Mexicanischer Lebens-Baum Bey Beerdigung Fr. E. W. g. K. abgebildet den 12. Juni...

By Heinrich Mühlpfort

Jndem Hochwürdiger sein Hauß geht in der Klage

Er selbst in Flor und Boy sich itzt verhüllen muß

Und

So über ihn bestimmt deß Allerhöchsten Schluß

Will ich den

Den Neu Hispanien und Mexico gebürt

Und dessen Eigenschasst und Namen zu erzehlen

Den er in frembder Sprach Kokochiati führt.

Wenn eines Menschen Hand die Blätter nur betastet

So stehn sie wie betrübt und in den Schlaff gesetzt.

Geschichts zum andernmal so wird der Baum entlastet

Von seiner Blätter Rey und scheint als wie verletzt.

Erkühnt man ferner sich ein Stück darvon zu schneiden

Wird der berührte Ort gantz schwartz als wie verbrand

Und mehr so kan er nicht des Menschen Athem leiden

Er schüttelt augenblicks die Blätter in den Sand.

Doch in Gujana siht ihn eine Viertelstunde

Vom neuen wieder blühn und gleichsam lebend seyn.

Steht unser Leben nicht auf eben solchem Grunde?

Und trifft mit diesem Baum sein Eigenschafft nicht ein?

Hier macht des Menschen Hand daß Blüth und Blätter fallen:

Mit uns deß Todes-Arm dergleichen Trauer-Spiel.

Die außgestreckte Zeit die wir auff Erden wallen

Was ist sie? als nur bloß der Eitelkeiten Ziel.

Wir träumen wie im Schlaff und irren mit Gedancken

Sind wie ein brennend Licht das selber sich verzehrt

Hier wird durch Kümmernüs und dort durch stetes krancken

Fast Stückweiß unser Leib in Asch und Grauß gekehrt.

Jedwede Stunde trägt auch was von uns zu Grabe

Wir sterben da nicht erst wenn uns der Tod befällt

Wann den entseelten Leib frist Fäulnis Wurm und Schabe

Nein; unsern Wiegen wird der Sarg schon beygesellt.

Der

Uns schwärtzt der Sünden Nacht den nackten Mohren gleich.

Mehr jener hat den Hauch der Menschen nicht erlitten:

Wir nicht die Warnungen aus GOttes Gnaden-Reich.

So giebt der

Sein stündlich sterbend Stamm mahlt uns den Tod nur für:

So vieler Blätter trägt so viel legt er zurücke

Und wirfft wie Kleider weg des kalten Laubes Zier.

Nichts anders gehts mit uns: Das Wonhauß dieser Erden

Wie groß und weit es ist steckt voller Roth und Tod

Ja wo nur Menschen sind da müssen Leichen werden

Unwiedertreiblich ist das Himmlische Gebot.

Doch könten wir nur so wie diese Pflantze leben

Der einig und allein des Menschen Hand verhaßt:

Blieb unser Hertze nicht an ird’ schen Dingen kleben

Und nennten wir den Leib der Seelen schwere Last

So würden wir getrost das grosse Nichts verlassen

(als wie

Die nach vollbrachtem Kampff und seeligem Erblassen

Den wahren

Das Sodoma der Welt das wolt’ ihr nicht belieben

Weil ihr Verlangen stets nach Edens Garten war.

In diesem Helden-Muth ist sie bchertzt verblieben

Bis sie der letzte Stoß geworffen auff die Bahr.

Jhr Tugend-eyfrig Sinn der Himmlisch nur gesinnet

Hat nie der Erden Lust und Anmuth hochgeschätzt.

Sie wuste daß wie Wind der Menschen Pracht zerrinnet

Daß bey dem Zucker-Rohr stets Wermuth ist gesetzt

Die Aepffel reich an Glantz inwendig Asche führen

Wie bey Asphaltens See dergleichen Bäume stehn

Daß alle Herrligkeit sich bald pflegt zu verlieren

Und wie die Anemon im Blüh’n noch zu vergehn.

Gesetzt auch daß man hier auff Tugend Pfeiler baute

Reist nicht das Alterthum auch Ehren-Säulen ein?

Und wenn man endlich recht die gantze Welt beschaute

So würde Ruhm und Ruh nur in dem Himmel seyn.

Berühmter Kirchen-Rath und grosser GOttes Lehrer

Diß hat die

Wenn als Chrysostomus die Geistlichen Zuhörer

Sein grundgelahrter Geist mit Gottesfurcht besternt.

Und solt’ er seinen Schatz nicht also können weiden

Der selbst mit Himmels-Kost

Drumb ward der Seeligen ein so vergnügt Abscheiden

Als wie dem Simeon im Tempel einst gewehrt.

Der Kranckheit Schmertzen hat nie die Gedult ermüdet

Sie war Amazonin in Unglück und Gefahr

Sie übt’ ihr Christenthum so sittsam und befriedet

Daß wie die Sonne stets ihr Lebens-Wandel klar.

Nichts was nur eitel heist und irrdisch ist zu nennen

Hat den ergebnen Sinn vom Himmel abgewand

Sie ließ ihr reines Oel in wahrer Andacht brennen

Und hat den Armen frey geboten ihre Hand.

Die Cedern hoher Ehr der Palmen Liebes-Zweige

Der Oelbaum sanffter Ruh der Mandelbaum der Treu

Erfreuten zwar ihr Hertz doch blieb es stets ein Zeuge

Daß ihr Vergnügen nur ein

Der hieß ihr Heyland selbst so das verlohrne Leben

Das nach dem Apffelbieß verfallen wiederbracht.

Es mag Malabar sonst sein Engelsüß erheben

Der Stamm ist bloß allein der Menschen seelig macht.

Der Stock entwirfft sein Creutz sein Wort die heilgen Blätter

Als wie der graue Mund der Kirchen hat gelehrt

Die Sacramenta sind die Früchte so kein Wetter

Noch einge Wechselung der Zeiten ie zerstört.

Man kan ja Mexico den Lebens-Baum verstatten

Der einen dürren Reiß am nechsten ähnlich sieht

Und dessen Frucht und Blüth bezeichnen nur die Schatten

In welchem sonderlich der Menschen Elend blüht.

Nein dieser Lebens-Baum den CHristus uns vorstellet

Macht alle Blumen bleich sticht alle Pflantzen weg.

Ach seelig’ wer sich stets zu diesem Stock gesellet

Dem wird die Ewigkeit im Sterben auch seyn Zweg.

Hochwürdiger daß zwar sein Hertz im Blute schwimmet

Weil seiner Seelen Trost und Augen-Lust entweicht

Trifft ein mit der Natur doch was schon GOtt bestimmet

Das ist ein solch Befehl dem keine Satzung gleicht.

Die Tugend läst sie nicht in seinem Hertzen sterben

Es baut ihr Treu und Pflicht noch täglich ein Altar

Hier kan sie Ehr und Ruhm und dort den Himmel erben

Welch ein beglückter Sarg! welch eine schöne Bahr!