Nächtliche gedancken bey erbli- ckung des monden.
Halt ein mit deinem lauf du königin der sternen
Du silber-weißer mond mit deinem blassen schein
Du kanst aus deiner burg am besten ja von fernen
Ein zeuge meiner noth und meiner wehmuth seyn.
Sag an ich schwere dir hastu mich auch erblicket
Seyt dem Melinde sich von hinnen hat verfügt
Daß mein verwachtes aug vom schlaffe sey erquicket
Ob schon die gantze welt in sichrer ruhe liegt?
Du weist wann mensch und vieh die müden augen schliessen
Und die gestirnte nacht den stillen welt-creys deckt
So wach ich zwischen furcht und ängstlichem verdriessen
Und bleicher kümmernüs die geist und blut erschreckt
Bald klag ich meine noth mit jammernden geberden
Bald ruf ich himmel erd und das verhängnüs an;
Bald red ich gantz verwirrt von tausend angst-beschwerden
Womit so kümmerlich mein hertz ist angethan.
Bald spiel ich wieder auch mit flüchtigen gedancken
Doch häuf ich solcher art nur immer meine pein
Bis letzt die geister selbst aus ihren zirckeln wancken
Und drauf mein gantzer leib wil wie erstorben seyn.
So pfleg ich tag und nacht den jammer zu beklagen
Der meine brust bestürmt mit ungemeiner noth
So wünsch ich mehrentheils bey hundert tausend plagen
Mir nichts als meinen sarg mein grab und meinen todt.
Ja mond! du weist genug mein innerlich betrüben
Du kennest gar zu wohl den ursprung meiner pein.
Laß dann Melinden auch ein theil von meinem lieben
Und meiner traurigkeit nicht unverholen seyn
Bring vor ihr zartes ohr mein jammer-volles klagen
Zeig ihr in deinem licht und deiner bleichen pracht
Den abris meiner angst und meiner heissen plagen
Die meinen leib erstarrt mein autlitz blas gemacht.
Sag ihr wie meine brust mit bleicher furcht ümbfangen
Worinn die trauer-sucht ihr schwartzes wonhaus baut
Wie mein gewöhntes aug mit seufzendem verlangen
Viel tausend tausendmahl nach ihrer wohnung schaut
Wie mein bestürtzter geist mit ängstlichem beginnen
Auff seinen untergang und sein verderben läuft
Wie unmüth und verdrus die foltern meiner sinnen
Nur seele geist und blut mit drangsal überhäuft.
Stell ihr auch endlich vor mein kümmerndes bezeigen
Und laß die seufzer ihr nicht unverborgen seyn
Die mit bedrängter stimm aus meiner seele steigen
Und himmel erd und lufft umb hülff und rettung schreyn.
Nun Luna! lauffe fort mit deinen blancken pferden
Dein helles licht nimmt zu mein lebenslicht nimt ab
Du grüst der sternen heer mit jauchtzenden geberden
Ich aber traurens voll mein längst gewünschtes grab;
Du cilest freudig fort Melindens mund zu küssen
Und senckst auf selbigen die reinste strahlen hin
Und ich hergegen mus dis alles alles missen
Weil ich nur allzuweit von ihr entfernet bin.
Doch gönn ich gerne dir dein völliges vergnügen
Nur bitt ich wann dein licht sich einsten wieder zeigt
So sage mir alßdann ohn heucheley uud lügen
Was doch Melinde macht und wie sie mir geneigt.