Magie

By Anastasius Grün

Written 1842-01-01 - 1842-01-01

Es hat ein Stern geleuchtet

In kalte dunkle Nacht;

Da sprühten Funken und Flammen,

Die schlugen zur Lohe zusammen,

Zum feurigsten Brand entfacht.

Es ist ein Hauch geflogen

Warm über verödetes Feld;

Aufs Neu begann es zu lenzen,

Aufblühte in Blumen und Kränzen,

In Duft und Wonne die Welt.

Es ist ein Ton erklungen,

So innig, so rasch und bang;

In Liedern begann es zu schwellen

Von Nachtigallen und Quellen,

Nie hört' ich so lieblichen Klang!

Ein Rosenblatt ist gefallen

In einen Alpensee;

Sein Spiegel begann zu wallen,

Die kochenden Wellen zu ballen

Im Sturme so wild und jäh.

Dieß Alles hab' ich erfahren

In meiner seligsten Stund',

Als sich zwei rothe Lippen,

Ach, nur zu flüchtigem Nippen,

Gelegt an meinen Mund.