Marien Magdalenen Bußlied.
Reinestes Wesen heiligste Liebes-Glut
Weil mir von Sünden brennet Seel Hertz und Blut
Und nichts entschuldigt mein Verbrechen
So laß mich noch die Seuffzer sprechen.
Fließt bittre Thränen fliesset in wahrer Buß
Mein Geist O Schöpffer fällt dir zerknirscht zu Fuß.
Die Lust die mich so oft erquicket
Die ists die mich wie Felsen drücket.
Nimm mich verirrtes Schaf zu Genaden an!
Der Wollust Weide hat mir die Lebens-Bahn
Die zu dem Himmel führt verschräncket
Darüber sich mein Hertze kräncket.
Ach schnöde Sinnen thörichter Eitelkeit;
Ach kurtze Freuden und ein unendlich Leyd
Verkaufft die Welt: und unser Wesen
Verdient des Höchsten Straffungs Besem.
Nein. Magdalena soll sich der Welt entziehn
Und allen Zucker süssester Wollust fliehn.
Die Brunst von der ihr Blut gerauchet
Wird gar zu andern Feur gebrauchet
Weg süsse Küsse Reitzer der schnöden Lust
Weg geile Griffe auf der Schwan-weissen Brust.
Ich hasse nun des Leibes Blösse
Scharre mich in Erden-Klöse.
In meinen Armen soll fort kein Mensch mehr ruhn.
Ich
Und stat der Buhler Engel küssen
Die mir das Paradeiß auffschliessen.
So muß man streiten wider Welt Fleisch und Blut
Umb zu erhalten jenes versprochne Gut.
Wer dieses will im Himmel erben
Der muß zuvor der Welt absterben.
Nun schliest ihr Augen eure Crystallen ein
Auf meinen Wangen soll keine Rose seyn.
Der Mund wird dem nach Wermuth schmecken
Der ihn aus geiler Lust wird lecken.
Schrumpfft volle Brüste welckt und fallet hin
Die ihr entzündet manchen verliebten Sinn.
Vertrockne Schos mit deiner Quelle:
Wachst Nesselin wachst auff dieser Stelle.
Des Leibes Kützel muß ich vor reissen ein
Eh er ein Tempel soll des Erlösers seyn.
Mein Fleisch muß sich in Asche kehren
Wo es die Blüthen soll gewähren.
Ich lig und büsse. Ach GOtt mein höchstes Licht!
Die Magdalena ist mehr kein Welt-Kind nicht.
Sie ist die Braut des Lammes worden
Und läst den alten Liebes-Orden.