LXVIIEin christliches Sprüchlein

By Conrad Ferdinand Meyer

Written 1861-01-01 - 1861-01-01

In meinen Leidensnächten ohne Stern

Erlab ich mich an guter Sprüche Kern.

Sankt Paule, der du mir zu jeder Frist

Aus dem Apostelbund der liebste bist,

Eins deiner Sprüchlein so von ungefähr

In bittern Nöten bet ich vor mich her:

Es ängstet sich, es sehnt sich allezeit

Die Kreatur in ihrer Endlichkeit.

Oft wird der edle Leib, das schöne Sein

Zum dumpfen Kerker ohne Licht und Schein.

Dann ist es nicht ein hergebracht Gebet,

Es ist der Geist, der in uns seufzt und fleht,

Und wärst du, Gott und Herr, nicht ewiglich,

Ein solches Stoßgebet erschüfe dich.