Moluccische Manucodiata oder Paradiß-Vogel Bey Beerdigung Fr. E. M. v. M. g. H. ...

By Heinrich Mühlpfort

Der Griechen Leichen-Dienst den theils jetzund verüben

Nachdem das Türcksche Joch sie gantz bewältigt hat

Stellt zwar Exempel vor von ihrem treuen Lieben

Doch findet Aberglaub’ allda die meiste statt.

Denn wenn Mann oder Weib von hinnen abgefahren

Hat man des Grabes Ort mit einem Pfal beehrt

Dran Thiere Hirsch und Reh gehenckt in Bildern waren

So von des Todten Ruhm und Eigenschafft gelehrt.

Sie zeigten so die Treu und Fleiß in den Geschäfften

Ja was ein Ehgatt mehr dem andern Guts gethan

Sie raufften gar ihr Haar und liessens daran hefften

Die Tieffe ihres Leids hierdurch zu melden an.

Doch eitler Aberwitz! Wir die wir CHristum kennen

Und in dem Gnaden-Bund der Kinder GOttes stehn

Die wissen unser Leid weit anders zu benennen

Wann über unsern Kopff so schwartze Wolcken gehn.

Denn daß

In Jammer-Fluthen schwim̃t ist nicht verwunderns werth

Weil der ergrimmte Schlag von einem solchen Schmertze

Recht durch den Mittel-Punct der treuen Seele fährt.

Es wird sein bester Schatz der Außzug aller Freuden

Des Hertzens halber Theil in ihren Sarch gelegt.

Er siht jetzt Lieb und Treu von seiner Seiten scheiden

Und wie die Asche man davon zu Grabe trägt.

Er misst die Tugenden so ihn vorhin ergetzet

Des Hauses Wachsamkeit hat sich nunmehr verwacht:

Die Mutter so beglückt an Söhnen ward geschätzet

Die Kummer-Wenderin geht in die lange Nacht.

Er darff nicht erst ihr Grab mit einem Bild bekräntzen

So lange sie gelebt war sie der Tugend Bild:

Sie wiech nach Schnecken-Art nicht aus des Hauses Gräntzen

Die stille Frömmigkeit blieb stets ihr Ehren-Schild,

Doch weil es Christlich ist und es auch rühmlich heisset

Daß man der Todten Ruhm der Nach-Welt einverleibt

Und ihr so reines Grab von eigner Zierath gleisset

Die in Gemüthern blüht und stets beständig bleibt

So soll ein Vogel jetzt ihr Angedencken ehren

Der von dem Paradiß den schönen Nahmen führt

Der die Unsterbligkeit kan durch sein Vorbild lehren

Und der

Molucco sendet ihn aus seinen reichen Inseln

Wo Nelcken Mastix Zimm’t in reichster Fruchtbarkeit

Es kan der Mahler Hand mit allen ihren Pinseln

Erreichen nimmermehr der Farben Unterscheid:

Es war die S

Denlängst der Käyser Gunst in Adel-Stand gesetzt

Der Nach-Ruhm meldet noch auff mehr denn hundert Zungen

Wie hoch der

Es gläntzt des Vogels Haupt mit grün und blauen Straalen

Biß ein recht göldner Schein der Farbē Schmuck vermehrt.

Sie konte der Saphir der seltnen Keuschheit mahlen

Der Reinligkeit Smaragd wurd überall geehrt.

Des Vogels Feuer-Glantz scheint Sternen ob zu siegen

Weil wunder-schöne Zier den gantzen Leib besternnt:

Sie hat mit Tugenden den Pöbel überstiegen

Und mehr als güldne Zucht von Jugend auff gelernt.

Mehr ist nur Himmels-Thau des zarten Vogels Essen;

Jhr war die heilge Schrifft das wahre Himmel-Brodt

Sie hat nie bey der Lust der schnöden Welt gesessen

Weil ihr Veranügen stund nur bey dem höchsten GOtt.

Denn sagt der jenen Mund so die Natur durchgangen

Und ihre Heimligkeit der Nach-Welt kund gethan

Daß nie der Vogel sich an einen Baum gehangen

Er ruhte schwebende auff blauer Lüffte Bahn.

Es taurte Tag und Nacht sein unablässig fliegen

Und dieses schien ein Bild der steten Ewigkeit.

Es man nun dieser Schluß ob-oder unterliegen

Ich bin jetzt nicht geschickt zu schlichten diesen Streit:

Das ist doch einmah! wahr daß der entseelten Frauen

Entbrandter Himmels-Geist dem Vogel gleiche kam

Und ließ bey Andacht mehr sich als der Wollust schauen

Weil sie der Sinnen Fahrt nur nach dem Himmel nahm.

Sie hat auch nie geruht in deß Beruffes Schrancken

Mit Embsigkeit und Treu versorgt des Hauses Heil.

Bedacht wie sie erfüllt deß Eh-Gemahls Gedancken

Weil seiner Wolfarth Nutz auch ihrer Wolfarth Theil.

Der Manucodiat haßt Heck und dick Gesträuche

Fleucht sumpfichten Morast und Pflützen voller Schlam:

Sie nicht mit minderm Grimm die üppigen Gebräuche

Als die ein lockend Gifft der Sunde Brut und Sam’.

Und solt ihr edler Geist noch hier auf Erden schweben?

Wo Untreu List Betrug der Menschen Klugheit heist

Wo wie im Vogel-Leim die Seelen bleiben kleben

Und auf Verstellungs-Kunst der Mensch sich nur befleist.

Und wie dem Vogel nutzt sein fliegendes bemühen

Weil ihn kein Garn berückt kein Vogler leicht nicht fängt

So kan die Lust-Siren den niemals nach sich ziehen

Der wie die

Es freut der Vogel sich je näher er der Sonnen:

Welch Mensch der wolte nicht der Engel Nachbar seyn?

Auß Liebe gegen GOtt ist sie als Wachs zerronnen

Weil sie hat weich gemacht deß Höchsten Allmacht Schein.

Wenn diß

Fällt euren Sinnen bey und Zeit und Ewigkeit

Auf gleiche Schalen legt ich weiß es übersteiget

Der wolgetroffne Tausch das Jammer-reiche Leid.

Zwar daß der Mutter-Hertz nicht solt in Stücken springen

Wann sie ihr eintzig Kind ihr Kleinot scharrt in Sand:

Und daß

Schilt auch kein Hertze nicht das hart als Diamant.

Alleine weil sie war so an das Liecht gebohren

Daß Auf- und Untergang ihr an der Seiten stund

Hat sie zum Hauß der Ruh das Paradiß erkohren

Unb gleich dem Labyrinth geacht der Erden Grund.

Es wächst in Mexico auch eine solche Blume

Die auff den Blättern recht des Vogels Federn trägt

Sie sprost auch der Artzney nicht zu geringem Ruhme

Weil sie der Brust zu gut des Magens Schmertzen legt.

Ich wünsche daß die Blum auß seinem Ehe-Garten

Jhm noch

Denn wenn erreifferwegt der seltnen Tugend Arten

So schläfft der Balsam noch des Traurens Unmuth ein.