[Mein hertze schmeltzt in einer stummen glut]
By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau
Written 1647-01-01 - 1647-01-01
Mein hertze schmeltzt in einer stummen glut
Kein funcke soll aus meinen adern steigen
Dem rauche selbst verbeut man sich zu zeigen
Und schweigen meistert mein erhitztes blut.
Es heist mich die natur ein schönes auge suchen
Und das gesetze will auff meine regung fluchen.
Soll denn ein kuß ein unbefleckter schertz
Ein süsser blick sünd und verbrechen heissen?
Soll ich denn selber mich mir nun entreissen?
Der himmel kennt der menschen sinn und hertz.
Lieb ist des himmels kind es wird ja unsre flammen
Als dieberey und mord der himmel nicht verdammen.
Wer ist doch der sich selbst entmenschen kan?
Wir wissen uns hier nirgends zu verklären
Des fleisches kan das fleisch sich nicht erwehren
Die menschlichkeit klebt menschen stündlich an.
Die engel liessen sich im himmel abwerts treiben
Wie sollen menschen doch auff erden engel bleiben?
Soll Sylvia vor mir verschlossen seyn?
Verbotne frucht ist mehr als doppelt süsse;
Der neben-weg reitzt mehrmahls unsre füsse
Die wollust wächst auch aus gefahr und pein.
Diß ist die süsse nuß so schwer ist auffzubrechen
Die rose wird geliebt ob gleich die dörner stechen.
Ach Sylvia! Ich weiß nicht wo ich bin!
Es soll kein mensch mein heisses übel kennen
Ich armer darff nicht meine kranckheit nennen
Die richt-sucht nimmt uns blüt und früchte hin.
Getreue Sylvia hab ich genade funden
So schau ach schaue doch! in meine tieffe wunden.
Du kennest ja die galle dieser welt
Wie iederman des andern fehler zehlet
Und fremden fall zum zeitvertreib erwehlet
Und dessen fleck vor seine schmincke hält.
Du must nur dichtes garn zu meiner decke spinnen
Dadurch die falsche welt nicht leicht wird sehen können.
Es soll alsdenn ein amber-reicher kuß
Der sich genetzt in moschus und rubinen
Vor julep uns in dieser hitze dienen.
Wo bleibst du doch O süsser überfluß!
Ich weiß die liebe wird zu lachen hier beginnen
Indem zwey zungen nicht vor liebe reden können.