Mexicanischer Lebens-Baum Bey Beerdigung Fr. E. W. g. K. abgebildet den 12. Juni...
Jndem Hochwürdiger sein Hauß geht in der Klage
Er selbst in Flor und Boy sich itzt verhüllen muß
Und
So über ihn bestimmt deß Allerhöchsten Schluß
Will ich den
Den Neu Hispanien und Mexico gebürt
Und dessen Eigenschasst und Namen zu erzehlen
Den er in frembder Sprach Kokochiati führt.
Wenn eines Menschen Hand die Blätter nur betastet
So stehn sie wie betrübt und in den Schlaff gesetzt.
Geschichts zum andernmal so wird der Baum entlastet
Von seiner Blätter Rey und scheint als wie verletzt.
Erkühnt man ferner sich ein Stück darvon zu schneiden
Wird der berührte Ort gantz schwartz als wie verbrand
Und mehr so kan er nicht des Menschen Athem leiden
Er schüttelt augenblicks die Blätter in den Sand.
Doch in Gujana siht ihn eine Viertelstunde
Vom neuen wieder blühn und gleichsam lebend seyn.
Steht unser Leben nicht auf eben solchem Grunde?
Und trifft mit diesem Baum sein Eigenschafft nicht ein?
Hier macht des Menschen Hand daß Blüth und Blätter fallen:
Mit uns deß Todes-Arm dergleichen Trauer-Spiel.
Die außgestreckte Zeit die wir auff Erden wallen
Was ist sie? als nur bloß der Eitelkeiten Ziel.
Wir träumen wie im Schlaff und irren mit Gedancken
Sind wie ein brennend Licht das selber sich verzehrt
Hier wird durch Kümmernüs und dort durch stetes krancken
Fast Stückweiß unser Leib in Asch und Grauß gekehrt.
Jedwede Stunde trägt auch was von uns zu Grabe
Wir sterben da nicht erst wenn uns der Tod befällt
Wann den entseelten Leib frist Fäulnis Wurm und Schabe
Nein; unsern Wiegen wird der Sarg schon beygesellt.
Der
Uns schwärtzt der Sünden Nacht den nackten Mohren gleich.
Mehr jener hat den Hauch der Menschen nicht erlitten:
Wir nicht die Warnungen aus GOttes Gnaden-Reich.
So giebt der
Sein stündlich sterbend Stamm mahlt uns den Tod nur für:
So vieler Blätter trägt so viel legt er zurücke
Und wirfft wie Kleider weg des kalten Laubes Zier.
Nichts anders gehts mit uns: Das Wonhauß dieser Erden
Wie groß und weit es ist steckt voller Roth und Tod
Ja wo nur Menschen sind da müssen Leichen werden
Unwiedertreiblich ist das Himmlische Gebot.
Doch könten wir nur so wie diese Pflantze leben
Der einig und allein des Menschen Hand verhaßt:
Blieb unser Hertze nicht an ird’ schen Dingen kleben
Und nennten wir den Leib der Seelen schwere Last
So würden wir getrost das grosse Nichts verlassen
(als wie
Die nach vollbrachtem Kampff und seeligem Erblassen
Den wahren
Das Sodoma der Welt das wolt’ ihr nicht belieben
Weil ihr Verlangen stets nach Edens Garten war.
In diesem Helden-Muth ist sie bchertzt verblieben
Bis sie der letzte Stoß geworffen auff die Bahr.
Jhr Tugend-eyfrig Sinn der Himmlisch nur gesinnet
Hat nie der Erden Lust und Anmuth hochgeschätzt.
Sie wuste daß wie Wind der Menschen Pracht zerrinnet
Daß bey dem Zucker-Rohr stets Wermuth ist gesetzt
Die Aepffel reich an Glantz inwendig Asche führen
Wie bey Asphaltens See dergleichen Bäume stehn
Daß alle Herrligkeit sich bald pflegt zu verlieren
Und wie die Anemon im Blüh’n noch zu vergehn.
Gesetzt auch daß man hier auff Tugend Pfeiler baute
Reist nicht das Alterthum auch Ehren-Säulen ein?
Und wenn man endlich recht die gantze Welt beschaute
So würde Ruhm und Ruh nur in dem Himmel seyn.
Berühmter Kirchen-Rath und grosser GOttes Lehrer
Diß hat die
Wenn als Chrysostomus die Geistlichen Zuhörer
Sein grundgelahrter Geist mit Gottesfurcht besternt.
Und solt’ er seinen Schatz nicht also können weiden
Der selbst mit Himmels-Kost
Drumb ward der Seeligen ein so vergnügt Abscheiden
Als wie dem Simeon im Tempel einst gewehrt.
Der Kranckheit Schmertzen hat nie die Gedult ermüdet
Sie war Amazonin in Unglück und Gefahr
Sie übt’ ihr Christenthum so sittsam und befriedet
Daß wie die Sonne stets ihr Lebens-Wandel klar.
Nichts was nur eitel heist und irrdisch ist zu nennen
Hat den ergebnen Sinn vom Himmel abgewand
Sie ließ ihr reines Oel in wahrer Andacht brennen
Und hat den Armen frey geboten ihre Hand.
Die Cedern hoher Ehr der Palmen Liebes-Zweige
Der Oelbaum sanffter Ruh der Mandelbaum der Treu
Erfreuten zwar ihr Hertz doch blieb es stets ein Zeuge
Daß ihr Vergnügen nur ein
Der hieß ihr Heyland selbst so das verlohrne Leben
Das nach dem Apffelbieß verfallen wiederbracht.
Es mag Malabar sonst sein Engelsüß erheben
Der Stamm ist bloß allein der Menschen seelig macht.
Der Stock entwirfft sein Creutz sein Wort die heilgen Blätter
Als wie der graue Mund der Kirchen hat gelehrt
Die Sacramenta sind die Früchte so kein Wetter
Noch einge Wechselung der Zeiten ie zerstört.
Man kan ja Mexico den Lebens-Baum verstatten
Der einen dürren Reiß am nechsten ähnlich sieht
Und dessen Frucht und Blüth bezeichnen nur die Schatten
In welchem sonderlich der Menschen Elend blüht.
Nein dieser Lebens-Baum den CHristus uns vorstellet
Macht alle Blumen bleich sticht alle Pflantzen weg.
Ach seelig’ wer sich stets zu diesem Stock gesellet
Dem wird die Ewigkeit im Sterben auch seyn Zweg.
Hochwürdiger daß zwar sein Hertz im Blute schwimmet
Weil seiner Seelen Trost und Augen-Lust entweicht
Trifft ein mit der Natur doch was schon GOtt bestimmet
Das ist ein solch Befehl dem keine Satzung gleicht.
Die Tugend läst sie nicht in seinem Hertzen sterben
Es baut ihr Treu und Pflicht noch täglich ein Altar
Hier kan sie Ehr und Ruhm und dort den Himmel erben
Welch ein beglückter Sarg! welch eine schöne Bahr!