Marien Magdalenen Bußlied.

By Heinrich Mühlpfort

Reinestes Wesen heiligste Liebes-Glut

Weil mir von Sünden brennet Seel Hertz und Blut

Und nichts entschuldigt mein Verbrechen

So laß mich noch die Seuffzer sprechen.

Fließt bittre Thränen fliesset in wahrer Buß

Mein Geist O Schöpffer fällt dir zerknirscht zu Fuß.

Die Lust die mich so oft erquicket

Die ists die mich wie Felsen drücket.

Nimm mich verirrtes Schaf zu Genaden an!

Der Wollust Weide hat mir die Lebens-Bahn

Die zu dem Himmel führt verschräncket

Darüber sich mein Hertze kräncket.

Ach schnöde Sinnen thörichter Eitelkeit;

Ach kurtze Freuden und ein unendlich Leyd

Verkaufft die Welt: und unser Wesen

Verdient des Höchsten Straffungs Besem.

Nein. Magdalena soll sich der Welt entziehn

Und allen Zucker süssester Wollust fliehn.

Die Brunst von der ihr Blut gerauchet

Wird gar zu andern Feur gebrauchet

Weg süsse Küsse Reitzer der schnöden Lust

Weg geile Griffe auf der Schwan-weissen Brust.

Ich hasse nun des Leibes Blösse

Scharre mich in Erden-Klöse.

In meinen Armen soll fort kein Mensch mehr ruhn.

Ich

Und stat der Buhler Engel küssen

Die mir das Paradeiß auffschliessen.

So muß man streiten wider Welt Fleisch und Blut

Umb zu erhalten jenes versprochne Gut.

Wer dieses will im Himmel erben

Der muß zuvor der Welt absterben.

Nun schliest ihr Augen eure Crystallen ein

Auf meinen Wangen soll keine Rose seyn.

Der Mund wird dem nach Wermuth schmecken

Der ihn aus geiler Lust wird lecken.

Schrumpfft volle Brüste welckt und fallet hin

Die ihr entzündet manchen verliebten Sinn.

Vertrockne Schos mit deiner Quelle:

Wachst Nesselin wachst auff dieser Stelle.

Des Leibes Kützel muß ich vor reissen ein

Eh er ein Tempel soll des Erlösers seyn.

Mein Fleisch muß sich in Asche kehren

Wo es die Blüthen soll gewähren.

Ich lig und büsse. Ach GOtt mein höchstes Licht!

Die Magdalena ist mehr kein Welt-Kind nicht.

Sie ist die Braut des Lammes worden

Und läst den alten Liebes-Orden.