Mon Repos.

By Barthold Heinrich Brockes

Die Laube, die ich

nen pflag,

Liegt in dem Walde rechter Hand. Von Caprifolium

und Eichen

Bedecket hier, mit grünen Schatten, ein dicht-geflochtnes

Blätter-Dach,

Ein ausgeschweiftes Rasen-Bänkchen. Dieß lieget, zwi-

schen grünen Sträuchen,

An einem jungen Eichen-Baum, an dessen Stamm man

sanft sich lehnen,

Und recht bequehmlich ruhen kann, um desto mehr, als,

rechter Hand,

Ein ander krumm-gewachs’ner Baum, den Arm bequehm

darauf zu dehnen,

Und recht gemächlich, als ein Lehnstuhl, auf selbigem zu

ruhen, stand.

Der Ast, der erst von ungefehr nach uns, denn von uns

weg sich strecket,

Ist noch, zum Ueberfluß, mit Mooß, als wie ein weicher

Sammt, bedecket.

Zween Eich-Bäum’ stehen an dem Eingang, die sieht man

dergestalt umschlänget

Vom schlanken

kann,

Wie das sonst weich’ und schwache Holz sich in den Stamm

hineingedränget

Noch mehr als zwey Quer-Finger tief. Man sieht hier,

mit Bewundern, an,

Wie das viel schwächere das starke, zuweilen mächtig, zu

bezwingen.

Es kam dieß, was ich sahe, mir,

Von Handlungen auch unter Menschen, als ein belehrend

Sinnbild für:

Da nemlich öfters zarte Frauen selbst Helden zum Gehor-

sam bringen.

Um mich an diesem holden Ort um desto mehr noch zu

ergetzen,

Ließ ich hier einen kleinen Tisch, zum Schreiben, in der

Mitte setzen,

Um, in der Einsamkeit, darauf die Schönheit, die wir hier

erblicken,

Mit Lust und Andacht, abzuschildern, und, GOtt zu Ehren,

auszudrücken.