Melancholikon.

By Gotthard Ludwig Kosegarten

Schöne Himmelssonne,

Mild und hold und hehr,

Urquell aller Wonne,

Wogend Flammenmeer!

So blass sind deine Schimmer!

So matt sind deine Flimmer!

Heldin, ist der Köcher

Deiner Pfeile leer?

Öde Stoppelfelder,

Blumenarme Flur,

Ausgestorbne Wälder,

Siechende Natur,

Woher so stumm und traurig?

Woher so bang' und schaurig?

Winket denn die Urne

Aller Kreatur?

Auf den grünen Matten,

Längs dem Wiesenbach,

Wo im Erlenschatten

Ich süssträumend lag,

Wo Lieb' und Leben schwirrte,

Und flötet, summt' und girrte —

Wimmert Todesklage,

Ächzt gebrochnes Ach!

Schlüsselblumen schmückten

Diess bescheidne Thal.

Wilde Rosen nickten

Hier im lauen Strahl —

Wo seyd ihr Trauten, Lieben,

Wo seyd, wo seyd ihr blieben?

Ehret eure Asche

Kein verkündend Maal?

Goldner Weizen kränzte

Jene stolze Höh;

Hier im Blachfeld glänzte

Eine Halmensee.

Ich seh sie nicht mehr wallen.

Gefallen, ach, gefallen

Vor dem Schwung der Sichel

Ist die Wogende.

Ahnung, die mich düstert,

Sprich, wo stammst du her?

Stimme, die mir flistert,

Sprich verständlicher!

Die Sonn' ist untergangen;

Von Hespers kalten Wangen

Träufeln starre Thränen

Auf den Wanderer.

Unbekanntes Grausen

Schüttelt mein Gebein.

Dumpfer Wetter Brausen

Donnert fern im Hain.

Es rasselt tausendstimmig;

Es fasst mich wild und grimmig —

Riesenarm, wer bist du?

Schrecklicher, halt ein!

Nachtschwarz rauscht dein Flügel,

Würger Tod, um mich.

Deine Demantriegel,

Grab, entriegeln sich.

„hinunter aus der Schwüle!

„hinunter in die Kühle!

„drunten ists vertraulich,

„eng und schauerlich.“

Deiner Flügel Sausen,

Dräuer, schreckt mich nicht.

Deines Dunkels Grausen,

Grab, entfärbt mich nicht

Hinunter aus der Schwüle!

Hinunter in die Kühle!

Jenseit jubelt Leben;

Jenseit dämmert Licht.