Lobrede der Teutschen Poeterey
By Johann Klaj
Written 1636-01-01 - 1636-01-01
Ja was wolt ich abhandeln?
Worvon wolt ich reden?
Es ist ein Gott in uns ein Geist wenn der sich reget
Brent unser Geist auch an und sich wie Gott beweget.
Wie der Poet die Tafel nimt zur Hand
Vnd suchet das was nirgend ist im Land
Vnd findets auch der macht daß Läpperey
Der Unwarheit der Warheit ähnlich sey.
Was sol uns jetzt der Streit mit Pfeilen Pfriemen Stökken
Vnd der bepralte Sturm mit Thürnen und mit Bökken
– – – – – wir haben in die Schlacht
Den Donner selbst geholt den Blitz darein gebracht
Der Glut und Eisen speyt für dem die Mauren fallen
Die Thürne Sprünge thun Gebirg und Thäler schallen
Das wilde Meer erschrikt wir mischen uns zusammen
Die Elemente selbst und fordern mit den Flammen
Das blaue Himmeldach so gantz bestürtzet steht
Wann unsers Pulvers Macht dem Feind entgegen geht.
– – – – Wie Etna wenn er streuet
Die Flammen in die Lufft und siedend Hartz ausspeyet
Und durch den holen Schlund bald schwarze Wolken bläst
Bald gantze Klüfften Stein und Kugeln fliegen läst.
– – – Das bleiche Meer ergrimt
Es fühlt den scharfen Nord der alle Sonne nimt
Vnd macht den Tag zu Nacht die trüben Wellen toben
Der Wolken Vnmuht geust noch eine See von oben
Hingegen diese See klimt auf und Himmel an
Des schnellen Blitzes Glantz führt eine liechte Bahn
Durch das gesaltzne Meer der Donner holt zusammen
Sein Schrekken Furcht und Angst und schmeltzt mit rauen Flammen
Den sehr erhitzten Schaum die Luffte suchen Lufft
Das Schiff steigt bald empor und fält bald in die Klufft
Der Erden die es fleucht: – – –
Hört dieses Wunderspiel des Himmels Gegenhall
Ein unbesintes Holtz das unsern Sinn erreget
Es tönet im Gehör der Lufftvermengte Schall
Die tode Säite lebt sie bebet und beweget
Durch Kunstgeübte Hand wie kan der Faden klingen:
Der leere Lautenbauch füllt unsre Ohren an
Den wilden Tigermuht kan dieser Finger zwingen
Ist auch ein Meisterstükk das diesem gleichen kan?
Lasset uns lasset uns schauen im Garten
Mindern der güldenen Tulipen Zahl
Wollen wir arme noch morgen erwarten
Sind wir nicht sterblichen allezumal
Auf eilet zu gehen
Die Blumen entstehen
Der Winter bald komt
Die Felder bereiffet
Die Wiesen zerschleiffet
Alte behägliche Lust uns benimt.
Der hielt bey seinem Volk zuförderst an der Spitzen
Im dikken Pulverdampf Karthaunen Creutzweiß blitzen
Der Kugelregen fält Stein Eisen Hagel Bley
Nimt gantze Glieder weg reist Roß und Mann entzwey.
Es würbeln üm und üm die Trommeln Pfeiffen Flöten
Es tönt das Trarara der Lermenden Trompeten.
Der abgeführte Feind der hatte sich geschwenkt
Die Truppen stunden da die Ordnung war gemengt.
Ein harter Bissen Bley wird unverhofft geschikket
(O du verfluchte Hand die du hast abgedrükket
Des Satans Mordpistol) das Königliche Blut
Sank auf den Rasen hin im minsten nicht der Muht.
Der Fall der Leibesfall hat erst sein Lob erhoben
Die Freyheit richt ihm auf bepalmte Siegesbogen.
Die Welt die Teutsche Welt ererbet seinen Ruhm
Sein Heer die Dapferkeit der Helden Eigenthum
Kron Schweden seinen Leib. – – –
Wie standhafft auch darinn der Reinach sich gewehret
Bis daß man Pferd und Hund und Katzen aufgezehret
Auch ungeschlachte Häut und rohes Leder gessen
Die Leut einander selbst ermordet und gefressen!
Die Matten schlepten nur für Hunger ihre Glieder
Man sah sie für Gespenst und nicht für Menschen an
Vnd wenn sie einen Schuß aus aller Macht gethan
So fielen sie darvon samt den Musqweten nider.
Wie sahe man ihn da die freye Hand erschwingen
Jetzt mit gezuktem Rohr jetzt mit entblöstem Schwert
Und wo er hingewandt das Streitgewohnte Pferd
Den Seinen neue Krafft den Feinden Schrekken geben:
Das blankgeführte Schwert den Geber vieler Siege
Das in des Sachsen Faust den Feinde machte bang
Und dann der schwartze Hengst der mit dem stoltzen Gang
Und mutigem Galop anzeigte wen er trüge.
Der sichre Steuermannthat fast als ob er schlief
Bis das verirte Schiff mit allen Segeln lief
Auf Oelands harten Grund: Ach möchten wir nur sehen
War aller unser Wort Ach wie wird uns geschehen:
Ein jeder fiel erblast auf sein Gesichte hin
Ein jeder ruffte laut: Hilf Jesu wo ich bin!
Das Schiff das obenher von Winden war zerrissen
Ward von der Fluten Macht nun unten auch geschmissen
– – – Das Rohr sprang plötzlich ab
Hier sahen wir den Tod hier sahen wir das Grab.
Der Kiehl gieng morsentzwey mit Krachen und mit Schüttern
Die Palnken huben an zu zittern und zu splittern
Die See brach häuffig ein das tode Schiff ertrank
Das leuchte Gut floß weg das schwere das versank.
Freude des Herren und Liebe der Frauen
Keiner kan ohne Gelächter dich schauen
Weilen du balden die Tafel gedekt
Bringest dem eigene Schüssel getragen
Lächerlich ist so sie jrgend verstekt
Das eivrige Suchen
Das hungrige Pochen
Behägliches Springen
Das freundliche Ringen.
Und wie er etwan ferner schertzet.
Zu Rom wird alle Jahr ein neuer Raht erkoren
Ein König und Poet die werden nur geboren.
Wolt Alexander wol einschlaffen mit Vergnügen
So musten Buch und Dolch zu seinen Häubten ligen.
Ey hört den Kömermann von mir so herrlich sprechen
Bloßmein Getön mein Laut kunt jede Feinde brechen
Die Tugend nam aus mir den Donner in die Hand
Da schwang sich das Gewehr da bebten Leut und Land.
Schau den bemahlten Schild in festen Händen drönen
Den Pral die Löwenstimm das Feldgeschrey das Tönen
Sich wirbelt hoch hinauf bis zu der Wolken Gang
Dem Römer wider mich wurd angst und Hasenbang.
Auf ihr Edlen Teutschen aufhochgeehrte greise Helden
Fördert unsrer Sprachenschmuk man wird euren Ruhm vermelden
Wo der grosse Karel stehet
Der auf liechten Sternen gehet.
Auf ihr alten Teutschen auf auf hochgeehrte greise Helden
Liebet unsrer Sprachen Zier man wird euer Lob vermelden
Wo der Käiser Rudolf stehet
Der auf blanken Sternen gehet.
Auf ihr grossen Helden auf folget euren Teutschen Ahnen
Hier könt ihr euch einen Weg zu der Ewigkeit hinbahnen
Daß man wird auf vielen Chören
Nürnberg Nürnberg rühmen hören.
Liebet die lieblich vergnügende Sprach
Deren Vermögen keine zugleichen
Deren Bewegen andere weichen
Keiner kömt ihrer Geschiklichkeit nach.
Ich hab es gewagt
Am ersten zu singen
Von Himmlischen Dingen
Jetz hab ichs gewagt
Die Rede zu bringen
Und lassen erklingen
Was Teutschen behagt