[Maistresse meines Leibs/ Princesse meiner Glieder]Fußnoten

By Georg Philipp Harsdörffer

Written 1632-01-01 - 1632-01-01

Maistresse meines Leibs Princesse meiner Glieder

Altesse meines Glükks Duchesse meiner Lieder

Lucerne meines Thuns Artzt meiner nullitet,

Die meinem sensitif ein güldnes Cabinet,

Ein ordre meiner Ruh und meines Tods Oracul,

Des Denkens das ich nehr ein stätes habitacul,

Revange meiner Noht Madame die ihr seyd

Hört an mein chanzonet, parlant von meinem Leid.

Ihr seyds Madamoisell, die mich so tourmentiret,

Die mich crudelement der Morta addressiret:

Mein Hertz voltirt bereits der Geist geht in galop,

Die Kehle maintenirt, stringirt des Athems Tropp.

Mich wolt Amoris Pfeil Lampredenweis lardiren,

Vnd meine libertet gar in disordre füren.

Daher ich resolut zu geben das valet,

Das macht das tractament, das mir von euch entsteht

Der Augen terzerol macht daß mein Hertz flancquiret

Vnd meine starke Brust in flammen sublimiret.

Schaut hier mein Juppenbeltz spielt mählig bancquerot,

Weil daß ihn parfumirt Vulcan der Feuergott

Der euch vvn Augen blitzt gleich einer Canonade,

Die Citadellen stürtzt und zu der escalade

Den harten Vordantz macht. Nehmt an die curtoisie,

Die euch Don Hylas jetzt zeigt senza flatterie,

Zwar ihr tenirt vor mir ein breites avantage,

Ihr nennt mich einen Schourk und eures Dieners page;

Doch meritirt noch wohl mein Wehrt und mein valeur

Der Schmertzen condolenz und eurer Lieb faveur.

Bin ich kein Chevalier, so bin ich doch capabel

Deß was den Buhler macht bey Damen acceptabel.

Es ist wisst mein facon von gleicher importanz

Der Reden die ich brauch mit der entretenanz

Die man in Städten treibt: Der Wörter gentilezza,

Die fremde majestet und holde politezza

Logirt so wohl in mir als in dem cerebell

Deß der da rümt er hab ein Welsches naturell.

Mein brave Kammerkatz ich lieb euch incredibel,

Euch adorirt mon-coeur, acht diß für infallibel,

Mavie das hangt allein an eurer Huld und Gnad

Wie hart es angustirt der Schmertzen bastonad.

Ma foy ist jederzeit gewichtig und valabel

Wer Damen sincorirt den hole der Diabel,

Vnd Mors, der Lieutenant dort auf der Styger-See:

Was hab ich dann peccirt, wann ich madonna geh.

Zu eurer nettetet, und laß die Küh-prelaten,

Die gegen eurer Zier sind schlechte potentaten?

Soll ich üm diese faut seyn immortalisirt,

Vnd senza Liebs-plaisir dem Charon embarquirt

Changiret euren Sinn Madonna, dann clemence

Steht bey grande za wohl und leichte connivence,

Bald wird man sprengen aus gebt ihr mir nicht pardon,

Don Hylas sey gesterbt das dürre Sceleton.

Wie ist es dann Madam, wie ist es doch possibel,

Daß euer Hertze sey von einem Felsengibel

Vnd Eisendichtem Zeug? das Augenpar flancquirt

Wie sonst Pyracmon blitzt dem nie splendeur mancquirt.

In ihnen hämmert stäts ein krummer Schmid der Liebe

Der Schorstein dünket mich noch gegen ihnen trübe

Vnd brän er liechter Loh: doch ob sie noch so fein

Noch muß ich oyme, durch sie spediret seyn

Zum Rhadamanto hin. Wer sieht der Wangen grace,

Vnd wünscht nicht seinen Mund sobald auf ihnen place?

Der Lippen Trempeldantz (auf denen galopyrt

Ein speichelweisser Tau) den Himmel selbst bravirt

Vnd wär er üm und üm sapphiren gleich getuschet

So fein seit ihr Madam, so überfein beguschet

Noch droht das Himmelmaul mir lauter böß parol,

Es fället die replicq, daß ich postiren sol

Von hinnen senza Trost. Es hat mich remoriret

Der Haare blanker Flachs par forza petardiret,

Wie extricir ich mich? Ich bin schon desperat,

Geschicht mir nicht souccours, der kaum noch tempo hat.

Der Atstein-weisse Hals der Hände Gold-æstime,

Der Brüste gelbes Wachs die ich für Quitten rüme

Forziren mich zur Lieb mit süsser Ordonnanz.

Bedenkt ihr meine Brunst Maistresse mit balanz,

So acht ich mich bastant, noch Gunst zu hazardiren:

Falliret die speranz von diesem fortuniren,

So wird euch die nouvell bald schelten ungerecht:

Don Hylas, Hylas ay! morixit, euer Knecht.