Lobgesang Von dem Warmen Bad zu Baden in Oe- stereich.

By Martin Opitz

Ein Frewlin hoch von Nahmen

Zusagen jhr mich bat

Woher die Hitz vnd Flammen

Zu Baden kem ins Bad

Dieweil all andre Flüsse

Sonst von Natur sein Kalt

Fragt sie mich ob ich wisse

Wie diß hett ein gestalt?

Es ist zwar weit der Grunde

Natur ist reich im Reich:

Doch

Ein Landt wie Oestereich.

In Wiener Kreiß sie kame

Cupido kam mit jhr

Bald ein Spatzierweg nahme.

In diesegegent hier.

Daselbst bey einem Brunnen

Mit jhme sie sich setzt

Ermüdet von der Sonnen

Deß Wassers sich ergetzt

Da kam sie an ein Schlaffen

Ihr Sohn legt neben sich

Sein Fackel Pfeil vnd Waffen

Schlieff vnvorsichtiglich.

Ein Jungfräwlin dort nahe

Wartendt auff jhren Buel

Schleich hin die betde sahe

Schlaffendt beim Bronnen küel

Die Pfeil vnd Fackel kennet

Sprach: Ach das ist mein Gott

Der mein Hertz also brennet

Ich will jhm thun ein Spott.

Mit Listen sie erwüschet

Die Fackel Flammen hell

Stieß vnder sich daß zischet

Tief in den Bronen quell

Gleich ist entzündet worden

Durch vnaußlöschlich Flamm

Das wasser diser orten

So Baden hat den Nahm.

Amor wischt vff im Schrecken

Nach seiner Fackel sah

Im Brunnen fand ers stecken

Zog sie herauß vnd sprach:

Rechen will ich die thaten

Soll sicher sein niemandt:

Wer sich darin wil baden

Soll fühlen meinen Brandt.

Daher hat dise Tugendt

Vnd Krafft diß Badt erlangt

Das Alter vnd die Jugent

Es stercket vnverlangt

Offt manches mattes Hertze

Erquickt diß Warme Badt

Offt manch geheimer Schmertze

Darinnen findet Raht.

Zu Baden kan man frischen

Die Aüglin trefflich wohl

Amor sich thut drein mischen

Hat auch sein Mauth vnd Zoll

Ein irrdisch Paradeise

Ist dieser Brunnenquell

Erquickt lieblicher weise

Leib Leben Muth vnd Seel.