß und gassen ziert.
Wer ist so steinern der euch nicht hat lieb gewonnen?
Und welchen habt ihr nicht mit fesseln heimgeführt?
Wer ist so kühn der darff für eure augen treten
Wenn ihr die waaren habt der schönheit ausgelegt?
Wer will euch liebste nicht als einen Gott anbeten
Weil ihr das bildnis seyd das Venus selbst geprägt.
Jedoch ich will nur bloß ein theil von dem berühren
Mit welchem die natur euch herrlich hat versehn.
Der sinnen schiff soll mich in solche länder führen
Wo auff der see voll milch nur liebes-winde wehn.
Die brüste sind mein zweck die schönen marmel-ballen
Auf welchen Amor ihm ein lust-schloß hat gebaut;
Die durch das athem-spiel sich heben und auch fallen
Auf die der sonne gold wolriechend ambra thaut.
Sie sind ein paradieß in welchem äpffel reiffen
Nach derer süssen kost iedweder Adam lechst
Zwey felsen um die stets des Zephirs winde pfeiffen.
Ein garten schöner frucht wo die vergnügung wächst.
Ein über-irrdisch bild dem alle opffern müssen.
Ein ausgeputzt altar für dem die welt sich beugt.
Ein crystallinen qvell aus welchem ströme flüssen
Davon die süßigkeit den nectar übersteigt.
Sie sind zwey schwestern die in einem bette schlaffen
Davon die eine doch die andre keinmal drückt.
Zwey kammern welche voll von blancken liebes-waffen
Aus denen Cypripor die göldnen pfeile schickt.
Sie sind ein zeher leim woran die sinnen kleben;
Ein feuer welches macht die kältste hertzen warm;
Ein bezoar der auch entseelten giebt das leben;
Ein solcher schatz für dem das reichthum selbst ist arm.
Ein kräfftig himmel-brod das die verliebten schmecken;
Ein alabaster-hauß so mit rubinen prahlt;
Ein süsser honigseim den matte seelen lecken;
Ein himmel wo das heer der liebes-sterne strahlt.
Ein scharff-geschliffen schwerd das tieffe wunden hauet
Ein rosen-strauch der auch im winter rosen bringt.
Ein meer worauff man der Syrenen kräffte schauet
Von denen der gesang biß in die seele dringt.
Sie sind ein schnee-gebürg in welchem funcken glimmen
Davon der härtste stahl wie weiches wachs zerfleust.
Ein wasser-reicher teich darinnen fische schwimmen
Davon sich sattsam ein verliebter magen speist.
Sie sind der jugend lust und aller kurtzweil zunder
Ein krantz in welchem man die keuschheits-blume sieht.
Sie kürtzen lange zeit und stifften eitel wunder
Weil beydes glut und schnee auff ihrem throne blüht.
Sie sind ein runder sarg wo liebe liegt begraben
Ein ditrich welcher auch des hertzens grund auffschleust
Ein ort in dem nur lust will sitz und wohnstadt haben
In dessen hölen milch und nectar häuffig fleust.
Zwey fässer welche sind mit julep-safft erfüllet
Lockvögel derer thon ein freyes hertze bindt;
Zwey sonnen welche zwar mit dünnem flor umhüllet
Doch macht ihr heller blitz die klärsten augen blind.
Sie sind ein zart gewand von schwanen-weisser seide
Daran man sehen kan wie ieder faden steht
Zwey hügel derer höh' bedecket ist mit kreide
Zwey fläschgen denen nie der wollust milch entgeht.
Zwey brünne da nur stets gesunde wasser quellen
Und wo die dürre nicht der adern marck aussaugt.
Zwey jäger welche zahm und wilde thiere fällen
Wo keines wird verschont was nur zu fangen taugt.
Zwey schnee-balln welche doch unmöglich schmeltzen können
Womit das jungfern-volck der männer seelen schmeist.
Zwey aufgestelte garn und schlingen freyer sinnen
Aus denen gar kein mensch wie klug er ist entreist.
Zwey kräme wo man huld und freundlichkeit ausleget
Und wo ein rother mund nur kan der kauffmann seyn.
Zwey körb' in welchen man bloß marcipan feil träget
Nach dessen süßigkeit die lippen lechsend schreyn.
Zwey thürme derer pracht von elffenbein vollführet
Darauff Cupidens pfeil die wache fleißig hält.
Zwey kleinod derer glantz der jungfern leiber zieret
Wenn ihre freundligkeit den männern netze stellt.
Sie sind ein blasebalg ein feuer auffzufachen
Das durch kein mittel nicht kan werden ausgelöscht.
Zwey bette wo rubin und marmel hochzeit machen
Wo süsse mandel-milch der rosen scharlach wäscht.
Sie sind ein see-compas der hurtig rudern heisset
Eh man in hafen der vergnügung wird gebracht.
Ein reiner thron auff dem der liljen silber gleisset
Worauff verliebtes volck nur hat zu sitzen macht.
Ein werthes heiligthum das keusche lippen küssen
Für dem sich hertz und knie in tieffster demuth neigt.
Ein meer aus dem sich lust und liebligkeit ergiessen
Ein bergwerck dessen grund zwey demant-steine zeigt.
Doch niemand lobt den brauch die kugeln zu verdecken
Darauff man sehen kan wo lieb- und lust-land liegt.
Ach schönste! glaubet mir ihr möget sie verstecken
Ein liebes-auge hat dem allen obgesiegt
Orontes selbst bezeugt daß kein verbergen nutze
Der brüste Pharos hat durch zart gewand geleucht.
Er ruht im liebes port ietzt unter ihrem schutze
Wenn uns ein rauher sturm noch um die segel streicht.
Wol dem nun der wie er kan so vergnüget leben!
Den so ein weisser schild für wehmuths-wunden schützt!
Der seinem munde kan dergleichen zucker geben
Der so vergnügt wie er im liljen-garten sitzt!
Der so die blumen mag auff weissen wiesen brechen;
Der aus der brüste schacht rubin und demant gräbt.
Der rosen samlen kan ohn einzig dornen-stechen;
Der von der speiß und krafft der süssen äpffel lebt.
Dem so das glücke blüht den es so bruder nennet
Dem eine runde brust kan pfühl und polster seyn.
Der in der liebsten schooß mit vollem zügel rennet
Der seiner Venus so flößt liebes-balsam ein.