Melancholikon.
Schöne Himmelssonne,
Mild und hold und hehr,
Urquell aller Wonne,
Wogend Flammenmeer!
So blass sind deine Schimmer!
So matt sind deine Flimmer!
Heldin, ist der Köcher
Deiner Pfeile leer?
Öde Stoppelfelder,
Blumenarme Flur,
Ausgestorbne Wälder,
Siechende Natur,
Woher so stumm und traurig?
Woher so bang' und schaurig?
Winket denn die Urne
Aller Kreatur?
Auf den grünen Matten,
Längs dem Wiesenbach,
Wo im Erlenschatten
Ich süssträumend lag,
Wo Lieb' und Leben schwirrte,
Und flötet, summt' und girrte —
Wimmert Todesklage,
Ächzt gebrochnes Ach!
Schlüsselblumen schmückten
Diess bescheidne Thal.
Wilde Rosen nickten
Hier im lauen Strahl —
Wo seyd ihr Trauten, Lieben,
Wo seyd, wo seyd ihr blieben?
Ehret eure Asche
Kein verkündend Maal?
Goldner Weizen kränzte
Jene stolze Höh;
Hier im Blachfeld glänzte
Eine Halmensee.
Ich seh sie nicht mehr wallen.
Gefallen, ach, gefallen
Vor dem Schwung der Sichel
Ist die Wogende.
Ahnung, die mich düstert,
Sprich, wo stammst du her?
Stimme, die mir flistert,
Sprich verständlicher!
Die Sonn' ist untergangen;
Von Hespers kalten Wangen
Träufeln starre Thränen
Auf den Wanderer.
Unbekanntes Grausen
Schüttelt mein Gebein.
Dumpfer Wetter Brausen
Donnert fern im Hain.
Es rasselt tausendstimmig;
Es fasst mich wild und grimmig —
Riesenarm, wer bist du?
Schrecklicher, halt ein!
Nachtschwarz rauscht dein Flügel,
Würger Tod, um mich.
Deine Demantriegel,
Grab, entriegeln sich.
„hinunter aus der Schwüle!
„hinunter in die Kühle!
„drunten ists vertraulich,
„eng und schauerlich.“
Deiner Flügel Sausen,
Dräuer, schreckt mich nicht.
Deines Dunkels Grausen,
Grab, entfärbt mich nicht
Hinunter aus der Schwüle!
Hinunter in die Kühle!
Jenseit jubelt Leben;
Jenseit dämmert Licht.