N.A.

By Christian Knorr

Ihr Seelen die ihr euch der Libe Macht verschriben

Und unter ihrem Fahn eur höchstes Glücke sucht

Die ihr durch den Magnet der Schönheit angetriben

Der Freyheit schweres Joch in Höll und Grab verflucht.

Glaubt nicht daß dieser Reim werd’ eure Wahl beflecken

Nein sicher: Er begibt mit euch sich in die Reyh

Und wird vor aller Welt gantz ungescheut entdecken

Daß auf der Erde nichts so süß als Liben sey.

Welch aufgeweckter Geist welch feuriges Gemütte

Wird sich der Libe Macht zu tadeln unterstehn?

Da manch erlauchtes Haupt und Königlich Geblütte

In ihren Fesseln sich nicht scheut einherzugehn.

Man siht die Sternen selbst in süsser Libe brennen

Der Weinstock ist verlibt in seinen Ulmen-Baum

Wer kan vom Agtstein Spreu Magnet vom Eisen trennen?

Sucht bey der Sonne nicht die Sonnenwende Raum?

Gewiß die Libe bleibt der Zucker dieses Lebens

Der Sinnen Mandelmilch der Seele Paradeiß;

Wo Libe nicht der Zweck ist alle Müh vergebens

Sie ists die Hertz und Geist recht zuvergnügen weiß.

Dis ist die Gold-Tincktur die stärckt und heilt viel besser

Flöst auch weit größre Krafft den schwachen Adern ein

Als mit viel Bezoar und Perlen schwangre Wässer

Die Krancken oft mehr Gift als süsses Labsal seyn.

So ists: Wo aber ist ein festes Band zu finden?

Wer hat ein solches Ertz der Welt bekant gemacht

Das unzertrennlich ist und die kan ewig binden

Die Köder reiner Lust der Lib ins Garn gebracht?

Hir steckt die gröste Kunst wer hir weiß vorzubauen

Daß Lib und Wechsel nicht in gleicher Reyhe gehn

Und allzeit eine Kost nicht letzt erweck ein Grauen

Den mag man Sternen gleich mit höchstem Fug erhöhn.

Zwar weiß ich werden viel mit vollem Halse sprechen

Die mehr der Sache Schein als wahren Grund besehn

Der Ehstand sey dis Band so keine Macht kan brechen

Dis Feuer so kein Wind sey tüchtig auß-zu-wehn.

Ach aber! weit gefehlt! hir eben steckt die Klippe

An der so manches Schiff zu Grund und Drümmern fährt

Weil sie ein Englisch Bild in heßliches Gerippe

Den besten Honigseim in Drachen-Milch verkehrt.

Das Demant-feste Band so man den Ehstand nennet

Reist ja viel eh als Stroh und dürres Garn entzwey;

Viel welche lange Jahr in höchster Glutt gebrennet

Spricht meist der Hochzeit-Tag in einer Stunde frey

Der Libe Braut-Rock krigt die erste Nacht offt Flecken

Und solche die kein Talck mehr außzubringen weiß

Ihr bunter Rosenstock verwandelt sich in Hecken

Der süsse Liebes-Brand in hart-gefrornes Eiß.

Des Ehstands bester Wein pflegt zeitlich zu versauren

Der Einschlag der Begir verschwefelt ihn zu bald

Kaum daß die Flitterwoch und Küsse-Monden tauren

Dann wird er abgeschmackt und vor den Jahren alt.

Die Geilheits Flagge treibt uns auf verbotne Wässer

Und läst den klaren Strom des Hauses unberührt;

Und schmeckt von frembdem Stock ein saurer Heerling besser

Als Trauben deren Glantz den eignen Garten zirt.

Wir leben leyder! nicht mehr in denselben Zeiten

Wo Mann und Buhler eins wie Weib und Libste war;

Wer denckt die Neigungen durch Tugend zu bestreiten

Man libt sich allzusehr und suchet die Gefahr.

Die Unvergnügligkeit umbnebelt unsre Sinnen

Daß man was uns gebricht vor Gold und Demant hält

Und diesen Augenblick wenn wir es haben können

Wird es in grob Metall und schlechtes Glaß verstellt.

Wir nennen weil wir noch in freyen Lüften fliegen

Das Braut-Bett einen Thron so nichts als Lust gewehrt

Doch eh der rechte Fuß kaum halb hinein gestigen

Wünscht mancher daß es sey ins Leichentuch verkehrt.

Zu dem so ist die Lieb ein höchst subtiles Wesen

Sie schaut ein seiden Band wie Strick und Ketten an

Wer scharffe Mittel braucht wird nimmermehr genesen

Weil weder Ertz noch Stahl den Willen zwingen kan.

Genung: Ihr die ihr libt und euch wollt ewig liben

Ich rath euch und mit Fug: Sagt aller Heyrath ab

Denckt daß ein kluger Geist nicht ohne Grund geschriben:

Der Ehstand ist und bleibt nichts als der Libe Grab.

Wie aber laß ich mich ein falsches Irrlicht blenden?

Welch toller Aberwitz hat meinen Geist bethört?

Es fällt die Feder mir vor schrecken auß den Händen

Daß man dergleichen Traum auß meinem Munde hört.

Verzeiht ihr die ihr lest ich hab’ es zwar geschriben

Doch sicher! Hertz und Geist hat nichts daran gemacht;

Ich weiß in Wahrheit nicht was mich vor Wuth getriben

Daß ich so närrisch Ding hir auf die Bahn gebracht.

Wie? Sol der Ehstand nicht das Band der Libe heissen?

Sol er der Zunder nicht zu stetem Brande seyn?

Kan die Vermählungs-Kett’ ein blauer Dunst zerreissen?

Und fällt der Libs-Palast den Tag der Hochzeit ein?

Verflucht wer dieses glaubt: Der Ehstand bleibt die Qvelle

Wo täglich neue Lust in vollen Röhren springt

Ein von dem Himmel selbst gegebner Schlaff-Geselle

Ist ein unschätzbar Gutt so nichts als Freude bringt.

Das Brod der keuschen Eh kan keinen Eckel geben

Wenn frembde Schleckerey bald Uberdruß erweckt;

Ein himmlisches

Und macht daß Aloe wie süsses Honig schmeckt.

Hir muß der Lilgenstrauch im harten Winter blühen

Der Pomerantzen Baum ist nie von Früchten leer

Kein Wasser kan das Oel von dieser Lamp’ entzihen;

Die Eh hat Palmen-Art ihr fället nichts zu schwer.

Gesetzt die Sonne wird mit Wolcken überzogen

Sie zeigt im Augenblick ein weit vollkommner Rad

Ein süsser Zephir-Wind zertheilt die Wasserwogen

Die der Versuchungs-Sturm zur Prob erreget hat.

Wahr ists: Daß man nicht hir mit Seufzen schertzen küssen

Wie bey der Buhlerey verzehret Tag und Nacht

Allein wo Geist in Geist und Hertz in Hertz zerfliessen

Wird solches Possenwerck und Kinderspiel verlacht.

Und was bemüh ich mich den Ehstand zu erheben?

Ein jeder sehe nur die

Die werden aller Welt ein klares Zeugniß geben

Das in der Libe bloß die Eh vergnügen kan.

Genung: Ihr die ihr libt und ewig denckt zu brennen

Itzt kommt mein rechter Rath den ich zu geben weiß

Sucht euch ein solches Band so nur der Tod kan trennen

Und glaubt: