Nacht-Lied.

By Johann Georg Gressel

Schönste Göttin du mein Leben

Deine Schönheit beht’ ich an;

Du kanst meiner Seelen geben

Was sie recht vergnügen kan.

Angenehme Himmels-Lust

Ist der Anblick deiner Brust

Und dein wunder-schönes Wesen

Machet meinen Geist genesen.

Syris deine Rosen-Wangen

Sind der Liebe Auffenthalt

Und die Purpur Lippen prangen

Wie des Meers Corallen-Wald.

Meine Seele liebstes Kind

Allda ihr Vergnügen findt;

Wer sie kühnlich darf beküssen

Kan die höchste Lust geniessen.

Küß’ ich deine schönen Brüste

Alsdenn wird mein Geist entzückt

Und derselben süsse Lüste

Machen mich durchaus beglückt.

Wer dein schönes Wesen liebt

Und sich dir zu eigen giebt

Darf in seinem gantzen Leben

Nicht am Unglücks-Tuche weben.

Ist es? daß dein Schooß mich schliesset

In der Wollust Haven ein

Und wird mir die Pein versüsset

Der ich noch muß zinß bahr seyn

Alsdenn ist mein Glück so groß

Daß ich deiner schönen Schooß

Und dein lieblichen Ergötzen

Nichtes kan entgegen setzen.

Du ein Bild der reinen Sternen

Und ein Schatz des Himmels bist

Deine Keuschheit läst mich lernen

Was des Himmels Wesen ist.

Deine Schönheit Zucht und Zier

Stellet ihn vollkommen für

Alles was er schönes heget

Ist dir

Schwinden schon die klahren Sterne

Blickt mich doch mein Himmel an

Dessen Blicke auch von ferne

Ich genau erkennen kan.

Schläffst du gleich in süsser Ruh

Wirffst du mir doch Blicke zu;

Deiner Schönheit helle Strahlen

Kan kein Dunckel nicht bemahlen.

Wenn der traur’ge Abend weichet

Und die schwartze Nacht anbricht

Dennoch Morgen-Rosen reichet

Dein beliebtes Angesicht.

Das in angenehmer Pracht

Als der heiter Himmel lacht

Daß ich mag den Himmel finden

Vor dem alle Nächte schwinden.