Nachtgesang.

By Gotthard Ludwig Kosegarten

Tiefe Feyer

Schauert um die Welt.

Braune Schleyer

Hüllen Wald und Feld.

Trüb und matt und müde

Nickt jedes Leben ein,

Und namenloser Friede

Umsäuselt alles Seyn!

Wacher Kummer,

Verlass ein Weilchen mich!

Goldner Schlummer,

Komm und umflügle mich!

Trockne meine Thränen

Mit deines Schleyers Saum,

Und täusche, Freund, mein Sehnen

Mit deinem schönsten Traum.

Blaue Ferne,

Hoch über mich erhöht!

Heilge Sterne

In hehrer Majestät!

Sagt mir, ist es stiller,

Ihr Funkelnden, bey euch,

Als in der Eitelkeiten

Aufruhrvollem Reich?