Lysanders Antwort an Arismenen.
Written 1693-01-01 - 1693-01-01
Warum wird die Frucht des Lebens
Schönster Engel mir versagt?
Lieb' ich denn so gar vergebens?
Darf kein Griff nicht seyn gewagt?
Heisset das schon übertreten
Wenn man nur die Frucht angreifft?
Sollen denn Egyptens-Ketten
Niemahls werden abgestreifft?
Soll ein steter Sclave bleiben
Mein so sehr entbrannter Sinn?
Darf ich nicht die Finger treiben
An das Land der Lüste hin?
Kan man das wol dreiste nennen
Was die treue Hand verübt?
Die zum Opffer sich verbrennen
Hat man jederzeit geliebt.
So kan auch mein Unternehmen
Gar kein Trieb der Geilheit seyn;
Denn zum Opffer sich bequehmen
Nimmt nicht lüstern Geister ein.
Ist es nicht des Schoosses Ehre?
Wenn sie krönet meine Hand
Weil ich ihr gantz zu gehöre
Grüsse ich das schöne Land.
Wo sind wo die zarten Wellen
So des Lebens Perlen thaun
Und der Wollust Lager-Stellen
Als in ihrer Schooß zu schaun?
Durch das Opffer treuer Finger
Wird kein Heiligthum beschmitzt;
So wird auch ihr Schooß nicht ringer
Wenn sie meine Hand beschützt.
Schützt den Eingang dieses Landes
Hat ihr Mund ja selbst gesagt;
Ehrt man nicht die Pracht des Strandes
Vor den man sein Leben wagt?
Sündigen denn meine Hände
Wenn sie ihr Gebote thun
Und als eigne Liebes-Pfände
Bey des Schoosses Eingang ruhn?
Israel geht durch die Wüsten
Aus der strengen Dienstbarkeit
Solte mich denn nicht gelüsten
Auch zu seyn in Sicherheit?
Ist nicht in den Rosen-Gründen
Amors liebster Ruhe-Platz
Und die dunckle Grufft zu finden
So verwahret seinen Schatz?
Tausend Lüste tausend Freuden
Wohnen in der Marmor-Schooß
Und die Myrthen gleichen Heiden
Übergehn der Brüste Schloß.
Durch die Wüsten muß man gehen
Wenn man will in Canaan
Bey den Brüsten stille stehen
Nur zum Schein vergnügen kan.
Selbst die Seele kan es fühlen
Was sie da vor Lust geneußt
Wenn sie kan daselbsten spielen
Wo sie fast vor Lust zerfleußt.
Jene gingen durch die Wüsten
Und durchs grosse rothe Meer
So macht meine Hand vom Brüsten
Sich durch Wüsten leer.
Zwar ich wil die schönen Ballen
Ihrer Brüste nicht verschmähn
Aber durch die Wüsten wallen
Läßt weit grösser Anmuth sehn.
Wo ist wol der Wollust Garten
Ist es nicht die schöne Schooß?
Wo Lust und Ergötzung warten
Nur zu werden Zügel loß.
Und ist nicht die Schooß die Stelle?
Die uns alle Anmuth zolt
Ist sie nicht die Feuer-Quelle?
Daraus AEthna Flammen hohlt.
Sie ist Pharos, Port und Leuchte
Und das schöne Morgen-Land
Ihre angenehme Seichte
Macht den Glückes-Strand bekandt.
Ihre duncklen Opffer-Hallen
So ein Mirthen-Wald umgiebt
Sind gezieret mit Corallen
Deren Schmuck ein jeder liebt.
Marmor Myrthen und Rubinen
Sind der Zierath ihrer Schoß
Selbst die Anmuth muß ihr dienen
Das Ergötzen macht sie groß.
Drum mein Engels-Kind vergönnet
Meiner Hand den Kröhnungs-Griff
Gebt zu daß man sie erkennet
Vor Dionens Muschel-Schiff.
Denn als die kahm aus den Wellen
Schloß sie eine Muschel ein
Dieses dadurch fürzustellen
Daß sie solte heilig seyn.
Ja! ihr Ansehn zu vermehren
Ist sie in die Schooß gesetzt
Will ich sie nun nicht verehren
So ist Cypris Recht verletzt.
Dieses heist die Muschel kröhnen
Als ein Opffer mit der Hand
Und nennt jenes ein Verhöhnen
Wenn man ihr den Dienst entwandt.
Drum ihr Zierath aller Schönen
Zürnet nicht mit eurem Knecht
Wenn er eure Muschel kröhnen
Wollen nach der Venus Recht.
Werfft die Schaam mein Engel nieder
Und seyd doch so spröde nicht
Da dem Zierath eurer Glieder
Gar kein Überlast geschicht.
Jene Freyheit meiner Hände
Wird gantz unrecht ausgelegt;
Indem ich mich euch verpfände
Es der Geilheit Nahmen trägt.
Nicht zu strenge hegt erbarmen
Schliest den Freudeu-Ort nicht zu
Sonsten raubt eur Zorn mir Armen
Meiner matten Geister Ruh.
Brüste heissen Sodoms-Früchte
Die im Schauen lieblich sind
Aber ein vergnügt Gerichte
Man an ihrer Muschel findt.
Nicht zu strenge Arismene!
Ach hegt doch Barmhertzigkeit
Seyd so gütig als ihr schöne
So wird meine Brust erfreut.
Warum soll ich denn verderben
Und im Feuer untergehn?
Bald im kalten Eyse sterben
Und mich stets gequälet sehn?
Führet meine treuen Sinnen
In den angenehmen Port
Daß sie freudig sagen können
Dieses ist der schöne Ort:
Da man kan in süssen Lüsten
Und in Anmuth truncken seyn;
Denn man schmecket bey den Brüsten
Allezeit gemischten Wein.
Was ist sonst der Lüste-Quelle?
Als ihr Schooß mein Engels-Kind
Und die freuden-volle Stelle?
Da man Lebens-Stärckung findt.
Alle Tage sich von neuen
Da ein neu Ergötzen regt
Und der rechte Liebes-Reyen
Wird in einer Schooß gehegt.
Nun weiß ich daß Arismene,
Ihr mirs ferner nicht versagt
Daß ich eure Schooß bekröne
Da es Jdalis behagt.