Nacht-lied.

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Jetzt da die nacht tritt ihre herrschafft an

Und glantz und licht mit braunem mantel decket

Da uns der schlaff die müden glieder strecket

Und einsamkeit für lust tritt auff die bahn;

So scheinet doch der schönheit holde kertze

Und treibet uns den flammen-brand ins hertze.

Ach Lisillis! erblick uns gnädig an

Und sieh die höchst-verpflichten knechte stehen

Der alles zwingt zwang uns hieher zu gehen;

Wir sagen dirs: die liebe hats gethan.

Wenn deine sonne scheint so mag der sterne

Hell-gläntzend licht sich machen in die ferne.

Jhr augen denen sonn und monde weicht;

Jhr spiegel-glaß der tieff-verliebten seelen;

Kan auch ein mensch die heisse glut verbelen

Die uns geschwind eh man es hofft beschleicht

Die unsre freyheit wirffet auff die bahre

Jm schönsten May im lentzen frischer jahre?