Lysanders Antwort an Arismenen.

By Johann Georg Gressel

Written 1693-01-01 - 1693-01-01

Warum wird die Frucht des Lebens

Schönster Engel mir versagt?

Lieb' ich denn so gar vergebens?

Darf kein Griff nicht seyn gewagt?

Heisset das schon übertreten

Wenn man nur die Frucht angreifft?

Sollen denn Egyptens-Ketten

Niemahls werden abgestreifft?

Soll ein steter Sclave bleiben

Mein so sehr entbrannter Sinn?

Darf ich nicht die Finger treiben

An das Land der Lüste hin?

Kan man das wol dreiste nennen

Was die treue Hand verübt?

Die zum Opffer sich verbrennen

Hat man jederzeit geliebt.

So kan auch mein Unternehmen

Gar kein Trieb der Geilheit seyn;

Denn zum Opffer sich bequehmen

Nimmt nicht lüstern Geister ein.

Ist es nicht des Schoosses Ehre?

Wenn sie krönet meine Hand

Weil ich ihr gantz zu gehöre

Grüsse ich das schöne Land.

Wo sind wo die zarten Wellen

So des Lebens Perlen thaun

Und der Wollust Lager-Stellen

Als in ihrer Schooß zu schaun?

Durch das Opffer treuer Finger

Wird kein Heiligthum beschmitzt;

So wird auch ihr Schooß nicht ringer

Wenn sie meine Hand beschützt.

Schützt den Eingang dieses Landes

Hat ihr Mund ja selbst gesagt;

Ehrt man nicht die Pracht des Strandes

Vor den man sein Leben wagt?

Sündigen denn meine Hände

Wenn sie ihr Gebote thun

Und als eigne Liebes-Pfände

Bey des Schoosses Eingang ruhn?

Israel geht durch die Wüsten

Aus der strengen Dienstbarkeit

Solte mich denn nicht gelüsten

Auch zu seyn in Sicherheit?

Ist nicht in den Rosen-Gründen

Amors liebster Ruhe-Platz

Und die dunckle Grufft zu finden

So verwahret seinen Schatz?

Tausend Lüste tausend Freuden

Wohnen in der Marmor-Schooß

Und die Myrthen gleichen Heiden

Übergehn der Brüste Schloß.

Durch die Wüsten muß man gehen

Wenn man will in Canaan

Bey den Brüsten stille stehen

Nur zum Schein vergnügen kan.

Selbst die Seele kan es fühlen

Was sie da vor Lust geneußt

Wenn sie kan daselbsten spielen

Wo sie fast vor Lust zerfleußt.

Jene gingen durch die Wüsten

Und durchs grosse rothe Meer

So macht meine Hand vom Brüsten

Sich durch Wüsten leer.

Zwar ich wil die schönen Ballen

Ihrer Brüste nicht verschmähn

Aber durch die Wüsten wallen

Läßt weit grösser Anmuth sehn.

Wo ist wol der Wollust Garten

Ist es nicht die schöne Schooß?

Wo Lust und Ergötzung warten

Nur zu werden Zügel loß.

Und ist nicht die Schooß die Stelle?

Die uns alle Anmuth zolt

Ist sie nicht die Feuer-Quelle?

Daraus AEthna Flammen hohlt.

Sie ist Pharos, Port und Leuchte

Und das schöne Morgen-Land

Ihre angenehme Seichte

Macht den Glückes-Strand bekandt.

Ihre duncklen Opffer-Hallen

So ein Mirthen-Wald umgiebt

Sind gezieret mit Corallen

Deren Schmuck ein jeder liebt.

Marmor Myrthen und Rubinen

Sind der Zierath ihrer Schoß

Selbst die Anmuth muß ihr dienen

Das Ergötzen macht sie groß.

Drum mein Engels-Kind vergönnet

Meiner Hand den Kröhnungs-Griff

Gebt zu daß man sie erkennet

Vor Dionens Muschel-Schiff.

Denn als die kahm aus den Wellen

Schloß sie eine Muschel ein

Dieses dadurch fürzustellen

Daß sie solte heilig seyn.

Ja! ihr Ansehn zu vermehren

Ist sie in die Schooß gesetzt

Will ich sie nun nicht verehren

So ist Cypris Recht verletzt.

Dieses heist die Muschel kröhnen

Als ein Opffer mit der Hand

Und nennt jenes ein Verhöhnen

Wenn man ihr den Dienst entwandt.

Drum ihr Zierath aller Schönen

Zürnet nicht mit eurem Knecht

Wenn er eure Muschel kröhnen

Wollen nach der Venus Recht.

Werfft die Schaam mein Engel nieder

Und seyd doch so spröde nicht

Da dem Zierath eurer Glieder

Gar kein Überlast geschicht.

Jene Freyheit meiner Hände

Wird gantz unrecht ausgelegt;

Indem ich mich euch verpfände

Es der Geilheit Nahmen trägt.

Nicht zu strenge hegt erbarmen

Schliest den Freudeu-Ort nicht zu

Sonsten raubt eur Zorn mir Armen

Meiner matten Geister Ruh.

Brüste heissen Sodoms-Früchte

Die im Schauen lieblich sind

Aber ein vergnügt Gerichte

Man an ihrer Muschel findt.

Nicht zu strenge Arismene!

Ach hegt doch Barmhertzigkeit

Seyd so gütig als ihr schöne

So wird meine Brust erfreut.

Warum soll ich denn verderben

Und im Feuer untergehn?

Bald im kalten Eyse sterben

Und mich stets gequälet sehn?

Führet meine treuen Sinnen

In den angenehmen Port

Daß sie freudig sagen können

Dieses ist der schöne Ort:

Da man kan in süssen Lüsten

Und in Anmuth truncken seyn;

Denn man schmecket bey den Brüsten

Allezeit gemischten Wein.

Was ist sonst der Lüste-Quelle?

Als ihr Schooß mein Engels-Kind

Und die freuden-volle Stelle?

Da man Lebens-Stärckung findt.

Alle Tage sich von neuen

Da ein neu Ergötzen regt

Und der rechte Liebes-Reyen

Wird in einer Schooß gehegt.

Nun weiß ich daß Arismene,

Ihr mirs ferner nicht versagt

Daß ich eure Schooß bekröne

Da es Jdalis behagt.