Neu-Jahrs- Gratulation an einen vorneh- men Minister.

By Johann Georg Gressel

Das kluge Alterthum von dessen guten Sitten

Noch keine dieser Zeit so gar verloschen ist

Ist recht mit Vorbedacht ins neue Jahr geschritten

Wenn

Und vor den holden West die rauhen Winde-wehen

Daß jene muß betrübt nach ihrem Buhlen sehen.

Die Felder sind dann leer von Früchten und von Leuten

Der ungestühme

Und seine Ritter-Schaar will nach den harten Streiten

So wie ihr Führer still und nicht blut-gierig seyn.

Es ruht zu solcher Zeit was diese Welt umschliesset

Was

In diese frohe Zeit da Dolch und Degen liegen

Da lauter Lieblichkeit die stoltze Ruhe reicht

Da hat das Alterthum zu jedermanns Vergnügen

Das neue Jahr gesetzt und dadurch angezeigt

Daß denn mit bestem Recht die Wünsche können fliessen

Weil

Jhr Absehn war dabey den Göttern Danck zu geben

Vor die verliehne Ruh sie wünscheten zu gleich

Daß ferner ihre Huld sie friedlich liesse leben

So wären sie so wol am Glück als Gütern reich.

Am meisten liessen sich dieselbe wünschend hören

Die vorgenoßne Gunst die Gönner musten ehren.

Weil nun die neue Welt auch diesen Brauch beliebet

So stellt sich meine Pflicht Hoch-Wohlgebohrner ein

Mein Arm-seyn aber nichts von Gold und Silber giebet

Mein Unvermögen läst mich nicht frey-gebig seyn.

Der Wille ist zwar da doch das Vermögen fehlet

Ohn das der Wille todt und gleichsahm ist entseelet.

Doch seiner Großmuth wird der Wille auch gefallen

Denn hohe Leute sind mit solchem offt vergnügt

Ein

Wenn ein getreuer Knecht mit Wasser vor ihm liegt

Er schaute an das Hertz und nicht Geschenck und Gaben

Weil unter solchen offt das schärffste Gifft vergraben.

Ich lege mich nun selbst zu seinen Füssen nieder

Und stimme meinen Wunsch mit diesen Worten an:

Der Himmel schencket uns den frohen Tag jetzt wieder

An dem ein jeder jauchtzt der nur zwey Worte kan.

Was von Vergnügen ist in dieser Welt zu finden

Hoch-Wohlgebohrner Herr das muß sich ihm verbinden.

Sein Alter steige so wie Noahs seine Jahre

Husai beuge sich vor seinen klugen Raht

Sein Reichthum wachse so wie Jacobs Haabe ware

Der Fürst mach’ ihn so groß wie man dem Joseph that.

Kein Unfall müsse ihm niemahls beschwerlich werden

Bis ihm der Himmel wird gegeben vor die Erden.

Zwar da die Gaben schlecht und kein Geschenck zu nennen

So müste wol die Pracht der Worte grösser seyn

Doch was verstellet ist ist leichtlich zu erkennen

Prahl-Worte geben nichts als über-tünchten Schein

Ein steinern Schau-Gericht und Wind-erfüllte Torten

Reicht der der seine Pflicht bringt in geschminckten Worten.

Ich bring ein treues Hertz das heisse Wünsche reichet

Das grosser Gönner ihm auf ewig ist geschenckt

Wenn seine hohe Gunst nur niemahls von mir weichet

So bin ich stets vergnügt und bleibe ungekränckt.

Nun Himmel mache wahr was meine Wünsche haben

So wird mit froher Lust sein hohes Hertz sich laben.