Mond-Schein. Noch andere Betrachtungen des Mond-Scheins siehe pag. 65. it. Tom. ...
Mit einer still- und reinen Lust,
Mit einer sanften Freud und Wonne,
Erfüllte neulich meine Brust
Der helle Mond, die weisse Schatten-Sonne;
Indem sich nemlich Licht und Schatten,
Auf Erden, in der Lufft und Fluth,
So angenehm gemischt, so sanft verbunden hatten,
Daß durch mein Auge, Blut und Muth
Zu einer Harmonie, zu einer süssen Stille,
Und in der Creaturen Pracht und Fülle,
Zu dem, der sie erschuff, gebracht,
Und halb entzücket ward.
Es war die holde Nacht
Von denen Rächten, welche man
Nicht leicht, als in der Tichter Schriften, finden,
Und keiner gnug bewundern kann.
Der Himmel war entwölckt, gantz heiter, klar und rein.
Die Lufft war lau und still, es funckelten die Sterne
In einem regen Glantz. Der Silber-farbne Schein
Des eben vollen Monds, erfüllt mit sanftem Strahl
Wald, Wiesen, Gärten, Berg und Thal.
Ein’ ungemein’ und angenehme Stille
Regieret’ überall:
Und ward durch nichts, als durch der Nachtigall
Hell klingend singen, unterbrochen.
Wie lieblich ist, sprach ich, des Mondes sanftes Licht,
Wann es das feuchte Rund der duncklen Welt bestrahlet,
Und durch der Wälder Schatten bricht!
In welcher Harmonie sieht ein vergnügt Gesicht
So dann das, was man sieht! Die Cörper sind gemahlet
In einem holden Grad von Glantz und Finsterniß;
Die Formen sind sowohl, als Farben, ungewiß,
Und alles reitzet unsre Brust
Zu einer still- und sanften Lust.