[Mein Damon / laß die reinen flammen]
Written 1660-01-01 - 1660-01-01
Mein Damon laß die reinen flammen
Nicht laulicht und getheilet seyn.
Nichts bessers schicket sich zusammen
Als guter grunf und gleicher schein.
Was ist das lieben?
Ein Spiel der zeit
Wo man soll üben
Bey noth und leyd
Beständigkeit.
Nicht zürne daß ich so gesungen
Ein hertze das von liebe qvill't
Wird leichtlich mit verdacht beschwungen
Und mit der bleichen furcht erfüll't.
Bey lichten steinen
Liegt kein verdacht;
Bey ungemeinen
Wird tag und nacht
Mit fleiß gewacht.
Hielt Aetna nicht so lange feuer
Es kenn't ihn nicht die gantze welt;
Der säulen schönes ungeheuer
So Rom in ihrem schoßß erhält
Wird itzt geehret
Weil keine macht
Es hat zerstöret
Und dessen pracht
Nicht umgebracht.
Mein Damon wilt du mich nicht hören
So schau auff säulen berg und stein
Laß dich durch ihre wercke lehren
Laß sie die stummen meister seyn.
Blick wort und schertzen
Erbauet nicht
Wenn unsern hertzen
Das gleiche licht
Bestand gebricht.
Die blumen werden zwar gepriesen
Doch würd' ihr name höher gehn
Wenn sie in gärten und auff wiesen
Dem winter könten widerstehn.
Glaß und crystallen
Ehrt iedes land
Doch ziert vor allen
Der grossen hand
Ein Diamant.
Der zierrath den die liebe träget
Ist reuer geist und gleicher sinn
Den purpur den sie um sich leget
Sticht keine heisse sonne hin.
Wer gleiche liebet
In freud und noth
Und zeichen giebet
Bis in den tod
Ist fast ein gott.