Meine Muse

By Wilhelm Müller

Written 1810-01-01 - 1810-01-01

Meine Mus' ist gegangen

In des Schenken sein Haus,

Hat die Schürz' umgebunden

Und will nicht heraus;

Will Kellnerin werden,

Will schenken den Wein:

Da steht sie am Thore,

Und winkt mir herein.

Und über ihrem Haupte

Da spielet die Luft

Mit grünenden Zweigen

Und würzigem Duft.

Seht, wie sie sich drehet

So flink, so gewandt,

Die Kann' unter'm Arme,

Das Glas in der Hand!

„Herein, lieber Zecher!

Ich schenke dir Wein,

Ich schenke dir Lieder

Noch obendarein.

Nur mußt du hübsch bleiben

Im Wirthshaus bei mir:

Ich gebe freie Zeche

Und freies Quartier.

Drum locke mich nimmer

Hinaus in den Hain

Zu einsamen Klagen

Ob sehnlicher Pein.

Hier unter den Zweigen

Vor unserem Haus

Da schlafen die Leiden

Gar lustig sich aus.

Auch laß uns nicht schweifen

Umher in der Welt,

Einen Helden zu suchen,

Der Allen gefällt.

Gar lang sind die Wege,

Gar kurz ist die Zeit,

Und auf den Karpathen

Sind die Straßen verschneit.“

So ließ sie sich hören –

Wer hielte das aus?

Flugs bin ich gesprungen

Ihr nach in das Haus.

Nun schenke mir Lieder

Und schenke mir Wein,

Und rufe mir frohe

Gesellen herein!