[Mein Damon / laß die reinen flammen]

By Heinrich Mühlpfort

Written 1660-01-01 - 1660-01-01

Mein Damon laß die reinen flammen

Nicht laulicht und getheilet seyn.

Nichts bessers schicket sich zusammen

Als guter grunf und gleicher schein.

Was ist das lieben?

Ein Spiel der zeit

Wo man soll üben

Bey noth und leyd

Beständigkeit.

Nicht zürne daß ich so gesungen

Ein hertze das von liebe qvill't

Wird leichtlich mit verdacht beschwungen

Und mit der bleichen furcht erfüll't.

Bey lichten steinen

Liegt kein verdacht;

Bey ungemeinen

Wird tag und nacht

Mit fleiß gewacht.

Hielt Aetna nicht so lange feuer

Es kenn't ihn nicht die gantze welt;

Der säulen schönes ungeheuer

So Rom in ihrem schoßß erhält

Wird itzt geehret

Weil keine macht

Es hat zerstöret

Und dessen pracht

Nicht umgebracht.

Mein Damon wilt du mich nicht hören

So schau auff säulen berg und stein

Laß dich durch ihre wercke lehren

Laß sie die stummen meister seyn.

Blick wort und schertzen

Erbauet nicht

Wenn unsern hertzen

Das gleiche licht

Bestand gebricht.

Die blumen werden zwar gepriesen

Doch würd' ihr name höher gehn

Wenn sie in gärten und auff wiesen

Dem winter könten widerstehn.

Glaß und crystallen

Ehrt iedes land

Doch ziert vor allen

Der grossen hand

Ein Diamant.

Der zierrath den die liebe träget

Ist reuer geist und gleicher sinn

Den purpur den sie um sich leget

Sticht keine heisse sonne hin.

Wer gleiche liebet

In freud und noth

Und zeichen giebet

Bis in den tod

Ist fast ein gott.