Mitleiden Bey Beerdigung Hn. H. G. abgeleget den 12. April. 1672.
So gehst du Seeliger nach so viel Creutz und Leiden
Mit dem Gecreutzigten in deines Grabes Nacht!
So kan auch nicht der Tod von deinem GOtt dich scheidē
Weil er durch seinen Tod das Leben dir gebracht!
So hast du dich gesehnt mit JEsu zu erblassen
Damit du kanst verklart einst in ihm aufferstehn!
Und weil ein finster Grab das Heil der Welt muß fassen
Wilstu auch Glaubens-voll zu deinen Vätern gehn.
Der Oelberg voller Angst ist nunmehr überstiegen
Des HErren Leichen-Tuch hüllt jetzt den Cörper ein:
Wie der Erlöser nicht im Grab ist blieben liegen
So wird auch dir dein Sarch kein ewig Wohn-Haus seyn.
Denn ob uns allbereit die Finsternüß verschlungen
Die Sünde gantz verstellt der Tod ins Garn gerückt
Ist doch die Herrligkeit des GOttes durchgedrungen
Und hat mit neuem Glantz uns wiederumb geschmückt.
Den alle Himmel nicht in sich begreiffen können
Umbfast ein enges Grab zu Trost der Sterbligkeit:
Er selbst das Leben stirbt das Leben zu gewinnen
Geht willig in den Tod damit er uns befreyt.
O unermeßner Lieb hochwerthe Wunder-Zeichen
Die recht magnetisch uns mit GOtt verbinden kan!
Der muß ein Felsen seyn der bey des Herren Leichen
In Thr änen nicht zerrinnt und nimmt diß Leiden an.
Ein Heyde kröne frey die Gräber mit Cypressen
Und schütt’ aus Onychstein den theuren Balsam drauff;
Pracht Bilder Thürm und Zier hat doch die Zeit gefressen
Des Heylands Grabmal weckt die Christen stündlich auff.
Wer woltenicht die Welt und ihre Marter-Wochen
Verwechseln mit der Lust der ungestörten Ruh’?
Wer wil nicht wenn ihm schon die Augen halb gebrochen
Auff des Erlösers Grab mit Freuden eilen zu?
Und legen willig ab die Last der müden Glieder
Die Bürde so uns hier zu Boden hat gebeugt?
Der Erden Angst-Geschrey vertauschen umb die Lieder
Wormit der Engel-Chor vor GOtt sich freudig zeigt?
Ju solcher Andachts-Flamm und heilger Glut entzündet
Hast du
Jm Glauben wolgemuth in Hoffnung stets gegründet
Verlassen diese Welt an Ehr und Leben sat.
Du hast erst GOtt geliebt und dann ein rein Gewissen
In das die Redligkeit ihr Bildnuß hat gepregt:
Es wird der blasse Neid selbst zu gestehen müssen
Daß mit dir deutsche Treu wird in den Sarg gelegt.
Das Kunst-Stück dieser Zeit verstellen Sinn und Hertze
Nicht sagen was man meynt war dir gantz unbekant
In deiner Seele schien der Tugend helle Kertze
Mehr als bey dunckler Nacht ein lichter Diamant.
Dir hat nicht Heucheley noch Gleißnerey gefallen
Und wie du GOtt geehrt so warst du Menschen treu
Die Worte flossen auch gantz ohne Gifft und Gallen
Und deiner Freundschafft Band riß Argwohn nicht entzwey.
Es hat dein gantzes Thun schlecht und gerecht behütet
Wenn manches Ehr-Geitz sich mit blossen Tituln krönt
Die doch nicht ewig seyn die Neid und Zeit zerrüttet
Und die der Urtel-Tisch der Nachwelt oft verhönt.
Die Säulen stehen frey von allen Ungewittern
So im Gedächtnüß sind der Menschen aufgesetzt;
Der Freundschafft Tempel wird in redlichen Gemüthern
Wenn alles Asch und Staub nicht minder hoch geschätzt.
Dir ist O
Dich greifft die Mörderin die Kranckheit nicht mehr an
Du darffst nun weiter nicht des Leibes Foltern sehen
Noch wie ein harter Stoß die Glieder martern kan.
Allein ach allzu früh! entfällest du den Deinen.
Zu früh! Ach allzufrüh! mist dich der Liebsten Hertz
Und aber allzufrüh! Die unerzognen Kleinen
So gantz versencket stehn in Wehmuth Leid und Schmertz.
Und köut es möglich seyn es hielten dich zurücke
Der Eh-Geliebten Treu der Pflegung Embsigkeit
Die Seufftzer vor dein Heil die unverwandten Blicke
Das thränende Gesicht und ungemeine Leid.
Jedoch es ist vorhin vom Höchsten so beschlossen
Der Weg zur Seligkeit geht durch das Grabes Thür;
Am besten daß man folgt dem Schöpffer unverdrossen
Kein Seufftzen Winseln Flehn scheubt einen Riegel für.
Betrübtste der verspricht stets über uns zu wachen
Der sich der Witwen Schutz der Waisen Vater nennt
Wird seiner Allmacht nach diß Creutze linder machen
Daß mitten in der Noth ihr seine Güt erkennt.
Tränckt euch deß Höchsten Hand itzt nur auß Angst-Geschirren
Und speiset euren Mund der Trübsal herbes Brod
So denckt ein Zucker Rohr folgt auf die bittre Myrrheo
Und Gnaden-reicher Trost begleitet eure Noth.
Zu dem der
Da noch manch Unglücks-Sturm auf unsre Scheitel blitzt
Er wird von Cherubim und Seraphim umbfangen
Da unser siecher Leib in stetem Jammer sitzt.
Uns drückt der Fässel Band ihn schmückt der Freyheit Krone
Und unerschöpffter Glantz umbgibet seinen Geist.
Er als ein treuer Knecht steht vor des Höchsten Throne
Und hört wie ihn die Schaar der Außerwehlten preist.
Er feyrt den Sabbath schon der süssen Ruhe-Stunden
Weil wir elende Tag und Nächtestehen aus
Die Brunnen Jsraels hat nun sein Hertze funden
Er wohnet fort für fort in GOttes Freuden-Haus.
Glückselig wer so kan mit seinem Heyland sterben
Und über Kidrons Bach und Thränen-Quällen gehn
Der hört das Freuden-Wort: Du sollst den Himmel erben
Du sollst im Paradiß an meiner Seiten stehn.
Verzeih mir
Aus anverwandtem Blut dir leiste meine Pflicht;
Ein ander kröne dich mit grünen Lorber-Bäumen
Ich mag den Phöbus hier und auch die Musen nicht.
Wer Christus Marter will vor unser Heil erwegen
Dem kan auch Golgatha mehr als der Pindus seyn
Wenn diesen GOttes Hand wird in die Asche legen
So geht auf jenem man getrost in Himmel ein