[Man findet wenig Pracht in alten Adels Schilden]

By Hans Aßmann von Abschatz

Written 1672-01-01 - 1672-01-01

Man findet wenig Pracht in alten Adels Schilden

Der Ahnen tapffre Faust hat solche selbst gemahlt

Ein Denckmahl ihres Sinns den Erben einzubilden

Da izt die neue Welt mit vielem Schmucke prahlt.

Wo man den Vogel kan aus seinen Federn kennen

So mag man manchen wohl des Adels Mißbrutt nennen.

Der Alten Einfalt wieß die ungefälschten Sitten

Mit schlechten Farben aus: das unbefleckte Weiß

Die rothe Tapfferkeit die manchen Sieg erstritten

Das treu-beständge Schwartz behielt damahls den Preiß.

Izt muß offt alles voll und bund gemahlet stecken

Der äusserliche Pracht den innern Mangel decken.

Wenn izt ein Alter solt in seine Hörner blasen

Damit er seinen Feind zu schrecken war gerüst

Und manchen edlen Held auff Blut-gefärbten Rasen

Zum Streite fodern aus zu weisen was er ist

Wie würde Schild und Helm offt auff die Seite fliegen

Der neu-erworbne Stand und Schmuck im Rothe liegen.

Doch muß der Ahnen Rauch nicht so zu Kopffe steigen

Daß man beschimpffen will was Tugend edel acht

Das Wappen nicht der Ruhm der Väter ist uns eigen.

Man setze weiter nach wie sie die Bahn gemacht;

Wann vieler Jahre Schweiß nicht soll umsonst zerrinnen:

Erhalten schätzet man so künstlich als gewinnen.