Lord Byrons letzte Liebe

By Adelbert von Chamisso

Written 1809-01-01 - 1809-01-01

Byron ist erschienen, der Kamönen

Und des Ares Zögling strahlt, ein Held,

Unter Hellas heldenmüt'gen Söhnen

Auf dem blutgedüngten Freiheitsfeld.

Und ihm schlagen aller Griechen Herzen –

Eines nicht, nach welchem er doch ringt;

Und er schafft sich unablässig Schmerzen,

Wo er selbst das Heil den Völkern bringt.

„Wie mein Volk, so will ich dich verehren!“

Mild, doch ungerührt die Jungfrau spricht:

„Magst die Krone von Byzanz begehren,

Meine Liebe nur begehre nicht!“

Eilig ward er einst zu ihr entboten,

Die der Stern ist seiner innern Nacht;

Stürmend folgt er, ahnungsvoll, dem Boten, –

Welch ein Schreckensbild vor ihm erwacht!

Starr lag, regungslos, die Schmerzenreiche,

Um ein Schwert die rechte Hand geballt;

Langsam richtet sich empor die bleiche,

Geisterartig herrliche Gestalt.

Sie beginnt: „Du sollst es jetzt erfahren:

Frühe traf ich schon der Liebe Wahl,

Gab sein Schwert auch meinem Palikaren,

Als das Vaterland es mir befahl.

Scheidend sprach ich ernst in ernster Stunde:

‚Sieg nur oder Tod, das wissen wir;

Auf denn! und ein Wort aus treuem Munde:

Stirbst du unserm Volke, sterb ich dir.‘

Du nun siehst mich dem Gestorbnen sterben;

Fallend sandt er mir zurück sein Schwert;

Nimm es hin, du Dichterheld, zum Erben

Solchen Gutes bist nur du mir wert!“

Mit Entsetzen forscht er – und gelassen

Spricht sie: „Gift!“ – und atmet, merklich kaum,

Und vollbracht ist's; – seine Arme fassen

Erst als Leiche seines Lebens Traum.

Byrons Züge seit der Stunde waren

Trüb und nächtlich, wie sein düstres Los;

Und er nahm das Schwert des Palikaren

Bald mit sich hinab in Grabes Schoß.