Merkt auf, merkt, Himmel, Erde

By Paul Gerhardt

Written 1648-01-01 - 1648-01-01

Merkt auf, merkt, Himmel, Erde,

Und du, o Meeresgrund,

Was ich jetzt singen werde

Aus Gottes heilgem Mund!

Es fließe meine Lehre,

Wie Tau und Regen fleußt;

Wer Ohren hat, der höre

Des Höchsten Wort und Geist.

Es läßt der Herr euch weisen

Sein Ehr und Namenszier;

Die soll und will ich preisen,

Das tut auch ihr mit mir.

Er ist ein Gott der Götter,

Ein Tröster in der Not,

Ein Fels, ein einzger Retter

Und selbst des Todes Tod.

Sein Tun ist lauter Güte,

Sein Werk ist rein und klar,

Treu ist er am Gemüte,

Im Wort und Reden wahr;

Viel heilger als die Engel,

Die doch nur recht getan,

Frei aller Fehl und Mängel,

Fern von der Unrechtsbahn.

Er ist gerecht. Wir alle

Sind schändlich angesteckt

Mit Adams Sünd und Falle,

Der täglich in uns heckt

Viel böse schwere Taten,

Die unserm großen Gott,

Des kein Mensch kann entraten,

Geraten nur zum Spott.

Die ungeratnen Kinder,

Die fallen von ihm ab

Und werden freche Sünder,

Vergessen aller Gab

Und so viel tausend Güter

Und so viel süßer Gnad,

Die ihnen Gott, ihr Hüter,

So oft erwiesen hat.

Dankst du denn solchermaßen,

Du toll und töricht Volk,

Dem, der dir regnen lassen

Dein Manna aus der Wolk

Und aus des Himmels Kammer

Dir Speisen zugeschickt,

Damit in deinem Jammer

Dein Herze würd erquickt?

Woher hast du dein Leben

Und deines Leibes Bild?

Wer hat das Blut gegeben,

Das dir die Adern füllt?

Ists nicht dein Herr, dein Schöpfer,

Dein Vater und dein Licht,

Der dich, gleich als ein Töpfer,

Von Erde zugericht?

Gedenk und geh zurücke

In die vergangnen Jahr;

Erwäge, was für Glücke

Gott deiner Väter Schar

Erzeigt in schweren Zeiten!

Das ist den Alten kund,

Die werden dir andeuten

Den rechten wahren Grund.

Er stieß die wilden Heiden

Mit seiner starken Hand

Aus ihrer fetten Weiden

Und gab das schöne Land

Des Israels Geschlechte

Zu seines Namens Ruhm

Und Jakob, seinem Knechte,

Zum Erb und Eigentum.

Er fand ihn, wo es heulet,

In dürrer Wüstenei,

Er fand ihn und erteilet

Ihm alle Vatertreu;

Er lehret ihn, was tauge

Und er selbst Tugend heiß,

Er hielt ihn wie ein Auge

Und sparte keinen Fleiß.

Gleichwie ein Adler sitzet

Auf seiner zarten Brut

Und gar genau beschützet,

Was ihm am Herzen ruht;

Er dehnt die starken Flügel,

Wenn er sich hoch erschwingt

Und über Tal und Hügel

Sein edle Jungen bringt:

So hat sich auch gebreitet

Des Höchsten Lieb und Gnad

Auf Jakob, den er leitet,

Auf daß ihm ja kein Schad

Hier oder da anstieße;

Er hub, er trug mit Fleiß,

Bewahrt ihm Gang und Füße

Auf seiner ganzen Reis.

Er, sein Gott, tats alleine

Und sonst kein andrer Gott;

Es gaben Feld und Steine

Öl, Honig, Wasser, Brot

Ohn alle seine Mühe;

Er hatte guten Mut

Beim Fett der Schaf und Kühe

Und trank gut Traubenblut.

Da er nun wohl gegessen,

Vergaß er Gottes Heil,

Und da er des vergessen,

Da ward er frech und geil;

Da seine Not gestillet,

Beschimpft er Gottes Ehr,

Und da der Leib gefüllet,

Da ward das Herze leer.

Leer ward es an dem Guten,

Des Bösen ward es voll,

Ließ Götzenopfer bluten

Und dient, als wär er toll,

Den schändlichen Feldteufeln;

Und den, an dessen Macht

Die Teufel selbst nicht zweifeln,

Den ließ er aus der Acht.

Er ließ den ewgen Retter

Und gab sich in den Schirm

Der neuerdachten Götter,

Hielt Bestien und Gewürm

Und Bilder von Metallen,

Von Holz, von Stein und Ton,

Den Heiden zu gefallen,

Für seiner Seelen Kron.

Als das nun der erkannte,

Der Herz und Nieren kennt,

Da wuchs sein Zorn und brannte,

Gleichwie ein Feuer brennt;

Und die er vor so schöne

Geliebt an seinem Teil

Als Töchter und als Söhne,

Die wurden ihm ein Greul.

Ich will mich, sprach er, wenden

Von dieser schnöden Art,

Die so abscheulich schänden

Mich, der ich nichts gespart

An meiner Treu und Güte;

Ich habe recht geliebt,

Dafür wird mein Gemüte

Gekränket und betrübt.

Sie reizen mich mit Sünden:

Was gilts, es soll einmal

Sich wieder etwas finden

Zu ihrem Zorn und Qual!

Es werden Völker kommen,

Die blind sind als ein Stein;

Die sollen meine frommen

Und liebsten Kinder sein.

Mein Feuer ist entstanden

Und brennet lichterloh

In meines Volkes Landen,

Die sind ihm wie das Stroh.

Es wird weit um sich greifen

Bis zu der Höllen Grund

Und alle Frucht abstreifen,

Die auf der Erden stund.

Ich will mit meinen Pfeilen

Sie treiben in den Tod;

Es soll sie übereilen

Schwert, Pest und Hungersnot.

Ich will viel Tiere schicken

Und strenges Schlangengift,

Das soll zermartern, drücken

Und fressen, wen es trifft.

Ich will sie recht belohnen,

Mein Zorn soll gleich ergehn,

Auch derer nicht verschonen,

Die jung, gerad und schön;

Ich will sie all zerstäuben

Und fragen hier und dort:

Wo ist dann nun ihr Bleiben?

Welch ist ihr Sitz und Ort?

Doch muß ich gleichwohl scheuen

Den ungereimten Wahn

Der Feinde, die sich freuen,

Als hätten sies getan.

Sie bleiben wie die Narren

Bei ihrem Gaukelspiel

Und ziehn am Torheitskarren,

Ich tu auch, was ich will.

O, daß mein Volk verstünde

Das edle schöne Gut,

Das, wenns nun seine Sünde

Bereut und Buße tut,

Ihm nachmals wird begegnen!

Denn was ich jetzt geflucht,

Das will ich wieder segnen,

Sobald es Gnade sucht.

Mein Volk kommt aus dem Weinen,

Sein Feind kommt aus der Ruh,

Ihr tausend flieht vor einem,

Wie geht das immer zu?

Ihr Herr, ihr Fels und Leben,

Ist weg aus ihrem Zelt,

Er hat sie übergeben

Zur Flucht ins freie Feld.

Seid froh, ihr treuen Knechte

Des Gottes Israel,

Des Arm und starke Rechte

Euch schützt an Leib und Seel,

Habt fröhliches Vertrauen

Und Glauben, der da siegt:

So wird Gott wieder bauen,

Was jetzt darnieder liegt.

Er wird am Feinde rächen,

Was uns zuviel geschehn,

Uns wird er Trost zusprechen,

Uns wieder lassen sehn

Die Sonne seiner Gnaden:

Die wird in kurzer Zeit

Des Landes Klag und Schaden

Verkehrn in Glück und Freud.