N.A.
By Simon Dach
Es muß doch nur gestorben seyn
Kein Mittel ist dawieder
Sind schon nicht Fall vn Kranckheit
Das Alter wirfft vns nieder
(pein
Vnd heisst vns ausgehn wie ein Liecht
Wenn Nahrung jhm gebricht
Zuletzt wird anders nichts daraus
Die Fackel dieser Erden
Die Sonne Kinder Freund' vnd Hauß
Muß übergeben werden
Denn die Natur erlässt vns nicht
Der strengen Schuld vnd Pflicht.
Was Wunder ist es dann daß wir
Auch diese Fraw begraben?
Die Jahre führen sie von hier
Die sich verbunden haben
Mit Schwachheit vnd mit sonst Verdruß.
Dadurch man sterben muß.
Der zweene Männer früher Tod
Fraß viel von jhrem Hertzen
Der Kinder Hintritt bracht jhr Noht.
Wer zehlet sonst die Schmertzen
Die jhm durch ein sehr festes Band
Verknüpfft der Witwenstand?
Voraus der Sohn den Dantzig nam
Bekümmert jhr die Sinnen
Biß gar zuletzt ein Fieber kam
Vnd raffte sie von hinnen
So gehn wir eins dem andern nach
In vnser Schlaff-Gemach.
Gleich wie auff einem Hochzeit-Mahl
Die gehen heim beyzeiten
Vnd diese später biß der Saal
Gar einsam wird von Leuten
Vnd dann darauff in kurtzer Frist
Nur œdes Grawen ist.
Wol vns vnd mehr als wol dabey
Daß wenn wir sind gestorben
Wir werden durch den Tod erst frey
Vnd gar nicht sind verdorben
Denn hier ist nur deß Lebens Bann
Dort geht das Leben an.
Wo keine Trübsal keine List
Durchaus nicht hin kan kommen
Wo Gott das alles was er ist
Zu schawen giebt den Frommen
Wo man der Frewden übrig hat
Vnd wird jhr nimmer sat.
Dieß ist zu dancken Christi Noht
Der jetzt sich lässt ermorden
Vnd als ist deß Todes Tod
Der Höllen Pest geworden
Vnd hat deß finstern Grabes Nacht
Zum süssen Schlaff gemacht.
Es kostet ihm kein zeitlich Gut
Vns wieder zu erwerben
Es that es nicht der Opffer Blut
Er muste selber sterben
Vnd einen Tod zwar welcher gar
Ein Fluch vnd Grewel war.
Die Last der Sünden ward jhm schwer
Er trug sie allzusammen
Gott stürtzt auff jhn des Zornes Meer
Vnd seines Eiffers Flammen
Er sah' erbärmlich vmb nach Raht
Der weit weit vor jhm trat.
Wo sind die mit so wenig Brod
Von jhm gesättigt waren?
Wo die in jhrer Kranckheit Noht
Sein' heilsam' Hand erfahren?
Die Jünger sämptlich fliehen auch
Wie Bienen für dem Rauch.
Herr Jesu laß die Todes-Pein
Vns zur Artzney gereichen
O schleuss vns deinen Wunden ein
Voraus wenn wir verbleichen
So führ durch deine Todes-Qual
Vns in des Lebens-Saal.
Dieß nahm die seelge Fraw in acht
Als sie nun solte scheiden
Sie gab den Ihren gutte Nacht
Vnd in dem letzten Leiden
War Jesus jhr Verstand vnd Mund
Wie er am Creutze stund.
Sie hat auch dessen Trost gemerckt
Er ist jhr beygesprungen
Hat in dem Tode sie gestärckt
Der Höllen Macht bezwungen
Vnd jhren Geist dahin geführt
Wo jhn kein Schmertz berührt.
Jetzt schwebt sie bey jhm allezeit
Ist aller Noht entbunden
Lacht dieser Erden Eitelkeit
Vnd hat die Frewd' empfunden
Dergleichen sich kein Schatten hält
In dieser gantzen Welt.
Lasst diesen Trost nur bey Euch ein
Fraw Sandinn Gottes Willen
Deß ewren Zwang vnd Richtscheid seyn
Er wird euch gnugsam stillen
Gott gönnt jhr seiner Frewden Licht
Das mißgönnt jhr Jhr nicht.