Mittagstraum

By Clara Müller-Jahnke

Written 1882-01-01 - 1882-01-01

Sengend über den Feldern

brütet die Juliglut,

der Weizen reift im Brande,

und alles Leben ruht.

Kein Grashalm wogt im Winde,

kein Vogel singt im Baum;

durch meine Seele flutet

ein goldiger Mittagstraum.

Tief in zitternde Aehren

bin ich der Welt entflohn,

großblumig mir zu Häupten

blüht der rote Mohn . . .

Er kränzt mir Haar und Stirne

mit flammendem Geschmeid, – –

all meine Wünsche reifen

der großen Erntezeit.