Nacht-Lied.
Schönste Göttin du mein Leben
Deine Schönheit beht’ ich an;
Du kanst meiner Seelen geben
Was sie recht vergnügen kan.
Angenehme Himmels-Lust
Ist der Anblick deiner Brust
Und dein wunder-schönes Wesen
Machet meinen Geist genesen.
Syris deine Rosen-Wangen
Sind der Liebe Auffenthalt
Und die Purpur Lippen prangen
Wie des Meers Corallen-Wald.
Meine Seele liebstes Kind
Allda ihr Vergnügen findt;
Wer sie kühnlich darf beküssen
Kan die höchste Lust geniessen.
Küß’ ich deine schönen Brüste
Alsdenn wird mein Geist entzückt
Und derselben süsse Lüste
Machen mich durchaus beglückt.
Wer dein schönes Wesen liebt
Und sich dir zu eigen giebt
Darf in seinem gantzen Leben
Nicht am Unglücks-Tuche weben.
Ist es? daß dein Schooß mich schliesset
In der Wollust Haven ein
Und wird mir die Pein versüsset
Der ich noch muß zinß bahr seyn
Alsdenn ist mein Glück so groß
Daß ich deiner schönen Schooß
Und dein lieblichen Ergötzen
Nichtes kan entgegen setzen.
Du ein Bild der reinen Sternen
Und ein Schatz des Himmels bist
Deine Keuschheit läst mich lernen
Was des Himmels Wesen ist.
Deine Schönheit Zucht und Zier
Stellet ihn vollkommen für
Alles was er schönes heget
Ist dir
Schwinden schon die klahren Sterne
Blickt mich doch mein Himmel an
Dessen Blicke auch von ferne
Ich genau erkennen kan.
Schläffst du gleich in süsser Ruh
Wirffst du mir doch Blicke zu;
Deiner Schönheit helle Strahlen
Kan kein Dunckel nicht bemahlen.
Wenn der traur’ge Abend weichet
Und die schwartze Nacht anbricht
Dennoch Morgen-Rosen reichet
Dein beliebtes Angesicht.
Das in angenehmer Pracht
Als der heiter Himmel lacht
Daß ich mag den Himmel finden
Vor dem alle Nächte schwinden.