Nächtliche gedancken bey erbli- ckung des monden.

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Halt ein mit deinem lauf du königin der sternen

Du silber-weißer mond mit deinem blassen schein

Du kanst aus deiner burg am besten ja von fernen

Ein zeuge meiner noth und meiner wehmuth seyn.

Sag an ich schwere dir hastu mich auch erblicket

Seyt dem Melinde sich von hinnen hat verfügt

Daß mein verwachtes aug vom schlaffe sey erquicket

Ob schon die gantze welt in sichrer ruhe liegt?

Du weist wann mensch und vieh die müden augen schliessen

Und die gestirnte nacht den stillen welt-creys deckt

So wach ich zwischen furcht und ängstlichem verdriessen

Und bleicher kümmernüs die geist und blut erschreckt

Bald klag ich meine noth mit jammernden geberden

Bald ruf ich himmel erd und das verhängnüs an;

Bald red ich gantz verwirrt von tausend angst-beschwerden

Womit so kümmerlich mein hertz ist angethan.

Bald spiel ich wieder auch mit flüchtigen gedancken

Doch häuf ich solcher art nur immer meine pein

Bis letzt die geister selbst aus ihren zirckeln wancken

Und drauf mein gantzer leib wil wie erstorben seyn.

So pfleg ich tag und nacht den jammer zu beklagen

Der meine brust bestürmt mit ungemeiner noth

So wünsch ich mehrentheils bey hundert tausend plagen

Mir nichts als meinen sarg mein grab und meinen todt.

Ja mond! du weist genug mein innerlich betrüben

Du kennest gar zu wohl den ursprung meiner pein.

Laß dann Melinden auch ein theil von meinem lieben

Und meiner traurigkeit nicht unverholen seyn

Bring vor ihr zartes ohr mein jammer-volles klagen

Zeig ihr in deinem licht und deiner bleichen pracht

Den abris meiner angst und meiner heissen plagen

Die meinen leib erstarrt mein autlitz blas gemacht.

Sag ihr wie meine brust mit bleicher furcht ümbfangen

Worinn die trauer-sucht ihr schwartzes wonhaus baut

Wie mein gewöhntes aug mit seufzendem verlangen

Viel tausend tausendmahl nach ihrer wohnung schaut

Wie mein bestürtzter geist mit ängstlichem beginnen

Auff seinen untergang und sein verderben läuft

Wie unmüth und verdrus die foltern meiner sinnen

Nur seele geist und blut mit drangsal überhäuft.

Stell ihr auch endlich vor mein kümmerndes bezeigen

Und laß die seufzer ihr nicht unverborgen seyn

Die mit bedrängter stimm aus meiner seele steigen

Und himmel erd und lufft umb hülff und rettung schreyn.

Nun Luna! lauffe fort mit deinen blancken pferden

Dein helles licht nimmt zu mein lebenslicht nimt ab

Du grüst der sternen heer mit jauchtzenden geberden

Ich aber traurens voll mein längst gewünschtes grab;

Du cilest freudig fort Melindens mund zu küssen

Und senckst auf selbigen die reinste strahlen hin

Und ich hergegen mus dis alles alles missen

Weil ich nur allzuweit von ihr entfernet bin.

Doch gönn ich gerne dir dein völliges vergnügen

Nur bitt ich wann dein licht sich einsten wieder zeigt

So sage mir alßdann ohn heucheley uud lügen

Was doch Melinde macht und wie sie mir geneigt.