Moralische Betrachtung über den Schnee.

By Johann Justus Ebeling

Da ich im lichten Glanz aus der beflok- ten Höh,

Vom Himmels-Strahl befärbt

Der als ein schwarzer Koth, wie

Wird durch dem Wunderblik ein Andachtsfeur er-

Ich fühle einen Trieb da ich vom Sünden roth,

Beflekt an Seel und Leib, vom schwarzen Laster-

So weiß als Schnee zu seyn. Wie werd ich das

Daß ich mit reinem Herz in Unschuld könne pran-

Wie wasch ich mich gleich jezt mit Schnee Gewäs-

So werd ich doch vor

Der Sünden Aussaz bleibt. Jedoch wenn ich be-

Daß schimmerreicher Schnee ein himmlisches Ge-

So lehrt mich dieses auch, daß ich nur werde

Von dem Gewissens Schmuz durch

Ich wende mich zu dir, HErr Himmels und der Er-

Durch dich kan jeder Mensch der Blutroth Schneeweiß

Ich traue deinem Wort, ich kom in Buß zu dir,

Ich nehme Christi Blut, das reinigt für und für.

Wollan ich bin nun rein, in der Erlößten Or-

Durch deiner Gnaden Licht so weis als Schnee ge-

Und leb ich ferner from, da die Gerechtigkeit

Des Heilands, mich geschmükt mit seinem Unschulds-

So ist mein ganzes Thun, als unbeflekt zu se-

So wird mein Tugendschein mich vor der Welt er

Allein bewahre mich vor aller Prahlerei,

Flöß mir stets in den Sinn daß ich ein Mensche

Ein schwarzer Erdenklos, ein Schneeklump der nicht

Wenn ihn des Himmels Licht mit seinen Schein nicht

Jhr Heuchler die ihr euch bei euren Glanz nicht

Und von gemahlten Licht zwar scheinet, doch nicht

Jhr prahlet nur umsonst mit euren Glanz und Ga-

Bedenkt woher wir das, was gut empfangen ha-

Ist es nicht von dem HErrn dem Vater alles Lichts?

Ohn dessen Gnaden-Schein, sind wir ein Dunst,

Seht euer Ebenbild, das ist im Schnee gedrükket,

Den wir so gleissend schön vor kurzer Zeit erblikket,

Wie sieht er nunmehr aus, er ist beschmuzt, be-

Sein reiner Schweffel Stoff mit schwarzen Koth

Jhr schienet auch so schön, der Glanz der ist ver-

Eur glänzend Unschulds-Kleid hat Flekken gnug er-

Der Schnee zerschmelzzet leicht, und seine weisse

Kommt uns denn wie ein Koth und schäumend Un-

So geht es Heuchlern auch so bald am Licht der

Der angeschminkte Kalk der Frömmigkeit zerron-