Neu-Jahrs-Wunsch an eine vornehme Gönnerinn im Nahmen eines andern.
Als noch das alte Rom Minerven Opffer brachte
Und
Wie es den Eichen Krantz um
Und gantz erfreuet sprach: Nun ist das neue Jahr.
Da sah man die bemüht mit Wünschen und mit Gaben
Die ein danckbares Hertz vermeyneten zu haben.
Der weise
Wenn er die Danckbarkeit die schönste Tugend nennt.
Sie ist des Himmels-Bild und eine Brut von oben
Aus deren Trieben man den schönen Ursprung kennt
Die Götter lieben sie und alle die sie lieben
Ja sie befehlen selbst wir sollen solche üben.
Jetzt da der frohe Tag nun wiederum erscheinet
Den Tag den uns der Herr zur Freud und Lust gemacht
Der Tag der Freude bringt an dem kein Auge weinet
An welchem jedermann mit vollem Munde lacht
So soll auch meine Pflicht erkenntlich sich erweisen
Und die genoßne Gunst mit hohen Dancke preisen.
Sie ists Hochwertheste die so viel Gütigkeiten
Ja tausend und noch mehr mir unverdient erzeigt
Sie ist es deren Gunst sich noch zu allen Zeiten
Wenn ich etwas bedurfft mit Raht zu mir geneigt.
Was sage ich mit Raht in Worten und in Wercken
Ließ sie ihr gütigs Hertz in allen Sachen mercken
Vor alle solche Gunst ist mein erfreut Gemühte
Nun es die Zeit befiehlt mit Lob und Danck bereit
Gerechter Himmel gib vor alle ihre Güte
Jhr die Belohnung hier und dort in Ewigkeit
Laß nie den Unglücks Wind auf ihre Wohnung wehen
Laß sie in höchster Lust auf lauter Rosen gehen.
Dis ist der treue Wunsch den mein Gemühte heget
Der Himmel ists der Ja und Amen dazu spricht
So lange sich mein Hertz in meinem Busen reget
So lange läst mein Mund den heissen Seuffzer nicht.
Sie und ihr gantzes Haus muß sich mit Anmuth weiden
Bis sie der Höchste nimmt in jene Himmels-Freuden.