Nächtlicher Gruß

By Friedrich Hebbel

Written 1836-01-01 - 1836-01-01

In dieser dunklen Stunde

Der rings ergoßnen Nacht

Hab' ich bei Euch die Runde

Zu Gruß und Kuß gemacht.

In eines Jeden Hause

Sprach ich getreulich vor,

Bis in des Letzten Klause

Mein Geist sich ganz verlor.

Nun seid ihr längst versunken

In Schlaf und tiefen Traum,

Und schwingt Euch ahnungstrunken

Hoch über Zeit und Raum.

Leicht glaubt Ihr zu erstreben,

Was nie die Erde bot,

Und habt so doppelt Leben.

Für einen halben Tod.

Ich aber habe leise

Der Pforte mich genaht,

Die in die ew'gen Kreise

Euch aufgethan den Pfad,

Und all' die stumme Trauer,

Die mir das Herz noch schwellt,

Umschwebt als letzter Schauer

Euch kalt aus dieser Welt.