Mitleidige Zeilen Bey Beerdigung F. E. B. den 20. Augusti 1678.

By Heinrich Mühlpfort

Dein Brehmer wo du hier nicht schöne Blumen findest

Wo Tuberosen nicht in meinen Zeilen stehn

Noch du Granaten-Blüth und die Jesminen bindest

So dencke daß mein Fuß nicht kan auff Rosen gehn.

Ich liege selbsten kranck und sol dir Trost zuschicken:

Wenn hat ein siecher Artzt dem Schmertzen obgesiegt?

Mag eine solche Hand die Wunden wol zudrücken

Die von der Gicht gequält gantz unbeweglich liegt?

Wiewol ich bin kein Stein ich bin nicht ohn Erbarmen

Nun deines Hertzens Hertz und Augen-Trost verfällt

Nun statt der süssen Lust dich Angst und Noth umbarmen

Und bleiche Kümmernüß in ihren Banden hält.

Allein verzeihe mir du Mann von deutschen Sitten

Du Bild der Redligkeit und Abrieß alter Treu

Wo nicht mein

Und mir der Musen Gunst legt keine Lorbern bey.

Ein Leid das hefftig ist fragt nicht nach Wort-Gepränge

Und Kunst und Zierligkeit findt nicht bey Thränen statt:

Zu dem ist mir bekand daß von dergleichen Mänge

Dein reicher Bücher Schatz schon einen Vorrath hat.

Offt kan ein schlechtes Wort tieff ins Gemüthe dringen

Wenn es den Uhrsprung nur aus treuem Hertzen nimmt.

Mein Satz der ist sehr kurtz den ich zum Trost wil bringen:

Gott hat

Warumb es sey geschehn das ist nicht auszufragen

In dieses Rathhaus guckt kein sterblich Auge nicht.

Du must nur mit Gedult den bittern Fall ertragen

Diß heischt dein Christenthum diß fordert deine Pflicht.

Ich räum’ es willig ein daß du itzt Myrrhen schmeckest

Und daß mit Aloe dein Trincken sey vermischt.

Ich glaub es daß du dich mit Kummer-Nesseln deckest

Und häuffig Seelen-weh die Wunden dir erfrischt.

Warumb? dein Schatz ist hin ein Weib von seltner Tugend

Der Häußligkeit Smaragd der Frömmigkeit Saphier.

Die mit dir hat getheilt Hertz Leben Leib und Jugend

Und die ohn unterlaß kömmt deinen Augen für.

Sie hat dich mehr geliebt als wohl ihr eigne Seele

Zu deinem Wohlfahrts-Stand den besten Grund gelegt:

Sie blieb den Schnecken gleich in ihres Hauses Höle

Und hat des Rockens mehr als andrer Lust gepflegt:

Sie war Abigail die weißlich konte rathen

Und die Cornelia bey ihrer Kinder-Zucht.

Wie einen edlen Stamm entdecken seine Schnaten

So wieß’ sie ihre Gütt’ und ihres Ehstands Frucht:

Sie thät ihr selbsten Weh’ dein Wohlsein zubestärcken

Was nur ersinnlich war das schantzte sie dir zu:

Ja ihre Frömmigkeit entbrandt von Liebes-Wercken

Verschaffte dir bey Tag und Nacht nur Trost und Ruh’.

Befahl dir offentlich dein treues Ampt zu lehren

So lehrte sie zu Haus mit nicht geringerm Rath.

Sie wolte Meisterin als wie du Meister hören

Auff daß ein gleich Beruff auch gleiche Würckung hat.

Du kontst in ihrem Schoß die schweren Sorgen tödten

Und ihre Freundligkeit nam deinen Schul-Staub weg

Jhr Antlitz war ein May du wustest nichts von Nöthen

So bald du nur auff sie gelenckt der Sinnen Zweck.

Ach aber tausend Ach! So ungemeine Schätze

So viel Kleinodien raubt dir des Todes Hand!

Ach unsrer Sterbligkeit gantz eiserne Gesetze!

Das Auf- und Niedergang so nahe doch verwand!

Doch wenn du die Vernunfft dich nicht läst länger blenden

Der Schulen Haupt und Licht und mein vertrauter Freund

So weist du daß sie der holt heim zu seinen Händen

Der erstlich Leib und Seel zusammen hat vereint.

Er nimmt sein Pfand hinweg es war dir nur geliehen

Ach liefre mit Gedult was dir vertrauet ein!

Wenn Seelen aus der Welt zu ihrem Ursprung ziehen

Versichert daß sie mehr als hier versorget seyn.

Dir ist ja wol bewust daß sie hat sterben müssen

Und dieser letzte Weg erwartet dich und mich.

Wohl dem der zeitlich kan die müden Augen schlüssen

Er legt viel Ungemach und Leiden hinter sich.

Und streu’stu wieder ein: Mir ist es allzubitter

Das Unglück ist zu groß das mich darnieder beugt

Der Sturm der ist zu hart zuschwer das Ungewitter

So über meinen Kopff mit blitzen sich erzeigt

Wohlan erkennstu nicht des Höchsten Liebes-Schläge?

Ist seine Züchtigung dir denn so unbekand?

Du hast wohl eh’ gepreißt sein unerforschte Wege

Wenn er dich hat geführt durch manchen frembden Sand.

Und mehr ein Beyspiel wird dein eigen Ambt dir geben:

Ein Lehrer muß zwar fromm zugleich auch sträflich seyn

Wenn sich der Jugend Tück und Boßheit will erheben

So hauet er mit Recht auf ihren Rücken drein.

Gott auch damit wir uns in Sünden nicht vergraben

Und mit der tollen Welt zu grund und scheitern gehn

So geisselt er uns offt als wie muthwillge Knaben

Damit wir seine Recht und Satzungen verstehn.

Indessen bleibt bey ihm doch stets ein Vater-Hertze:

Als wie ein Schulen-Mann stets seine Jugend liebt.

Mein

Ein Christ als wie das

Du must durch keinen Fall den Muth dir lassen binden

Steh hohen Felsen gleich in deinem Thränen Meer;

Ein lang und grosser Baum verlacht den Sturm von Winden

Hingegen reicht das Rohr bald seine Kolben her.

Du hast die Welt durchguckt du weist was wir geniessen

Ist Eckel und Verdruß nicht unser beste Kost?

Der Mensch so lang er lebt wird peinlich leiden müsseu

Er lauff aus Sud in Nord aus Westen in den Ost.

Diß sey dein gröster Trost sie ist dir nicht entnommen

Als Leit-Stern zeigt sie dir zu jenem Licht die Bahn.

Sie wird nicht mehr hieher du aber zu ihr kommen

Wem ist nun unter euch weh’- oder wohlgethan?

Vergnüge dich daß du so einen Schatz besessen

Daß so ein Tugend-Weid dir Hertz und Seel erfreut.

&q;Es bleibt ihr Ehren-Ruhm bey allen unvergessen

&q;Und deine Wunden heilt GOtt und die lange Zeit.