Nantes

By Friedrich Gottlieb Klopstock

Written 1795-01-01 - 1795-01-01

Über Avignons Blutgericht ragt das der Loäre

Hoch empor; die Sprache vermag doch

Dort zu stammeln: hier fehlt's ganz an den Worten ihr, sind ihr

Selbst die lebendsten todt; sie verstummet!

Wissbegierigen könte vielleicht wortlose Geberdung

Das, das Niegesehene bilden:

Aber würden sie nicht entfliehn? nicht, wenn vor Entsetzen

Sie einwurzelten, schnell sich verhüllen?

Habt ihr Thränen, die ganz des Guten innerstes rühren,

Thränen des tiefsten Grams, blutige Thränen; so weint!

Könige, Schaaren aus Völkern vollführeten viele, nicht kleine

Greuel in Jahrhunderten. Frankreichs

Freye, die Herscher, das Volk zu Schaaren vollführeten grössre,

Mehr, eh Ein Mondhundert entflohn war.

Jenes Gericht, der Wasserehn Erfinder, es blickte

Stets nach der Höhe der Staatsumschaffung;

Ha der Loäre Todesgericht hat empor sich geschwungen

Bis in der Greuel gesunkensten Abgrund!

Habt ihr Thränen, die ganz des Guten innerstes rühren,

Thränen des tiefsten Grams, blutige Thränen; so weint!

Wunderbar! neues Licht hat den Wissenschaften geleuchtet,

Durch die tollhauswürdigen Richter!

Denn, durch sie, ist geendet ein Streit der Weisen; wir wissen

Jetzo, dass Seelen, haben die Thiere.

Habt ihr Thränen, wie keine floss der entheiligten Menschheit,

Thränen des tiefsten Grams, blutige Thränen; so weint!