[Nehmt war/ wie öde liegt der Teutschen ädler Grund]Fußnoten

By Georg Philipp Harsdörffer

Written 1632-01-01 - 1632-01-01

Nehmt war wie öde liegt der Teutschen ädler Grund

Wie macht den Mutterleib das Schwert der Kinder wund

Die Söne balgē sich ihr Muht erhitzt von Kriegē

Schmältzt Städt und Länder ein die grimmen Krieger siegē

In ihrem Mutterland vergiessen Brüderblut

Vnd wüten wider sich daß nie keinTiger thut.

Wer solt jetzt teutsches Land auf Teutschen Boden finden?

Das Alte liegt verwüst kein Neues gräbt man auf

Es ist mit Brand verheert es stäubt noch mit den Winden.

Kurtzkünftig bleibt ihm gar das Leben in dem Lauf.

So recht so muß es seyn so ist des Glükkes Lauf

Wann ihm Verhängniß winkt. Ach! hengt die Flöten auf

Ihr Hirten brecht kein Rohr. Was ist das euch erfreuet

Nun eure Felder gar mit Knochen überschneiet

An Scheddeln trächtig sind? Lasst Vfer Vfer seyn

Die Aeren lohnen nicht werft nicht mehr Saamen ein

Wer Weitzen ausgeseet muß Aas und Beine lesen

Lasst Rinden unbekerbt verfasst kein Reimen-Lied

Ohn nur das Luft und Wind vertraut das Jammerwesen.

Doch wo die Schlange pfeifft ist man deß Singens müd.

Ich bin des Singens ja das Land des Dultens müd

Doch beydes machet mich vermälen Last und Lied.

Ach Last wo seh ich hin da diese nicht zu sehen?

Noch närlich können hier die Schaf zur Weide gehen

Zwar krank von todter Forcht. Hier ist noch güldne Zeit

Ach Jammer wo Metall Metall und Steine speyt

Wo die Trompete trönt und wo die Paukke brummet

Wo Kugelhagel schlosst wo Pulfer platzt und blitzt

Vnd wo Kartaunenlos der Donner tönt und summet.

Krieg und der Krieger sind auf eine Weis erhitzt.

So gehts wo Grausamkeit noch Grausamkeit erhitzt.

Was Teufeley was Wut daß man mit Schwefel blitzt?

Nit gnug ist dz das Schwert ach! Roß und Mann zerstukket.

Es müssen Bäude auch von Feuer seyn verschlukket

Die keine Schuld beschuldt als nur das mildeseyn

Daß nicht vor langst ihr Sturtz grub diese Buben ein.

Man gräbet in die Welt und schikket in die Lüfte

Was doch auf Erd gehört die Menschen Holtz und Stein

Was aus der Erd geholt hölt ihren Bauch gräbt Krüfte.

Bald muß auch Plutons Haus des Wütens Schauhaus seyn.

Was hilfts man pfleget so der Will muß Anwalt seyn

Vor zeiten focht die Faust jetzt thuts Metall und Stein

Ich kan und soll ja nicht diß Kriegen Kriegen nennen

Ein freyer Diebstahl ists Mord Raubē Metzeln Brennen

Die keine Folter strafft kein Galge Baum noch Rad:

Das Land besoldt den Feind die Beute den Soldat.

So nehrt ein Bube sich ein fauler Beerenheuter

Der Thor und Mauren scheuht der Strikk und Schwert verdient.

So wird er aus dem Dieb und Schalk ein freyer Beuter.

In Vntaht sucht man Lob in Lastern Tugend grünt.

So leider! lebt man jetzt Die Tugend hat vergrünt

Sie schied lang aus der Welt: Die Welt den Lastern dient.

Wo soll es endlich hin? Man dekket auch die Zinnen

Der Gottes-Tempel ab und Rosse wohnen drinnen.

Das Weibsvolk gibt man feil der Wiegen Vnschuld leidt

(Die Teufel sind doch selbst in Menschen eingekleidt)

Des Alters grauer Witz vor Zeiten hochgeehret

Muß mit dem greissen Kopf hin auf die Metzelbank

Offt hat auch eine Wund zwey Leben ausgeleeret

Zwey Leben eines Leibs. Ich werde blaß und krank.

Nun ich erfahr es auch mich macht noch immer krank

Ein ehgefültes Leid (nicht auf der Schlächterbank

Ein abgenommnes Gut. Ich wolt mich Saalwarts wenden

Vor Jahren wie bewust von diesen Pegnitz-enden:

Ich war fast in dem Port der Anfuhrt winkte mir

Als eine rauhe Rott kroch von dem Busch herfür.

Was dacht ich ach! was Raht? was sagt ich will es werdē?

Ich bin ein Schäfersmann: Diß war ein todes Wert

Weil ihre Ohren taub sie namen meine Heerden:

Froh räumt ich (sonder die) mein schierstes Grab den Ort.

Das ist betaurens wehrt. Doch kränkt mich auch ein Ort.

Ein Ort. Ach daß ich solt nicht reden diese Wort.

Du Elbe Mutterstrohm (ich muß fast Trehnen giessen.)

Wann war es als du nicht für Leichen kondest fliessen?

Wann war es doch als dich roht angefärbet hat

Dein ädles Magdeburg die schöne Hänse-Stadt?

Du Ich wir wissens wohl O ein verhasstes Wissen

O mahl O grausams mahl! – – –

Klajus hätte dieses verlängert wann ihn nicht eine wunderseltsame Begebenheit wendig gemacht