N.A.
Ihr Seelen die ihr euch der Libe Macht verschriben
Und unter ihrem Fahn eur höchstes Glücke sucht
Die ihr durch den Magnet der Schönheit angetriben
Der Freyheit schweres Joch in Höll und Grab verflucht.
Glaubt nicht daß dieser Reim werd’ eure Wahl beflecken
Nein sicher: Er begibt mit euch sich in die Reyh
Und wird vor aller Welt gantz ungescheut entdecken
Daß auf der Erde nichts so süß als Liben sey.
Welch aufgeweckter Geist welch feuriges Gemütte
Wird sich der Libe Macht zu tadeln unterstehn?
Da manch erlauchtes Haupt und Königlich Geblütte
In ihren Fesseln sich nicht scheut einherzugehn.
Man siht die Sternen selbst in süsser Libe brennen
Der Weinstock ist verlibt in seinen Ulmen-Baum
Wer kan vom Agtstein Spreu Magnet vom Eisen trennen?
Sucht bey der Sonne nicht die Sonnenwende Raum?
Gewiß die Libe bleibt der Zucker dieses Lebens
Der Sinnen Mandelmilch der Seele Paradeiß;
Wo Libe nicht der Zweck ist alle Müh vergebens
Sie ists die Hertz und Geist recht zuvergnügen weiß.
Dis ist die Gold-Tincktur die stärckt und heilt viel besser
Flöst auch weit größre Krafft den schwachen Adern ein
Als mit viel Bezoar und Perlen schwangre Wässer
Die Krancken oft mehr Gift als süsses Labsal seyn.
So ists: Wo aber ist ein festes Band zu finden?
Wer hat ein solches Ertz der Welt bekant gemacht
Das unzertrennlich ist und die kan ewig binden
Die Köder reiner Lust der Lib ins Garn gebracht?
Hir steckt die gröste Kunst wer hir weiß vorzubauen
Daß Lib und Wechsel nicht in gleicher Reyhe gehn
Und allzeit eine Kost nicht letzt erweck ein Grauen
Den mag man Sternen gleich mit höchstem Fug erhöhn.
Zwar weiß ich werden viel mit vollem Halse sprechen
Die mehr der Sache Schein als wahren Grund besehn
Der Ehstand sey dis Band so keine Macht kan brechen
Dis Feuer so kein Wind sey tüchtig auß-zu-wehn.
Ach aber! weit gefehlt! hir eben steckt die Klippe
An der so manches Schiff zu Grund und Drümmern fährt
Weil sie ein Englisch Bild in heßliches Gerippe
Den besten Honigseim in Drachen-Milch verkehrt.
Das Demant-feste Band so man den Ehstand nennet
Reist ja viel eh als Stroh und dürres Garn entzwey;
Viel welche lange Jahr in höchster Glutt gebrennet
Spricht meist der Hochzeit-Tag in einer Stunde frey
Der Libe Braut-Rock krigt die erste Nacht offt Flecken
Und solche die kein Talck mehr außzubringen weiß
Ihr bunter Rosenstock verwandelt sich in Hecken
Der süsse Liebes-Brand in hart-gefrornes Eiß.
Des Ehstands bester Wein pflegt zeitlich zu versauren
Der Einschlag der Begir verschwefelt ihn zu bald
Kaum daß die Flitterwoch und Küsse-Monden tauren
Dann wird er abgeschmackt und vor den Jahren alt.
Die Geilheits Flagge treibt uns auf verbotne Wässer
Und läst den klaren Strom des Hauses unberührt;
Und schmeckt von frembdem Stock ein saurer Heerling besser
Als Trauben deren Glantz den eignen Garten zirt.
Wir leben leyder! nicht mehr in denselben Zeiten
Wo Mann und Buhler eins wie Weib und Libste war;
Wer denckt die Neigungen durch Tugend zu bestreiten
Man libt sich allzusehr und suchet die Gefahr.
Die Unvergnügligkeit umbnebelt unsre Sinnen
Daß man was uns gebricht vor Gold und Demant hält
Und diesen Augenblick wenn wir es haben können
Wird es in grob Metall und schlechtes Glaß verstellt.
Wir nennen weil wir noch in freyen Lüften fliegen
Das Braut-Bett einen Thron so nichts als Lust gewehrt
Doch eh der rechte Fuß kaum halb hinein gestigen
Wünscht mancher daß es sey ins Leichentuch verkehrt.
Zu dem so ist die Lieb ein höchst subtiles Wesen
Sie schaut ein seiden Band wie Strick und Ketten an
Wer scharffe Mittel braucht wird nimmermehr genesen
Weil weder Ertz noch Stahl den Willen zwingen kan.
Genung: Ihr die ihr libt und euch wollt ewig liben
Ich rath euch und mit Fug: Sagt aller Heyrath ab
Denckt daß ein kluger Geist nicht ohne Grund geschriben:
Der Ehstand ist und bleibt nichts als der Libe Grab.
Wie aber laß ich mich ein falsches Irrlicht blenden?
Welch toller Aberwitz hat meinen Geist bethört?
Es fällt die Feder mir vor schrecken auß den Händen
Daß man dergleichen Traum auß meinem Munde hört.
Verzeiht ihr die ihr lest ich hab’ es zwar geschriben
Doch sicher! Hertz und Geist hat nichts daran gemacht;
Ich weiß in Wahrheit nicht was mich vor Wuth getriben
Daß ich so närrisch Ding hir auf die Bahn gebracht.
Wie? Sol der Ehstand nicht das Band der Libe heissen?
Sol er der Zunder nicht zu stetem Brande seyn?
Kan die Vermählungs-Kett’ ein blauer Dunst zerreissen?
Und fällt der Libs-Palast den Tag der Hochzeit ein?
Verflucht wer dieses glaubt: Der Ehstand bleibt die Qvelle
Wo täglich neue Lust in vollen Röhren springt
Ein von dem Himmel selbst gegebner Schlaff-Geselle
Ist ein unschätzbar Gutt so nichts als Freude bringt.
Das Brod der keuschen Eh kan keinen Eckel geben
Wenn frembde Schleckerey bald Uberdruß erweckt;
Ein himmlisches
Und macht daß Aloe wie süsses Honig schmeckt.
Hir muß der Lilgenstrauch im harten Winter blühen
Der Pomerantzen Baum ist nie von Früchten leer
Kein Wasser kan das Oel von dieser Lamp’ entzihen;
Die Eh hat Palmen-Art ihr fället nichts zu schwer.
Gesetzt die Sonne wird mit Wolcken überzogen
Sie zeigt im Augenblick ein weit vollkommner Rad
Ein süsser Zephir-Wind zertheilt die Wasserwogen
Die der Versuchungs-Sturm zur Prob erreget hat.
Wahr ists: Daß man nicht hir mit Seufzen schertzen küssen
Wie bey der Buhlerey verzehret Tag und Nacht
Allein wo Geist in Geist und Hertz in Hertz zerfliessen
Wird solches Possenwerck und Kinderspiel verlacht.
Und was bemüh ich mich den Ehstand zu erheben?
Ein jeder sehe nur die
Die werden aller Welt ein klares Zeugniß geben
Das in der Libe bloß die Eh vergnügen kan.
Genung: Ihr die ihr libt und ewig denckt zu brennen
Itzt kommt mein rechter Rath den ich zu geben weiß
Sucht euch ein solches Band so nur der Tod kan trennen
Und glaubt: