Mich lockt deine Stimme

By Clara Müller-Jahnke

Written 1882-01-01 - 1882-01-01

Mich ruft deine Stimme aus Nacht und Not,

aus der Tiefe, darin die Flamme loht, –

sie gellt hinauf in den schimmernden Saal;

bleich werden die Gäste beim Hochzeitsmahl.

Ein Schatten fiel in des Festes Glanz, –

aus dem Haare lös' ich den Myrtenkranz;

ab setz ich das Glas mit dem glühroten Wein:

Mich ruft deine Stimme aus feuriger Pein.

Sie ruft mich hinweg aus dem sonnigen Licht;

am Finger der güldene Reif zerbricht,

auf der Stirne brennt mir das Kainsmal, –

mich lockt deine Stimme in ewige Qual.

Rosen und Myrten, die mir zum Gruß

am Boden duften, zertritt mein Fuß.

Den seidenen Schleier reiß ich entzwei . . .

ich komme, Unseliger – ich bin frei!

Und mit der Hand, die den Goldreif trug,

scheuch ich den Geier in seinem Flug – –

in die Flamme der Hölle riefst du mich,

und meine Träne rinnt über dich . . .